Altersvorsorge Keiner will mehr Riester-Versicherungen

Geht Fonds und Versicherungen bei der Riester-Rente die Puste aus? Viele Vorsorgesparer zögern beim Vertreter, zahlen keine Beiträge mehr oder laufen sogar weg. Was die Verkaufszahlen bedeuten und was Kunden tun können.
Update: 04.09.2012 - 14:12 Uhr 51 Kommentare
Entwicklung der privaten Altersvorsorge (Riester-Rente), Quelle: BMAS

Entwicklung der privaten Altersvorsorge (Riester-Rente), Quelle: BMAS

FrankfurtManche sprechen von einem „Desaster“ für die Versicherer: Nur 2000 neue Riester-Verträge meldete die erfolgsverwöhnte Branche im zweiten Quartal. Das ist eine Nettozahl, die Abgänge in dieser staatlich geförderten Altersvorsorge sind also bereits verrechnet. Bei den Fonds lief es nicht besser.

Quartalssieger sind dagegen – wie in den ersten drei Monaten auch schon – wiederum die Bausparkassen mit ihrem Wohn-Riester. Ein Plus von 67.000 Verträgen entspricht 80 Prozent aller Neuabschlüsse zwischen April und Juni. Damit dominieren die Bausparkassen aktuell den Markt in der Riester-Rente.

Es folgen die Riester-Banksparpläne mit plus 13.000 vor förderfähigen Versicherungen. Insgesamt entschieden sich 84.000 Menschen neu für eine Riester-Rente. Die Gesamtzahl der Riester-Verträge lag damit Ende Juni bei knapp 15,6 Millionen.

Die Zahlen stellte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales dieses Mal still ins Internet. Als sich der Riester-Bestand den 15 Millionen näherte, verschickte Ministerin Ursula von der Leyen dagegen noch eine stolze Mitteilung.

Was sagen diese Zahlen? Von der damals bejubelten "ungebrochenen Dynamik" ist nichts mehr zu erkennen, wenn man den gesamten Riester-Markt betrachtet. Netto 84.000 Riester-Rentner? Im Vorjahreszeitraum wuchs der Markt dreimal so stark.

Experten erwarten bald eine Marktsättigung: Insgesamt 20 Millionen Angestellte, Beamte und Hausfrauenwollen vielleicht die geförderten Verträge für die private Altersvorsorgeabschließen. Von den 15,5 Millionen Verträgen liegen derzeit elf Millionen bei Versicherern, drei Millionen bei Fonds. Den Rest verwalten Bausparkassen und Banken. Kein Wunder, dass die Anbieter die Ausweitung der Riester-Rente auf Selbstständige fordern.

Auffällig ist, dass sich immer mehr Menschen für den Wohn-Riester entscheiden und Banksparpläne wieder in Mode kommen. Die Kreditinstitute verkauften zuletzt deutlich mehr Riester-Sparverträge als Versicherer und Fonds zusammen – das ist ungewöhnlich. Und die Wohn-Variante der Riester-Rente ist erst mit Verspätung gestartet, holt aber nun mächtig auf.

 

Warum sich die Kunden von Versicherungen abwenden
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51 Kommentare zu "Altersvorsorge: Keiner will mehr Riester-Versicherungen"

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  • Die sog. Riester- „Versicherungen“ haben alle eines gemeinsam, sie sind Gelddruckmaschinen für die Versicherungskonzerne. Wenn das stimmt, wie ich mittlerweile gelesen und gehört habe, dass beim billigsten Anbieter ca. Achttausend Euro, und beim teuersten sage und schreibe, mehr als sechzehntausend Euro Provisionen/Kosten anfallen, dann kann doch keiner wirklich mehr daran glauben, dass ein Facharbeiter mit 1800 Euro brutto im Monat, je eine Rente bekommt, die über der Grundsicherung liegen würde? Wären diese Subventionen und Kosten in die gesetzliche Rentenversicherung geflossen, und gleichzeitig die Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte an die Arbeitnehmer weiter gegeben worden, dann könnten auch heute noch die Menschen von der Rente leben, ohne sich nach einem langen Arbeitsleben vom Staat demütigen lassen zu müssen in dem man Millionenfach Menschen zu Bittstellern macht. Die sog. Demographie wurde und wird nur dann zum Problem, weil die Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte nicht an die Arbeitnehmer weitergegeben wurden und werden. Zusätzlich wird durch die wachsende Zunahme von prekärer Beschäftigung dieses Problem noch verschärft. Das aber war und ist von den Herrschenden so gewollt. Wer jetzt sich hinstellt und dies beklagt ist schlicht und ergreifend ein Zyniker

