Altersvorsorge Der verzweifelte Kampf um die Lebensversicherung

Die Deutschen kaufen immer weniger Lebensversicherungen. Doch der größte Versicherer im Lande möchte seinen Verkaufsrenner noch nicht abschreiben. Was von den Argumenten der Allianz zu halten ist.
28 Kommentare
Sylvester Stallone in einem seiner "Rocky"-Filme.

Sylvester Stallone in einem seiner "Rocky"-Filme.

Der Dinosaurier lebt. 250 Jahre schon. Und wenn es nach dem führenden Versicherer in Deutschland geht, sollen noch viele glückliche Jahre folgen. „Wir gehen davon aus, dass aller Kritik zum Trotz Lebens- und Rentenversicherungen nicht zuletzt aufgrund einer rapide alternden Bevölkerung langfristig wichtige Bausteine der privaten Vorsorge bleiben werden“, stellt die Allianz vollmundig fest.

Optisch illustriert der Versicherer diese These mit einem Baby und dem Hinweis: „Die Welt altert.“.

Wohl wahr. Doch blicken wir zurück. Das Licht der Welt erblickte die Lebensversicherung 1762. Friedrich der Große regierte in Preußen, in Europa tobte der Siebenjährige Krieg, und in England gründeten ein paar clevere Geschäftsleute die erste Gesellschaft, die die Lebensversicherungen anbot. „Die erste Lebensversicherung der Geschichte war eine Wette zwischen zwei Londonern auf den Tod eines kranken Mannes. Es ging um 382 Britische Pfund“, stellt der WDR in einem Beitrag fest.

Schon von Anfang an ein Glücksspiel also. Das passt gut zur aktuellen Debatte um den Bestseller der Versicherungswirtschaft. „Die gegenwärtige Finanzkrise und die damit verbundenen niedrigen Kapitalmarktzinsen stellen Lebens- und Rentenversicherungen auf den Prüfstand“, stellt der Marktführer fest. Aber nicht nur das: „Auch neue aufsichtsrechtliche Regelungen wie Solvency II und die Einführung von Unisextarifen machen dem Produkt zum derzeitigen Zeitpunkt das Leben schwer.“

Gut versorgt?

Anteil der Deutschen, die ihre Altersvorsorge
nicht weiter ausbauen wollen*

in Prozent


Im Schnitt hat jeder Deutsche mehr als eine Lebensversicherung gekauft. Insgesamt laufen noch mehr als 90 Millionen Verträge. Doch Jahr für Jahr werden es weniger.

Das kann auch die Branche selbst nicht ignorieren: „Lebensversicherungskunden haben im Jahr 2011 Verträge im Gesamtwert von 13,95 Milliarden Euro vorzeitig gekündigt. Auf sie entfielen 18 Prozent der Auszahlungen. Das Stornovolumen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent. Dies geht aus der jüngsten Statistik des Branchenverbandes GDV hervor“, berichtet die Zeitschrift „Finanztest“.

Als Desaster beurteilen manche gar Zahlen des Arbeitsministeriums. Vor Jahren verkauften die Versicherungen ihre Riester-Renten noch wie warmes Brot. Doch im zweiten Quartal 2012 machten die Menschen einen weiten Bogen um diese Variante der staatlich geförderten Altersvorsorge: Schlusslicht in der Verkaufsstatistik – mit einem verschwindend geringen Marktanteil. 84.000 Menschen entschieden sich neu für eine Riester-Rente. Nur 2.000 der Verträge entfielen auf förderfähige Versicherungen.

Das Ministerium stellt dazu nüchtern fest: „Erkennbar wird daran ein Trend zu mehr konsequent sicherheitsorientiertem Riestern mittels Banksparplänen und eine Tendenz zur Sachwertanlage durch Investitionen in selbstgenutzte Immobilien über das Wohn-Riestern.“ Da stellt sich die Frage: Sind Lebensversicherungen nicht mehr sicher? Werden diese Produkte überhaupt noch gebraucht? Und wenn ja, in welcher Form?

All das sehen natürlich auch die Strategen der Allianz. Doch anstatt auf die Argumente der Kritiker einzugehen, etwa die Kritik an zu hohen Kosten, entwickeln sie ihre Sicht in fünf Thesen.

