Altersvorsorge
Der große Riester-Check

Wer bietet die beste Riester-Rente? Versicherungen, Fonds, Bausparkassen und Banken verwirren Sparer mit zahlreichen Vorsorge-Varianten. Welches Produkt für wen geeignet ist und worauf Sparer achten sollten.
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DüsseldorfDie hitzige Debatte um die Riester-Rente fördert ein großes Missverständnis. Es lautet: Angeblich hätten die Deutschen kein Vertrauen mehr in die staatlich geförderte private Altersvorsorge. Die Verkaufszahlen scheinen dies zu belegen, denn sie gehen zurück.

Doch man kann die Statistik auch anders interpretieren: Mehr als zehn Jahre nach Einführung der Riester-Rente schauen die Deutschen wesentlich genauer hin, was hinter Riester steckt.

Die Sparer lassen sich nicht mehr von vorübergehenden Steuervorteilen und unverbindlichen Prognosen blenden, die ihnen übereifrige Vertreter aus der Versicherungswirtschaft vorrechnen, sondern achten in der Niedrigzinsphase immer stärker auf die Kosten der Produkte.

Die Folge: Die Deutschen lassen Versicherungsprodukte links liegen, kaufen Fonds vorsichtiger und setzen am liebsten auf Altersvorsorge in den eigenen vier Wänden. Dies zeigt die Absatzstatistik des ersten Halbjahres Unter dem Strich führt dies dazu, dass der Neuabsatz von Riester-Renten in diesem Jahr um ein Drittel sinkt.

Dies geht wahrscheinlich vor allem zulasten der Versicherungswirtschaft, weshalb diese Branche auch entsprechend betrübt ist: „Der Absatz von Riester-Verträgen wird 2012 voraussichtlich um 34 Prozent auf rund 620.000 Stück sinken“, schätzte der Verbandspräsident Rolf-Peter Hoenen jüngst.

Sein Urteil: ein „dramatischer“ Einbruch. Andererseits: Die Zahl der Riester-Verträge stiege damit auf immerhin rund 16 Millionen Stück, wovon die Versicherungsbranche rund zwei Drittel im Bestand hätte. Nachdenklich werden alle Akteure allerdings, wenn sie auf die niedrigen Summen der Riester-Sparer schauen.

Im Schnitt sind es 843 Euro, die für die private Altersvorsorge im Jahr zurückgelegt werden. Dabei kassieren die Sparer 316 Euro staatliche Zulagen. Dies berichtete jüngst die „Bild"-Zeitung unter Berufung auf den Alterssicherungsbericht der Bundesregierung. Fast die Hälfte der Riester-Sparer habe ein Einkommen von weniger als 20.000 Euro im Jahr. Fast zwei Drittel (61,3 Prozent) seien kinderlos. Fast jeder fünfte Riester-Vertrag sei schließlich von den Sparern ruhend gestellt, weil sie kein Geld mehr haben oder die Lust am "Riestern" verloren hätten.

Kommentare zu "Der große Riester-Check"

Alle Kommentare
  • Wohnriester ist die größte Volksverdummung: Auf Dränger der jammernden Bausparkassen, auch etwas vom Riesterkuchen haben zu wollen, wurde dieses Produkt erfunden.
    Wer Wohnriester abschließt, verzichtet (oder kann sich nicht mehr leisten) meist auf eine zusätzliche Altersvorsorge. Folge: Außer der ges. Rente zahlt man für das Wohnförderkonto noch Steuern. Hier ist Altersarmut vorprogrammiert. Der Verkauf der Immobilie wird diese Situation dann nur retten. Da wir aber Bevölkerungsrückgang haben, wird der Verkauf in 20-30 Jahren mangels Käufer, meist nicht den gewünschten Kaufpreis erbringen.
    Bei einer Scheidung (50% der Ehen werden vorz. geschieden)kommt es häufig zum Verkauf der gem. Immobilie.Folge, wenn nicht innerh. v. 4 Jahren etwas anderes gekauft wird, komplette Rückzahlung der gesamten Förderung. Für eine neue Altersvorsorge bleibt meist kein Geld (kurze Restlaufzeit, hohe mtl. Sparrate).
    Noch schlimmer trifft es die, die sich dann doch keine Immobilie kaufen können (mang. Einkommen, wechselnde Arbeitsstellen, Zeitverträge, Arbeitslosigkeit usw.).
    Wohnriester wird unter Inflationsrate mit 0,5% bis 1% Zins angespart. Wird im Arbeitsleben dann nicht gekauft/gebaut, wird das angesparte Geld durch die Bausparkasse in eine Versicherung investiert. Dort entstehen neue Abschlußgebühren....die arbeiten ja bekanntl. nicht umsonst.
    35 Jahre Jahre 100 € mtl. sparen ergibt bei 0,5% Zins ein Guthaben von 46.000 € minus Gebühr Versicherung,
    Riesterversicherungen ca. 3,5 % ergeben 82.200 € Guthaben, keine neue Gebühr, wer wird wohl die höhere Rente beziehen?
    Diese Nachteile werden von insb. Bank/Sparkassenberatern überwiegend unterschlagen! Auch unsere tollen Verbraucherschützer ignorieren diese Probleme.
    Der Verkauf gestaltet sich ganz einfach: Herr Kunde, sehen Sie mal, die Verbraucherschützer sagen, Wohnriester ist am besten....dann machen wir das doch auch am besten.
    Und das Feindbild Versicherung fördert ja auch den Verkauf von Finanztest. Man will ja auch leben

