Altersvorsorge
Der Politiker und der Professor

Für wen lohnt sich die Riester-Rente, für wen lohnt sich ein Rürup-Vertrag? Die beiden Namensgeber treffen auf der Handelsblatt-Versicherertagung aufeinander – und sind nicht immer ganz einer Meinung.
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MünchenDas Thema Altersvorsorge ist kompliziert. So kompliziert, dass selbst in der Versicherungswirtschaft manchmal Unklarheiten herrschen. Bertram Valentin, Hauptbevollmächtigter bei der Standard Life Versicherung, veranlasst das auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Assekuranz im Aufbruch“ zu einer bissigen Aussage in Richtung der beiden deutschen Rentenpioniere Walter Riester und Bert Rürup: „Wahrscheinlich können Sie selbst nicht erklären, wer einen Riester- und wer einen Rürupvertrag braucht.“ 

Bert Rürup reagiert sofort: Natürlich könne er das erklären! „Das zeichnet den Professoren aus“, sagt der Moderator und sorgt damit im Publikum für noch mehr Schmunzeln und Lachen. Auch wenn die Einführung also hätte freundlicher sein können – als die beiden Rentenexperten dann ihre Vorträge halten, lauscht das Publikum gebannt. Die beiden können ihr Naturel dabei nicht verbergen: Riester – der Politiker, Rürup – der Professor. 

Anders als die vielen, eher trockenen Redner zuvor auf der Versicherertagung spricht Riester völlig frei, statt hinter dem Rednerpult zu stehen, geht er über die Bühne. Und er redet nicht wie ein Rentner – mit dieser „Berufsbezeichnung“ wird der ehemalige Arbeitsminister vom Moderator vorgestellt –, sondern immer noch wie ein Politiker.

Zunächst versucht er die Stimme seines Vorgängers Norbert Blüm nachzumachen: „Die Rente ist sicher.“ So wäre die Denke damals gewesen. Noch als er, Riester, in das Amt kam, hätte kaum jemand eine staatlich geförderte, private Altersvorsorge gefordert – er hätte sie trotzdem eingeführt, aus Überzeugung. Und macht dann eine große ausholende Bewegung mit den Armen, dass das Rentenvolumen immer größer wird – die Lebenserwartung der Menschen steige und der Anspruch an den Lebensstandard im Alter auch.

Dann blickt er voraus: Einige Verbesserungen seien bei der privaten Altersvorsorge nötig. So sollten etwa auch Selbstständige mit Riester sparen können, das sei gerade für die vielen kleinen Freiberufler wichtig. „Bei fast allen ist die Altersvorsorge hundsmiserabel“, sagt Riester. In der Koalitionsvereinbarung der aktuellen Regierung stehe drin, diesen Punkt zu prüfen. „Bei der  bisherigen Erfolgsbilanz der Koalition  habe ich allerdings Zweifel an der Umsetzung.“ Da ist er wieder, der Politiker. 

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  • Ja Herr Valentin, so kompliziert das Standart Life selbst wieder aus den BU-Versicherungen ausgestiegen ist, weil man sich damit verhoben hat! Es rächt sich halt wenn man aus Marketinggründen toll klingende Produkte mit Airbag erfindet, aber nicht die Rückstellungen dafür nicht Riskogerecht bedacht hat!

    "Das Thema Altersvorsorge ist kompliziert. So kompliziert, dass selbst in der Versicherungswirtschaft manchmal Unklarheiten herrschen. Bertram Valentin, Hauptbevollmächtigter bei der Standard Life Versicherung"

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