Altersvorsorge: Die klassische Lebensversicherung hat ausgedient

Altersvorsorge
Die klassische Lebensversicherung hat ausgedient

Schärfere Regulierung und Minizinsen: Die Lebensversicherer stehen kräftig unter Druck. Für die Sparer hat das gravierende Folgen. Möglicherweise muss das Produkt Lebensversicherung revolutioniert werden.
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FrankfurtAlle Jahre wieder... warten deutsche Lebensversicherungs-Kunden kurz vor Weihnachten auf Nachricht von Allianz & Co. Doch heuer wird die Rendite der Verträge im nächsten Jahr, die um diese Jahreszeit verkündet wird, für Enttäuschung sorgen. Experten rechnen mit einem Rückgang der Gesamtverzinsung im Branchenschnitt um 0,3 Prozentpunkte auf 3,6 bis 3,7 (Vorjahr: 3,93) Prozent.

Denn die Versicherer stehen doppelt unter Druck: Dauerniedrigzinsen machen es ihnen schwer, die versprochenen Renditen mit ihren Anlagen zu erwirtschaften. Dazu kommt die Regulierung von "Solvency II", die langfristige Verpflichtungen bestraft. Neue Konzepte müssen her. "Denn der Kunde schreit nach Rendite", wie Allianz-Vorstand Maximilian Zimmerer sagt.

Die Lebensversicherung der Zukunft könnten ohne herkömmliche Garantie auskommen, die die Versicherer jahrzehntelang bindet. Lars Heermann sieht von der Kölner Ratingagentur Assekurata in neuen Produkten eine Chance für die Branche: "Wenn man es jetzt nicht macht, wann dann?" Den Konzernen ist der Garantiezins - im Branchenjargon Höchstrechnungszins - schon lange ein Dorn im Auge. Spätestens seit die Bundesregierung ihnen nur noch erlaubt, 1,75 Prozent auf die Vertragslaufzeit zu versprechen. Der Rest der Gesamtverzinsung, die Überschussbeteiligung, kann jedes Jahr neu festgelegt werden. "Man muss sich wirklich fragen, ob das Geschäftsmodell, wo der Garantiezins über die ganze Laufzeit festgelegt ist, noch zukunftsfähig ist", sagt Altersvorsorge-Experte Bert Rürup.

Denn beim Garantiezins stehen Aufwand und Ertrag in einem Missverhältnis: Ausreichend sichere Investments dafür zu finden, ist im Niedrigzinsumfeld schwer. Viele müssen den Reservetank befüllen, die sogenannte "Zinszusatzreserve", die ihnen der Bund auferlegt hat, um die Garantien erfüllen zu können. Das drückt auf die Rendite.

Dabei kommt beim Kunden selbst von den 1,75 Prozent nur ein Bruchteil an: Bezogen auf den gesamten Beitrag seien das gerade noch 0,93 Prozent, hat die Assekurata ausgerechnet. Den Rest fressen Provisionen, Verwaltungskosten und die Risiko-Rückstellungen für den Fall auf, dass der Versicherte vorzeitig stirbt. Als Verkaufsargument taugt das längst nicht mehr.

Die Umstellung von der klassischen Lebensversicherung auf Policen mit monatlichen Renten hat das Problem noch verschärft. Denn nun müssen die Versicherer nicht wie früher im Schnitt 20 Jahre im Voraus kalkulieren, sondern bis zu 60 Jahre.

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Auch die Bafin hat Zweifel

Kommentare zu "Die klassische Lebensversicherung hat ausgedient"

Alle Kommentare
  • Das hat damit zu tun, dass am Zweitmarkt lediglich Policen mit hohem Rückaufswert verkäuflich sind. Zu diesem Zeitpunkt ist die Abschlussprovision längst abgestottert. Die Aufkäufer picken sich einfach die Rosinen heraus, der Verkäufer ist doppelt gekniffen, einmal ist er auf den Kosten sitzen geblieben und zum anderen muss er offensichtlich aus einer persönlichen Notlage heraus verkaufen, denn finanziell macht das ja keinen Sinn.
    Letztlich also ein Argument nicht für die KLV, sondern gegen sie!

  • Ich habe da so meine Zweifel. Allein die Tatsache, daß es Zweitmarkt-Firmen gibt, die die Lebensversicherungen anderer Leute zu einem mehrpreis über Rückkaufswert ankaufen - und an deren Stelle die Prämien weiterzahlen - und letztendlich damit Geld verdienen, beweist doch, daß die klassische Lebensversicherung anscheinend immer noch lukrativ ist.

  • @Schuischel: Danke, dass Sie für mich die Begrifflichkeiten Lebens- und Rentenversicherung erklärt haben ;-)! @tobi59: Natürlich gibt es Versicherer, die 4 % (für Neuverträge) zahlen. Überschüsse werden übrigens jährlich dem Vertrag gutgeschrieben. Des Weiteren wird bei den meisten VR´s nach 5 Jahren auch kein Stornoabschlag mehr erhoben usw. usw. --> am besten mal richtig beraten lassen!

