Altersvorsorge
Je höher das Einkommen, desto höher das Absturzrisiko

Gutverdiener wissen um die Notwendigkeit privater Altersvorsorge. Schließlich droht höheren Einkommen eine größere Versorgungslücke im Alter als niedrigen. Und trotzdem sind viele junge Arbeitnehmer zu sorglos.

BerlinEs hat schon einmal richtige Altersarmut in Deutschland gegeben. 1950, wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, lag die durchschnittliche Rente mit 60 Euro auf Sozialhilfeniveau. Auch die Reichen hatte es erwischt: Ersparnisse und Lebensversicherungen waren von der Inflation gefressen, viele Immobilien waren zerbombt oder mussten bei der Flucht aus dem Osten zurückgelassen werden. Das Wirtschaftswunder drohte an der alten Generation vorbeizugehen.

Die Lösung damals war die Einführung der dynamischen Rente. Ihr Erfinder war der Vorsitzende des Verbands Katholischer Unternehmer, Wilfried Schreiber. Sein Einfall war es, die Renten fest an die Lohnentwicklung zu binden. Dazu veranlasst hatte ihn die bittere Erfahrung seiner Generation, dass die Entwertung aller Geldvermögen möglich ist. 60 Prozent der letzten Bruttoeinkommen sollte die Rente betragen, entsprechend rund 70 Prozent der Nettoeinkommen. Das würde reichen, den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern.

Das Umlageverfahren wurde eingeführt. Seither zahlen die aktiven Arbeitnehmer die Rente ihrer Elterngeneration über ihre Beiträge. Später kam ein Steuerzuschuss hinzu, der die versicherungsfremden Leistungen der Rentenkassen abdeckt. So entstand das Rentensystem, an das sich die Deutschen als sanftes Ruhekissen gewöhnten.

Nicht ganz ein halbes Jahrhundert später gilt das Sicherungsversprechen nicht mehr, weil ein wichtiger Teil des Generationenvertrags gebrochen wurde: Seit Anfang der 70er-Jahre werden Jahr für Jahr weniger Kinder geboren, als Menschen sterben. Die Politik handelte, wenn auch lange Zeit zögerlich, und passte die Rente an die neuen Realitäten an (siehe Chronik). Die bittere Wahrheit ist nun: Der Rentenanspruch nähert sich in den nächsten zwei Jahrzehnten allmählich der Marke von 40 Prozent des letzten Durchschnittsnettoeinkommens an.

Schon jetzt kann von einer Sicherung des gewohnten Lebensstandards keine Rede mehr sein. Aber in Zukunft gilt erst recht: Wer nicht in großem Ausmaß mit privaten Ersparnissen ergänzend vorsorgt, dem droht im Alter der soziale Absturz. Je höher der soziale Aufstieg im Erwerbsleben war, um so tiefer wird der Fall.

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Fünf Modellfälle

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Viele tun, als gäbe es kein Morgen

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