  • Riester-Rentenversicherungen sind nicht per se schlecht. Das Problem sind die aggressiven Verkaufspraktiken und Riester-Umdeckungen, indem bereits bestehende Verträge von einen in den anderen Tarif umgestellt werden und nochmals Provision gezahlt wird.

    Häufig finden diese Praktiken bei Strukturvertrieben (DVAG, AWD, OVB) statt und der Kunde, der einen Riestervertrag bereits vor einiger Zeit abgeschlossen hatte, wird zu einem Tarifwechsel animiert und dass mit allen Nachteilen die dadurch entstehen. Der Gewinner ist immer der Verkäufer, da er sich nochmals Provision und Einheiten einstreicht, um in der Karrierestufe höher zu steigen. Alleine durch die massiv durchgeführten Riester-Umdeckungen entsteht ein immenser Schaden, den der Kunde dann leider tragen muss.

    In dem Fall hilft nur, sich Wissen aneignen, damit keiner in die Fänge der Strukturvertriebe gerät.

  • Sie kann nicht mehr komplett beitragsfrei sein, also nicht die Frau sondern der Riester. Es muss nun der Sockelbetrag von 60€ p.a. gezahlt werden. Sonst gibt es für die mittelbar Zulagenberechtigten Verträge keine Zulagen mehr. Also husch husch eine Sonderzahlung leisten.

  • Nicht so voreilig mit dem Urteil. Das Altersarmut auch dem Durchschnittsbürger droht, hat weder etwas mit von der Leyen noch etwas mit Klientelpolitik zu tun. Das ist nämlich einfache Mathematik.

    Wenn man überlegt, dass Draghi eine Nullzinspolitik betreibt, die Rettung der Euro-Krisenstaaten nicht glaubhaft vorwärts geht und letztlich die Verbraucher über Inflation enteignet werden, dann braucht man eigentlich nicht einmal zu rechnen.

    Betrachtet man diesen Sachverhalt sachlich und neutral, dann erkennt man, dass die von von der Leyen beschriebenen Altersarmut der Durchschnittsbürger viel eher ins Haus steht als von ihr skizziert wurde.

  • Ich halte es sachlich für falsch von einem Desaster für die Versicherer zu sprechen. Wenn hier von einem Desaster gesprochen wird, dann ist es das Desaster der Versicherten. Sie haben nicht nur nominell keine Chance ihr eingezahltes Geld geschweige denn ihrem realen Gegenwert je wieder zu sehen.

    In meinen Augen ist es der größte staatlich organisierte Betrug, der je organisiert wurde. Das die Aktion auch noch auf die Ärmsten unter uns zielt, ist ethisch und moralisch überhaupt nicht hinnehmbar. SPD und Grünen sollten sich öffentlich hierfür entschuldigen, Entschädigung leisten, die seinerzeitigen "Rädelsführer" brandmarken und aus ihren Parteien werfen.

    Nachdem diese Erkenntnis allgemein bekannt ist, sollte das Angebot von Riesterverträge allgemein strafrechtlich geahndet werden. Das Strafrecht sollte hierzu um die strafrechtliche Verfolgung von Unternehmen erweitert werden. Hierzu sollte der " Vorsatz " bei Unternehmen immer unterstellt und stattdessen die Geschäftsleitung belangt werden. Bei groben Verstößen sollten die Geschäftsleiter mit Haftstrafen belangt werden.

    So könnte der Betrug von gutgläubigen Bürgern verhindert, bzw. minimiert werden.