  • Kapital-Lebensversicherungen haben sich noch nie gelohnt. Auch in der Zeit höherer Zinsen nicht. Jedenfall nicht für den Kunden sicher für die Versicherungsgesellschaften und ihre Vertreter.
    Als junger Mann war ich vor 50 Jahren ebenfalls so dumm den Versicherungsvertretern zu glauben. Als ich dann vor 10 Jahren in Rente ging und mir die Versichrungs ausgezahlt wurde habe ich mal nachgerechnet. Wenn ich damals eine Risiko-LV abgeschlossen hätte um meine Familie abzusichern und den Kapitalanteil selbst in einen Aktien-Fond angelegt hätte wäre ich um etwa 3 % p.a. besser gefahren. Ich habe es genau ausgerechnet und der Unerschied der Auszahlungssumme wäre beträchtlich geween.
    Ich kann jungen Leuten nur raten: Wenn nötig schließt zur Absicherung der Familie eine Risiko-LV ab. Den Kapitalanteil den Ihr sparen wollt zahlt in einen Aktien-Fond. Bei den langen Laufzeiten macht das Auf-und Ab der Börse nichts aus. Ihr fahrt auf alle Fälle besser.

  • Schuischel lebt wohl selbst von Lebensversicherungen ... zudem ist der Hinweis auf die Möglichkeit der Beitragsfreistellung nur die halbe Wahrheit. Ausgeblendet wird völlig der rund 18 Prozent hohe Verlust,den direkt Lebensversicherte seit 2004 infolge des
    GKV-Modernisierungsgesetzes, sogar RÜCKWIRKEND erleiden, weil sie mindestens zehn Jahre lang mit vollen Krankenkassen- und Pflegeversicherungs-Beiträge auf ihre Versicherungs-Auszahlungssumme zur Kasse gebeten werden. Das interessiert die Versicherungswirtschaft allerdings bislang nicht. Sie treibt (als sogenannte Zahlstelle)den Krankenkassen die Versicherten zu, getreu dem Motto "Nach uns die Sintflut". Denn wenn der Direktversicherte zur (Kranken)-Kasse gebeten wird, hat die jeweilige Versicherung ihr Heu längst rein! Über eine aktive Gegenwehr der Versicherungswirtschaft, im Interesse ihrer Kunden, gegen das GKV-Modernisierungsgesetz ist nichts bekannt!

  • Ach so, dass die Leistungen anteilig gekürzt werden, steht hier: "Bei der Herabsetzung werden, soweit Deckungsrückstellungen der einzelnen Versicherungsverträge bestehen, zunächst die Deckungsrückstellungen herabgesetzt und danach die Versicherungssummen neu festgestellt, sonst diese unmittelbar herabgesetzt."

  • Ich sage doch, Sie haben keine Ahnung. Würden Sie sich im Versicherungsrecht und VVG auskennen, wüssten Sie, dass es praktisch keine Verpflichtung zur Beitragszahlung gibt. Die gibts nur z.B. bei der betrieblichen Altersvorsorge über Gehaltsverzicht. Die Pflicht bei der privaten Renten-/Lebensversicherung gibt es nur so lange bis du sie beitragsfrei stellen lässt. Also praktisch nicht. Außer du hast keine zwei Hände um einen Brief an die Versicherung zu verfassen. Da du aber hier fleißig schreibst, folgere ich mal, dass du auch einen Brief schreiben kannst.

  • "Man kann Versicherungen nun in Insolvenz führen und die Versicherten bekommen trotzdem Ihr Geld oder eben einen Teil davon. Und zwar nicht nur die ersten, deren Fälligkeit in Kürze eintritt, sondern für alle gleich. Was ist nun daran schlimm? Wo liegt ihr Problem?"
    Eben weil ich den §89 gelesen habe, sehe ich hier schlicht Betrug am Kunden. An welcher Stelle in dieser Vorschrift ist denn vermerkt, dass alle Kunden Geld erhalten?
    Alle müssen trotz eingestellter Zahlung weiterzahlen, das ist das einzige, was für jeden gleich ist...
    Also: Nicht nur behaupten, dass andere nichts verstehen, sondern solche Argumente gut begründen!

  • jetzt gehts richtig bergab:

    Betreff Politiker Verhalten und neue Bedingungen für Lebensversicherer klammheimlich durch die Hintertür:

    http://uhupardo.wordpress.com/2012/12/03/heute-show-jetzt-schlagt-hannelore-kraft-zuruck/

  • Ganz einfach: Riester, Direktversicherungen, Pensionsfonds, etc. sind Hartz-sicher. Ihr ETF nicht. Wenn Sie arbeitslos werden, dann dürfen Sie sich um Altersarmut Gedanken machen. Sind Sie dann schon 50 oder 60, haben Sie auch keine Zeit mehr das verbrauchte Geld wieder rein zu holen. Ich sage nicht, dass eine Versicherung das einzig wahre Mittel ist. Aber es hat seine Berechtigung. Darum gehts mir.

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