Altersvorsorge
Keiner will mehr Riester-Versicherungen

Geht Fonds und Versicherungen bei der Riester-Rente die Puste aus? Viele Vorsorgesparer zögern beim Vertreter, zahlen keine Beiträge mehr oder laufen sogar weg. Was die Verkaufszahlen bedeuten und was Kunden tun können.
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FrankfurtManche sprechen von einem „Desaster“ für die Versicherer: Nur 2000 neue Riester-Verträge meldete die erfolgsverwöhnte Branche im zweiten Quartal. Das ist eine Nettozahl, die Abgänge in dieser staatlich geförderten Altersvorsorge sind also bereits verrechnet. Bei den Fonds lief es nicht besser.

Quartalssieger sind dagegen – wie in den ersten drei Monaten auch schon – wiederum die Bausparkassen mit ihrem Wohn-Riester. Ein Plus von 67.000 Verträgen entspricht 80 Prozent aller Neuabschlüsse zwischen April und Juni. Damit dominieren die Bausparkassen aktuell den Markt in der Riester-Rente.

Es folgen die Riester-Banksparpläne mit plus 13.000 vor förderfähigen Versicherungen. Insgesamt entschieden sich 84.000 Menschen neu für eine Riester-Rente. Die Gesamtzahl der Riester-Verträge lag damit Ende Juni bei knapp 15,6 Millionen.

Die Zahlen stellte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales dieses Mal still ins Internet. Als sich der Riester-Bestand den 15 Millionen näherte, verschickte Ministerin Ursula von der Leyen dagegen noch eine stolze Mitteilung.

Was sagen diese Zahlen? Von der damals bejubelten "ungebrochenen Dynamik" ist nichts mehr zu erkennen, wenn man den gesamten Riester-Markt betrachtet. Netto 84.000 Riester-Rentner? Im Vorjahreszeitraum wuchs der Markt dreimal so stark.

Experten erwarten bald eine Marktsättigung: Insgesamt 20 Millionen Angestellte, Beamte und Hausfrauenwollen vielleicht die geförderten Verträge für die private Altersvorsorgeabschließen. Von den 15,5 Millionen Verträgen liegen derzeit elf Millionen bei Versicherern, drei Millionen bei Fonds. Den Rest verwalten Bausparkassen und Banken. Kein Wunder, dass die Anbieter die Ausweitung der Riester-Rente auf Selbstständige fordern.

Auffällig ist, dass sich immer mehr Menschen für den Wohn-Riester entscheiden und Banksparpläne wieder in Mode kommen. Die Kreditinstitute verkauften zuletzt deutlich mehr Riester-Sparverträge als Versicherer und Fonds zusammen – das ist ungewöhnlich. Und die Wohn-Variante der Riester-Rente ist erst mit Verspätung gestartet, holt aber nun mächtig auf.

 

Kommentare zu " Altersvorsorge: Keiner will mehr Riester-Versicherungen"

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  • Die sog. Riester- „Versicherungen“ haben alle eines gemeinsam, sie sind Gelddruckmaschinen für die Versicherungskonzerne. Wenn das stimmt, wie ich mittlerweile gelesen und gehört habe, dass beim billigsten Anbieter ca. Achttausend Euro, und beim teuersten sage und schreibe, mehr als sechzehntausend Euro Provisionen/Kosten anfallen, dann kann doch keiner wirklich mehr daran glauben, dass ein Facharbeiter mit 1800 Euro brutto im Monat, je eine Rente bekommt, die über der Grundsicherung liegen würde? Wären diese Subventionen und Kosten in die gesetzliche Rentenversicherung geflossen, und gleichzeitig die Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte an die Arbeitnehmer weiter gegeben worden, dann könnten auch heute noch die Menschen von der Rente leben, ohne sich nach einem langen Arbeitsleben vom Staat demütigen lassen zu müssen in dem man Millionenfach Menschen zu Bittstellern macht. Die sog. Demographie wurde und wird nur dann zum Problem, weil die Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte nicht an die Arbeitnehmer weitergegeben wurden und werden. Zusätzlich wird durch die wachsende Zunahme von prekärer Beschäftigung dieses Problem noch verschärft. Das aber war und ist von den Herrschenden so gewollt. Wer jetzt sich hinstellt und dies beklagt ist schlicht und ergreifend ein Zyniker

  • Riester-Rentenversicherungen sind nicht per se schlecht. Das Problem sind die aggressiven Verkaufspraktiken und Riester-Umdeckungen, indem bereits bestehende Verträge von einen in den anderen Tarif umgestellt werden und nochmals Provision gezahlt wird.

    Häufig finden diese Praktiken bei Strukturvertrieben (DVAG, AWD, OVB) statt und der Kunde, der einen Riestervertrag bereits vor einiger Zeit abgeschlossen hatte, wird zu einem Tarifwechsel animiert und dass mit allen Nachteilen die dadurch entstehen. Der Gewinner ist immer der Verkäufer, da er sich nochmals Provision und Einheiten einstreicht, um in der Karrierestufe höher zu steigen. Alleine durch die massiv durchgeführten Riester-Umdeckungen entsteht ein immenser Schaden, den der Kunde dann leider tragen muss.

    In dem Fall hilft nur, sich Wissen aneignen, damit keiner in die Fänge der Strukturvertriebe gerät.

  • Sie kann nicht mehr komplett beitragsfrei sein, also nicht die Frau sondern der Riester. Es muss nun der Sockelbetrag von 60€ p.a. gezahlt werden. Sonst gibt es für die mittelbar Zulagenberechtigten Verträge keine Zulagen mehr. Also husch husch eine Sonderzahlung leisten.

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