  • moin allerseits,

    wir können uns glücklich schätzen im Alter nicht alleine zu sein, denn die Leute die von ihrer angesparten Altersvorsorge nicht existieren können wir stetig anwachsen. Nur so als Bespiel gerechnet: Die 50.000 tsd Jahreseinkommen, Single ohne Kinder kommen bei mir nicht ganz hin, als Anhaltspunkt sind sie dennoch zu gebrauchen. Wenn ich dann die Aufstellung im Handelsblatt lese kann ich nur lachen, bei einer Inflation von 5 %( die haben wir deutlich, der Euro hat in den letzten 11 Jahren 50% Kaufkraftverlust verzeichnet) habe ich in 25 Jahren, denn dann bin ich 67, eine Lücke von 3.386 Euro. Wie soll der Kleinverdiener das denn bitteschön zur Seite legen ? Mieten und Gesundheitskosten die man selbst tragen muß werden genauso ansteigen. Sollte ich dann eine Rente von 850 Euro vor Steuern bekommen und noch etwas Privat geriestert haben, wird das dennoch nicht ausreichen. Ich frage mich nur woher soll denn die Rendite kommen, in der Dauerniedrigzinsphase, bei prekären Arbeitsverhältnisse und Lücken in der Erwerbsbiographie ? Das gewährt doch kein durchgängiges einzahlen in die Rentenkasse oder private AV. Ich habe mich davon verabschiedet und hoffe viele werden folgen, ich lege meine Erparnisse in Gold und Silber an, verringere meinen Konsum, investieren in meinen Geist, gehe meditieren und erfreue mich an der Natur. Denn das was uns hier als Altersvorsorge angeboten wird, ist in naher Zukunft eine Zwei Klassengesellschaft, eine mit und eine ohne Zähne.

  • Ich kann nur eindringlich warnen einen Riester Vertrag abzuschließen ohne genau die Kosten zu kennen.
    Mein Sohn schüttelt noch heute seinen Kopf über soviel Dreistigkeit und Frechheit über die sogenannten Verwaltungskosten bei einer Sparkasse im Südwesten der Republik.
    Nicht nur dass die Höhe der "Vergütung" viel zu hoch ist neinn auch die Dynamík dieser Kosten ruiniert die Rentabililtät dieser Anlage völlig.
    So wurden für 2011 Verwaltungskosten verlangt die weit über den staatlichen Zulagen lagen und einen Teil der Zinsen verschlangen.
    Wenn man jetzt noch die Inflation abzieht dann ist die Riesterrente ein Draufleggeschaft - aber nur deshalb weil gierige Kreditinstitute diese Vertäge als Gelddrucḱmaschine ansehen.
    Ich habe die Notbremse gezogen und den Vertrag gekündigt und in konservative Aktien angelegt die einmalig 9,9€ Kaufkosten verursachen und eine sehr gute Rendite abwerfen.
    Die Politik hat völlig versagt bei der Kostenkontrolle ein Kniefall vor der Bankenlobby - anders kann man diese Vorgehenweise nicht erklären!!

  • Es ist mir angesichts der weltweiten Schuldenkrise unbegreiflich, dass es überhaupt noch "Sparer" gibt, die Ansprüche auf dem Papier erwerben wollen und dabei ernsthaft hoffen, sich dafür in 20 oder 30 Jahren mehr als eine Tüte Bonbons kaufen zu können.
    Man darf darüber spekulieren und streiten, wie und wann genau unserer Schuldgeldsystem kollabiert (ob Inflation, Schuldenschnitte, Bankzusammenbrüche, Währungsreform etc. etc. sein werden), doch dass es in der Zukunft eine Entwertung aller auf dem Papier bestehenden Ansprüche geben wird, das ist eine feststehende Tatsache.

  • Der private Rentenmurks muss weg. Es ist doch nur Abzocke der Bürger mit Abschlussgebühren, Provisionen, Kontoführungskosten etc. Was am Ende nach 30 bis 40 Jahren rauskommt, sind dann wohl nur Peanuts. Wer kann heute schon errechnen, was später eine geschlossene Rentenlücke von 200 bis 300 Euro wert sind? Vielleicht einen Kasten Bier oder gar nichts. Die Privatisierung der Rente ist der größte Unfug der Politik, der in die Verarmung führt. Sinn macht nur die Einzahlung durch alle, wirklich alle Bürger in die gesetzliche Rente. Alle Ausnahmen müssen weg. Auch das Ausklinken der Politiker, der Beamten, der Apotheker, Rechstsanwälte, Notare, Ärzte, Bauern etc. Bis zur Versicherungsgrenze gehören sie alle in die gesetzliche Rentenverantwortung. Dann ginge es trotz deren Ansprüche allen Rentnern wieder besser. Über die Versicherungsgrenze hinaus können alle selbst tun und lassen, was sie wollen. Auch wenn der private Rentenmurks unterm Strich keine Sicherheit und Garantien bringt. Er ist nicht zu empfehlen.