 

These 1: „Eine Welt ohne Lebensversicherung?“
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28 Kommentare zu "Altersvorsorge: Der verzweifelte Kampf um die Lebensversicherung"

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  • Kann mir bitte jemand erklären warum eine Fondsgebundene Lebensversicherung nicht im BGH Urteil berücksichtigt wird?

  • Ich hoffe,dass ich meine Kapitallebensversicherungen noch bis zu deren Ende bedienen kann,denn etwas Besseres als eine vorzeitige Kündigung kann den Versicherungen nicht passieren.Wer auf seine Versicherung sauer ist,der sollte sie auf keinen Fall damit strafen,dass er früher aussteigt,sondern damit,dass er seinen Vertrag erfüllt.
    Wenn all die alten Verträge,die noch steuerfrei abgeschlossen wurden ausgezahlt werden und keine neuen nachfolgen,dann wird sich die Branche warm anziehen müssen.

  • Bitte denken!
    Ich bin auch kein großer Anhänger von Lebensversicherungen, aber zwei Punkte sind doch bei diesen Vergleichen mit anderen Anlagemöglichkeiten dringend zu beachten (und da ist die Verbraucherzentrale genau so unredlich):
    1. Ein Vergleich mit einem Steuersatz von 0 macht keinen Sinn. Welcher Anleger hat den? Und ein nennenswerter Steuersatz kann ein Versicherungsprodukt deutlich attraktiver machen.
    2. Eine Kapitallebensversicherung enthält eine Versicherungsleistung und eine Sparleistung. Ein Sparplan hat nur eine Sparleistung. Nur die Rendite zu vergleichen, ist also nicht in Ordnung, da man bei der Versicherung ja noch ein anderes Produkt dazubekommt. Dessen Wert muss man noch berücksichtigen.
    Also, bitte selbst mal nachdenken - und weder der Propaganda der einen noch der anderen Seite blind nachlaufen. Gilt auch und gerade für Journalisten!

  • Im Moment gibt es nur die Möglichkeit auf haus, Grund, Gold und Aktien zu setzen.
    Denn wenn man noch die Kapitalertragsteuer, Kirchnsteuer und Soli und die derzeitige Infaltion von 3% abzieht dann müssen Sie derzeit schon über 4% erwirtschaften nur um die Kaufkraft zu erhalten - verdient oder vermehrt haben dabei noch keinen Cent.
    Dank EU und ESM den Draghie ermächtigt frisches Geld zu drucken.
    Die EU und der Euro raubt uns unser sauer erspartes Geld.
    ***
    Die EU und der Euro und die Schulden Union bestraft die Fleißigen und belohnt die die spekuliert haben . die Banken ganz gleich wo die sich befinden ob Kalabrien oder Griechenland.
    Draghi ist das trojanische Pferd der Finnazindustrie ermächtigt von dem ESM von der CDU .
    Die CDU ist zur Planwirtschaft geschwenkt und hat einen willigen Helfer die SPD, Grüne und FDP.
    Es ist unglaublich wie uns diese Truppe verraten hat.
    Marktwirtschaft wurde durch Planwirtschaft ersetzt.

  • Es ist wohl richtig, dass Lebensversicherungen aktuell nur geringe Renditen erwirtschaften.
    Das ist aber eher ein Währungs- und Rechtssetzungsproblem denn ein Produktproblem.
    Zusätzlich stellt sich die Frage, welche Alternativen denn überhaupt existieren bzw. ob der Verzicht auf Altersrücklagen trotz geringer Renditen überhaupt ausschlaggebend ist.
    Letztlich kommt es zukünftig sowieso nicht darauf an, ob das Geld real an Wert verliert, dem kann man i.d.R. ohnehin kaum entkommen. Wichtig ist, ob man relativ zur Gesamtkaufkraft in diesem Lande durch mangelnde Vorsorge die relative Einkommensposition im Verhältnis zur Bevölkerung halten kann.

