„Altersvorsorge macht Schule“
In Müntes Rentenschule

Bundesarbeitsminister Franz Müntefering hat rund 300 Experten der Rentenversicherung in die Volkshochschulen der Republik entsandt. Die Finanzprofis sollen möglichst viele Bundesbürger zu „Vorsorgeexperten“ ausbilden. Doch die Fülle an Informationen fordert den Kursteilnehmern viel ab.
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SIEGBURG. Alter ist für Johanna Krämer eigentlich kein Thema. Mit 22 Jahren steht die Industriekauffrau gerade am Anfang ihrer beruflichen Karriere. Und doch kreisen ihre Gedanken um den Tag in der zweiten Hälfte dieses Jahrtausends, wenn sie das Arbeitsleben hinter sich lässt. Aufgeschreckt hat sie die Debatte um die Rente mit 67: „Die Offenheit, mit der über das Rentenproblem gesprochen wird, hat mich verblüfft. Mir wurde klar, dass ich etwas tun muss, wenn ich es einmal so gut haben möchte wie meine Großeltern“, erzählt die blonde Frau.

Ihr Weg führt sie aber nicht zur Bank und auch nicht zu einem Finanzberater, sondern in die Volkshochschule (VHS) Siegburg. Hier, wo sonst Englisch oder Ahnenforschung für Anfänger gelehrt wird, treffen sich für einen Monat jeweils dienstags gut ein Dutzend Erwachsene zwischen 20 und 55 Jahren, um mehr über Riester, Rürup und Co. zu erfahren. An den in Hufeisenform gruppierten Tischen sitzen Arbeitssuchende und Arbeitnehmer ebenso wie Selbstständige und Beamte.

Auf der anderen Seite des Raumes steht Ewald Franzen und bringt per Laptop und Beamer Power-Point-Dateien an die Wand. Im schicken grauen Anzug verkörpert der drahtige Enddreißiger den perfekten Finanzberater. Aber Franzen ist Beamter des Bundes. Im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung ist der Betriebswirt unterwegs, um die Bevölkerung über die Lücken in der staatlichen Rentenkasse und die Notwendigkeit der privaten Vorsorge zu informieren.

Wie Franzen sind derzeit rund 300 Experten der Rentenversicherung bundesweit auf Tour. Losgeschickt hat sie Bundesarbeitsminister Franz Müntefering, der mit zahlreichen Partnerorganisationen die Initiative „Altersvorsorge macht Schule“ gestartet hat. Ziel der Bildungsoffensive an den Volkshochschulen (s. „Wissen ist Geld“) ist nicht weniger, als die Deutschen zu „Vorsorgeexperten“ auszubilden. „Wer diesen Kurs besucht, profitiert ein Leben lang“, heißt es in der offiziellen Veranstaltungsbroschüre.

Diesen Anspruch hatte vor Jahren auch das gesetzliche Rentensystem. Doch spätestens seit der Rentenreform im Jahr 2001 ist die Erkenntnis, dass der staatliche Vorsorgetopf allein nicht glücklich macht, Allgemeingut. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa erwarten inzwischen nur noch acht Prozent der Deutschen, dass die Rente sicher ist, wie es ihnen Norbert Blüm einst versprochen hat.

Mehr als 90 Prozent haben Studien zufolge daraus immerhin Konsequenzen gezogen und sorgen jetzt privat für das Alter vor – bisher allerdings unzureichend: Nach Berechnungen der Fondsgesellschaft Fidelity kommt der Durchschnittsdeutsche im Alter inklusive aller Vorsorgeleistungen lediglich auf 56 Prozent seines heutigen Bruttoeinkommens.

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