Altersvorsorge
Der verzweifelte Kampf um die Lebensversicherung

Die Deutschen kaufen immer weniger Lebensversicherungen. Doch der größte Versicherer im Lande möchte seinen Verkaufsrenner noch nicht abschreiben. Was von den Argumenten der Allianz zu halten ist.
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Der Dinosaurier lebt. 250 Jahre schon. Und wenn es nach dem führenden Versicherer in Deutschland geht, sollen noch viele glückliche Jahre folgen. „Wir gehen davon aus, dass aller Kritik zum Trotz Lebens- und Rentenversicherungen nicht zuletzt aufgrund einer rapide alternden Bevölkerung langfristig wichtige Bausteine der privaten Vorsorge bleiben werden“, stellt die Allianz vollmundig fest.

Optisch illustriert der Versicherer diese These mit einem Baby und dem Hinweis: „Die Welt altert.“.

Wohl wahr. Doch blicken wir zurück. Das Licht der Welt erblickte die Lebensversicherung 1762. Friedrich der Große regierte in Preußen, in Europa tobte der Siebenjährige Krieg, und in England gründeten ein paar clevere Geschäftsleute die erste Gesellschaft, die die Lebensversicherungen anbot. „Die erste Lebensversicherung der Geschichte war eine Wette zwischen zwei Londonern auf den Tod eines kranken Mannes. Es ging um 382 Britische Pfund“, stellt der WDR in einem Beitrag fest.

Schon von Anfang an ein Glücksspiel also. Das passt gut zur aktuellen Debatte um den Bestseller der Versicherungswirtschaft. „Die gegenwärtige Finanzkrise und die damit verbundenen niedrigen Kapitalmarktzinsen stellen Lebens- und Rentenversicherungen auf den Prüfstand“, stellt der Marktführer fest. Aber nicht nur das: „Auch neue aufsichtsrechtliche Regelungen wie Solvency II und die Einführung von Unisextarifen machen dem Produkt zum derzeitigen Zeitpunkt das Leben schwer.“

Gut versorgt?

Anteil der Deutschen, die ihre Altersvorsorge
nicht weiter ausbauen wollen*

in Prozent


Im Schnitt hat jeder Deutsche mehr als eine Lebensversicherung gekauft. Insgesamt laufen noch mehr als 90 Millionen Verträge. Doch Jahr für Jahr werden es weniger.

Das kann auch die Branche selbst nicht ignorieren: „Lebensversicherungskunden haben im Jahr 2011 Verträge im Gesamtwert von 13,95 Milliarden Euro vorzeitig gekündigt. Auf sie entfielen 18 Prozent der Auszahlungen. Das Stornovolumen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent. Dies geht aus der jüngsten Statistik des Branchenverbandes GDV hervor“, berichtet die Zeitschrift „Finanztest“.

Als Desaster beurteilen manche gar Zahlen des Arbeitsministeriums. Vor Jahren verkauften die Versicherungen ihre Riester-Renten noch wie warmes Brot. Doch im zweiten Quartal 2012 machten die Menschen einen weiten Bogen um diese Variante der staatlich geförderten Altersvorsorge: Schlusslicht in der Verkaufsstatistik – mit einem verschwindend geringen Marktanteil. 84.000 Menschen entschieden sich neu für eine Riester-Rente. Nur 2.000 der Verträge entfielen auf förderfähige Versicherungen.

Das Ministerium stellt dazu nüchtern fest: „Erkennbar wird daran ein Trend zu mehr konsequent sicherheitsorientiertem Riestern mittels Banksparplänen und eine Tendenz zur Sachwertanlage durch Investitionen in selbstgenutzte Immobilien über das Wohn-Riestern.“ Da stellt sich die Frage: Sind Lebensversicherungen nicht mehr sicher? Werden diese Produkte überhaupt noch gebraucht? Und wenn ja, in welcher Form?

All das sehen natürlich auch die Strategen der Allianz. Doch anstatt auf die Argumente der Kritiker einzugehen, etwa die Kritik an zu hohen Kosten, entwickeln sie ihre Sicht in fünf Thesen.

 

Kommentare zu " Altersvorsorge: Der verzweifelte Kampf um die Lebensversicherung"

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  • Kann mir bitte jemand erklären warum eine Fondsgebundene Lebensversicherung nicht im BGH Urteil berücksichtigt wird?

  • Ich hoffe,dass ich meine Kapitallebensversicherungen noch bis zu deren Ende bedienen kann,denn etwas Besseres als eine vorzeitige Kündigung kann den Versicherungen nicht passieren.Wer auf seine Versicherung sauer ist,der sollte sie auf keinen Fall damit strafen,dass er früher aussteigt,sondern damit,dass er seinen Vertrag erfüllt.
    Wenn all die alten Verträge,die noch steuerfrei abgeschlossen wurden ausgezahlt werden und keine neuen nachfolgen,dann wird sich die Branche warm anziehen müssen.

  • Bitte denken!
    Ich bin auch kein großer Anhänger von Lebensversicherungen, aber zwei Punkte sind doch bei diesen Vergleichen mit anderen Anlagemöglichkeiten dringend zu beachten (und da ist die Verbraucherzentrale genau so unredlich):
    1. Ein Vergleich mit einem Steuersatz von 0 macht keinen Sinn. Welcher Anleger hat den? Und ein nennenswerter Steuersatz kann ein Versicherungsprodukt deutlich attraktiver machen.
    2. Eine Kapitallebensversicherung enthält eine Versicherungsleistung und eine Sparleistung. Ein Sparplan hat nur eine Sparleistung. Nur die Rendite zu vergleichen, ist also nicht in Ordnung, da man bei der Versicherung ja noch ein anderes Produkt dazubekommt. Dessen Wert muss man noch berücksichtigen.
    Also, bitte selbst mal nachdenken - und weder der Propaganda der einen noch der anderen Seite blind nachlaufen. Gilt auch und gerade für Journalisten!

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