    Alternativen gibt es wenige Immobilien sind nur sicher soweit sie selbst genutzt sind oder absolute Toplagen.
    Das deshalb weil der Bevölkerungsrückgang auch diese Werte preislich unter Druck setzen wird.
    Edelmetall und Aktien sind nur schwer erhältlich ohne das Risiko des überteuerten Einkaufs, wenn man keine weitergehend Expertise hat.
    Staatspapiere könnten von einem Tag auf den anderen drastisch an Wert verlieren, wenn der Staat sich zu einer radikaleren sanierung entschließt.
    Lebensversicherungen bieten immerhin den Vorteil keinen zusätzlichen Nominalwertverlust zu erleiden. So mancher könnte deshalb damit am Ende sogar besser fahren.
    Die Deutschen handeln im übrigen relativ vernünftig, die investieren in langlebige Konsumgüter, was das aktuelle gute Konsumklima begründet.

    H.

  • Es lässt sich leicht das Produkt kritisieren, aber letztlich sind es die Verbraucherschützer und der Gesetzgeber, die das Produkt zerstören.
    das letztlich weil deren Vorstellungen und Erwartungen an eine Lebenversicherung schlicht unrealistisch sind.
    Eine Lebensversicherung ist eben keine Kapitalanlage, sondern eine Versicherung.
    Leider wurde der Fehler gemacht aus der zeitweiligen Attraktivität der LV als Kapitalanlage die falschen Schlüsse zu ziehen.
    Das entspricht aber ganz der aktuellen Mentalität zur Unfähigkeit langfristigen Denkens.
    Es kann deshalb durchaus sein, dass die LV keine Zukunft hat, jedenfalls keine mit den Veränderungen der rechtlichen und steuerlichen Ausgestaltungen der letzten 20 Jahre.

    H.

  • Was für ein schlechter und polemischer Artikel! Hier stellt sich das Gefühl ein, die Verbraucherzentralen hätten in Kooperation mit der Fondsbranche den Artikel verfasst. Eine sehr einseitige Berichterstattung die nur darauf aus ist, die Anlage in einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung schlechter zu rechnen als bei einer Fondsanlage.
    Allein die Darstellung bei "Fiktion von guten Zinsen" ist mehr als fragwürdig. Fortsetzung folgt

  • Haha, was kaufen die Lebensversicherer denn in Zeiten der "financial repression"? Schon bei einer von der EZB angepeilten Inflationsrate von ca. 2,5 % bekommt man mit Bundesanleihen negative REalzinsen. Und mit PIIGS-Anleihen macht man womöglich weit größere Verluste.
    Also ist Kapitaldeckung doch nicht so der Hit...

    Ich hoffe auf die zukünftige Regierung, dass sie die Rentenkürzungen von 2001 und 2004 rückgängig macht und im Gegenzug die Steuergeschenke für die private Vorsorge verringert.

  • Nein, die klassische Lebensversicherung (also die Risikolebensversicherung) ist nicht tot, sondern wird zunehmend abgeschlossen werden. Wenn Sie die Kapitallebensversicherung als klassisch oder als "Lebensversicherung" bezeichnen, dann machen Sie mit beim Orwellschen Neusprech.

    Die Kapitallebensversicherung ist ein Mischprodukt aus Versicherung und Sparvertag und alles andere als klassisch. Erfunden wurde sie, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, weil man mit dem Steuervorteil frohlocken konnte. Zu allen Zeiten wäre es günstiger gewesen, eine günstigere Risikolebensversicherung zu nehmen und sich vom Gesparten Aktien zu kaufen.

  • Eine Lebensversicherung ist keine Altersvorsorge, sondern ein Schutz für die Hinterbliebenen. Wer schreibt, die Lebensversicherung sei es doch, der sagt Lebensversicherung, meint aber die Kapitallebensversicherung. Und die ist gewiss nicht so alte wie die klassiche, wie die Risikolebensversicherung.

    Die Kapitallebensversicherung ist ein schlechtes Produkt und wenn die Leute davon lassen, ist das ein gutes Zeichen. Sie sollten vermehrt Risikolebensversicherungen abschließen. Ich habe mich neulich informiert, was eine RVL für mich kosten würde: Etwas mehr als 100 € p.a. bei 200000 € Todesfallprämie und mit eine Degression drin.

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