Altersvorsorge
Riester lohnt sich nicht mehr

Vor zehn Jahren wurde die Riester-Rente noch hoch angepriesen. Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen aber stark verändert. Heute bekommen nur noch wenige Verbraucher attraktive Renditen.
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DüsseldorfSeit zehn Jahren ist der Name "Riester" eng verbunden mit Altersvorsorge. Doch das Rentenkonzept, das der damalige Bundesarbeitsminister Walter Riester entworfen hat, ist heute längst nicht mehr so profitabel wie früher. „In den letzten zehn Jahren hat sich die Riester-Rente schleichend verschlechtert und ist damit als sinnvolle Altersvorsorge massiv in Frage gestellt“, sagt Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV), der am Dienstag eine Studie veröffentlicht hat, in der er untersucht, wie rentabel die Riester-Rente heute noch ist.

Zu der Verschlechterung haben neben neuen gesetzlichen Regelungen auch neue Produktarten geführt. So wurde beispielsweise 2006 per Gesetz die Regelung eingeführt, dass Riester-Verträge nicht mehr nach Geschlecht differenzieren dürfen. Dies führte jedoch nicht dazu, dass die Prämien für Frauen stark gesenkt wurden. Im Ergebnis wurden vielmehr die Prämien für Männer angehoben und die Rendite ist gesunken.

Zu den Rendite-Killern gehören nach Kleinleins Analyse auch der von 3,25 auf 2,25 Prozent gesunkene Garantiezins und neue Sterbetafeln. Diese zeigen, wie viele Menschen voraussichtlich in einem Jahr sterben werden. „Bei diesen Tafeln übertreiben es die Versicherungen häufig, so rechnen sie zum Teil bei einem heute 50-Jährigen mit einem durchschnittlichen Sterbealter von 103 Jahren, das ist meiner Meinung nach deutlich überhöht“, sagt Kleinlein.

Erhöht sich das Sterbealter, verlängert sich auch der Zeitraum für die Rentenzahlungen. Das Konzept der Riester-Rente sieht vor, dass ein Teil des angesparten Kapitals für die Rente ab dem 85. Lebensjahr zurückgelegt wird, damit auch dann noch eine monatliche Rente gezahlt werden kann. Die Folge für den Versicherten: Seine Rente für die Zeit bis zum 85. Geburtstag verringert sich.

Als die Riester-Rente eingeführt wurde, ging man noch davon aus, dass etwa zehn Prozent des angesparten Kapitals zurückgelegt werden müssten. Doch dieser Betrag ist im Laufe der Jahre stark gestiegen - zum Nachteil der Rendite. Ein Rechenbeispiel: Hat ein Mann 2001 eine private Riester-Rentenversicherung abgeschlossen, mussten nach der alten Berechnung 13 Prozent des angesparten Kapitals zurückgelegt werden. Heute ist der Anteil auf 33 Prozent gestiegen. Und bei manchen Angeboten wird sogar fast die Hälfte des Kapitals dafür aufgewendet.

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Rendite sinkt um bis zu 60 Prozent

Kommentare zu " Altersvorsorge: Riester lohnt sich nicht mehr"

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  • Was stimmt jetzt? Mal schreiben die Verbraucherschützer "Riester, die beste Geldanlage", dann ist sie wieder Mist? Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
    http://www.mehrvomgeld.blogspot.de/2012/09/riestern-lohnt-nicht.html

  • Schon die Überschrift verdient ein Prädikat welches angesiedelt ist zwischen Volksverdummung und Volksverhetzung.

    Wann endlich versteht die Presse (nicht nur das Handelsblatt), das IDW und Herr Kleinlein die zwingend notwendig unterschiedlichen Interessen der Vorsorgesparer (für ein möglicherweise sehr langes Leben) und Interessen der Kapitalanlager (bloßes Sparen für später mit Fokus auf Vererbung, Kapitalisierung etc.).

  • Zweifellos liegen bürokratisch verwirrende Lösungen vor, aber besser die als gar keine: Denn Riester und Rürup waren die längst fälligen Korrekturversuche einer seit 1957 verfehlten Sozial- Finanz- und Steuerpolitik.

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