  • Besser selbst informieren und entscheiden!

    Da die Kosten der Versicherungen (Provsionen und Managementgeb.) einen Großteil der Rendite auffressen muss hier gesagt werden, dass sich diese durchaus über einen HONORARABERATER der ETF´s mit anbietet erheblich reduzieren lassen. Hiervon sollte man dringend Gebrauch machen und vorab genügend Zeit in die eigene Informationsfindung stecken, da ansonsten i.d.R. leider nur die Provisionsdollaraugen der Vermittler zu mäßigen bis schlechten Produkten führen.

    Man sollte sich über das Feld ETF´s (exange traded funds), die immer einen Index (Warenkorb) abbilden schlau machen. Diese gibt es auf alle möglichen Warenkörbe (DAX, S&P, MDax, MSCI World, Rohstoffe, Schwellenländer etc.). Hier ist die Renditeentwicklung abzüglich relativ geringer Kosten immer genau so wie der gewählte Index. Man muss also nicht das Glück haben, den einen aktiv verwalteten Fonds zu finden, der dauerhaft besser als der gewählte Index sein könnte. Den gibt es nämlich i.d.R. nicht!

    Ich habe mich als Arbeitgeber für meine Arbeitnehmer ein wenig schlau gemacht. Die oftmals als "Testsieger" angepriesenen Direktversicherer bieten i.d.R. nur mittelmäßige, teure Fonds an. Da wird die wenige Provisionserparnis durch die schlechten Produkte wieder weggenommen.

  • "worauf Sparer achten sollten"
    Sparer sollten vor allem darauf achten nicht von den Euro-Rettern uebern Tisch gezogen zu werden. Wer heute noch in KLV oder Riester investiert hat es einfach nicht besser verdient. Sachwerte sind in, besonders solche die mobil sind und sich leicht vor gierigen Euro-Rettern verstecken lassen.
    Also Aktien, Edelmetalle und vielleicht Sammlerobjekte (Kunst, Muenzen, usw.) wenn man davon genug versteht. Ein Haus kann schnell mit Steuern belastet werden (Lastenausgleich) oder zur Altersversorgung angerechnet werden. Wenn es ins Pflegeheim geht ist das Hauesle weg. Mit der Euro-Rettung kommt auf den sparsamen Michel noch die ein oder andere Schweinerei zu. Da heisst es mobil sein und sein Vermoegen moeglichst gut verstecken, sonst greift der Euro-Retter zu.

  • Riester - ein Produkt für naive Menschen....

  • Hier ein Beispiel aus der Praxis, sprich der konkrete Ablauf eines Riestervertrages über 10 Jahre:
    Ansparleistung von 2002 bis 2010 € 10.808 bei Hansainvest
    Zinsen/Ausschüttungen in der Zeit € 793,22
    Auszahlung vor Verrentung von 30 % € 3.480,36
    Verrentung des verbleibenen Kapitals von € 8.120,85 ergibt für einen 62-jährigen Mann bei Verwendung der Sterbetafel Sterbetafel DAV 2004 R die Zahlung einer Monatsrente von € 30,45 durch Signal-Iduna.
    Trotz einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Leiter der
    Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen in Berlin, Ulrich Stolz, wurde bisher, auch nach mehr als 10 Jahren, keine Riesterzulage gezahlt.
    Das Riestervertrag rechnet sich nur dadurch, dass eine Steuerersparnis von € 3.484 den Nettokapitalaufwand deutlich vermindert.
    Dennoch, das Geschäft machen die Versicherungen und Banken! Die staatlichen Subventionen gehen in die falsche Tasche!!!! So war das nicht gewollt. Oder doch???

  • Moin, Moin!

    ich hab gerade das Gehalt von Zahnmedizinischen Fachangestellten erfahren: 1400 Euro Brutto bei 40 Std.-Woche und viele arbeiten als Mütter halt nur Teilzeit. Na, wovon sollen die Leute denn den Riester zahlen? Bei der Stromrechnung mit verrechnen lassen?

    und die Politik lockt diese naiven jungen Leute in eine Riesterrente mit einer monatlichen Sparsumme von 20 Euro und mit gekürzten oder ohne Zulagen. Total asozial, wenn sie mich fragen.

    zur selben Zeit subventioniert selber Staat einen B-Beamten höherer Dienst ebenfalls mit vollen Zulagen von Rürup und Riester, selber bekommt aber schon A hohe Pension und B hat eine hohe Betriebsrente.

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