  • Ich kann mich ebenfalls nicht beschweren. Der aktuelle Wert meines Riester-Fondsparplans (über einen Fondvermittler abgeschlossen) liegt bei 20 k€. Eingezahlt habe ich selbst in ca. 7 Jahren ca. 14k€...Zuzuglich kommt noch eine Steuerersparnis von rund 900 € pro Jahr...."Geldvernichtendes Teufelswerk" sieht in meinen Augen anders aus.

  • @tobi59

    Na, ganz so unbedeutend sind die Prozente ja nicht. Denn irgendwie sagen Sie ja aus, wie viel höher der heutige Wert, gegenüber dem eingezahlten Kapital ist, oder nicht??

    Aber kein Thema, hier die Daten: Einbezahlt: 7.648,- €, aktueller Stand :10.907,- € erhaltene Zulagen: 669,- €. Laufzeit: seit 2005. Höhe der einbezhalten Beträge unterschiedlich, weil ich immer der momentanen Lebensstuation anpasse. Ist aber kein Problem, da flexibel und ich auf der Bank das mit ´nem Telefonanruf erledige.
    Ah ja, und Steuerersparnis dürfte so ca. bei knapp 2.000,- € gewesen sein. Bedeutet, daß mich die Geschichte bisher ca. 5.000 bis 6.000,- € gekostet hat und der Wert aktuell bei knapp 11.000,- € liegt. Natürlich hat UnionInvestment Schwankungen. Aber zeigt mir mal ´ne Versicherung die das hinbekommen hat. ;-) Ausser dem Vermittler, Strukki oder sonstigem Versicherungsjungen ´ne Höllenprovision beschert... Oder was glaubt Ihr warum die Jungs die dicken Autos fahren.... ;-)

  • Bis 2003 hat dieses System jedenfalls gut funktioniert. Erst seit der Rentenreform gings bergab. Geld wäre genügend da, würde man es nicht für Ami’s, s.g. Wiedervereinigung und EU rausschmeißen. Der „deutsche Michel“ ist eben seit Bismarck gewohnt umsorgt zu werden. Leider gibt es heute Millionen denen das Geld nicht reicht zur Eigenvorsorge. Hier ist einfach der Staat in der Verantwortung! Unsere s. g. „Neubürger“ haben gut reden. Gehören Sie vielleicht auch zu den gut Versorgten des ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaates?

  • @Baiersbronner,
    was soll der Quatsch mit 42% wenn Sie nicht schreiben wieviel Sie eingezahlt haben, wie lange Ihre Laufzeit ist bzw. wie lange sie bereits eingezahlt haben und zum Schluss wie hoch das derzeitige Guthaben ist.
    Bei Ihnen habe ich das Gefühl Sie verdienen wie in der Wirtschaft z. B. letztes Jahr ein Auto verkauft und dieses Jahr 2 Autos verkauft also 100% mehr verdient.
    Wenn es in den Milliardenbereich geht und er Gewinn beträgt nur noch 1% dann heißt es plötzlich es wurden 10 Millionen verdient, keine Rede mehr von den Prozentualen Gewinn. Bei Ihnen ist es Ähnlich, ohne Genaue Daten kann ich nicht erkennen ob die 42% Gewinn gut ist oder gegenüber anderen Fondssparplänen eher schlecht ist. 42% von einem Euro sind eben nur 42 Cent, also was sollen schon die Prozente aussagen?

  • @Philosoph,
    natürlich ist Ihr Geld dann nicht weg nur viel weniger Wert, der Umtausch in die neue Währung wie beim Euro erlebt, beträgt dann mindestens 1:2 und die Preise sind innerhalb kürzester Zeit wieder wie vorher nur Ihr Gehalt nicht.
    Ich hatte mal eine Lebensversicherung da sollte am Laufzeitende 200.000 DM rausbekommen nach der Euroeinführeung waren es dann noch 100.000 Euro nach den nächsten Umtausch währen es vermutlich nue noch 50.000 oder beim Kurs von 1:3 noch 33.000 Neue DM, nur die Preise gleichen sich immer viel schneller an das alte Niveau an, da mir das Klar war habe ich alle Versicherungen die Kapital bilden gekündigt. Wenn ich jetzt warum auch immer ein Harzt 4 Empfänger werden sollte muss ich auch kein Vermögen vorab aufbrauchen.

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