Altersvorsorge-Studie
Wenn die Krise die Rente frisst

Die Deutschen fürchten, dass die Euro-Krise ihre Renten drückt. Doch als Reaktion bauen sie nicht etwa die private Vorsorge aus, zeigt eine Studie. Die Investitionen für das Alter gehen sogar deutlich zurück.
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DüsseldorfDie europäische Schuldenkrise verstärkt die Sorge der Deutschen vor Armut im Alter. Jeder fünfte Berufstätige ab 50 Jahren fürchtet, seinen Lebensunterhalt im Alter nicht aus eigenen Mitteln bestreiten zu können. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Postbank in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach (IfD). Insgesamt hält sogar nur ein Drittel seine aktuelle Vorsorgesituation für ausreichend.

Für die Studie „Altersvorsorge in Deutschland“ hat das IfD 1.771 Deutsche befragt. Die Ergebnisse belegen die Verunsicherung, die durch ausufernde Staatsschulden und drohende Pleiten europäischer Staaten gefördert werden. Fast jeder Zweite der Befragten sieht in der Schulden- und Euro-Krise eine Gefahr für die Versorgung im Alter, 30 Prozent der Befragten fürchten, dass Transferzahlungen an europäische Staaten konkret zu Lasten der deutschen Rentenkasse gehen wird.

Die Angst vor einer wachsenden Rentenlücke führt allerdings nicht zu einer verstärkten privaten Versorge. Im Gegenteil: Zwar denkt jeder Dritte darüber nach, ob er nicht mehr vorsorgen müsste. Doch der Anteil derjenigen, die tatsächlich mehr für ihre Altersvorsorge tun wollen, ist der Studie zufolge rückläufig. So will von den jungen Berufstätigen (bis 29 Jahre) nur noch rund die Hälfte künftig mehr fürs Alter zurücklegen. 2010 hatten dies noch 59 Prozent geplant. Und der durchschnittliche Betrag, der in die Altersversorgung investiert wird, ist im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 188 Euro monatlich gesunken.

Ein Grund für schrumpfende Bereitschaft, sein Geld fürs Alter zurückzulegen, ist die Furcht vor Inflation. Jeder Dritte fürchtet, dass die Geldentwertung die eigenen Ersparnisse entwertet. Hinzu kommt ein nachlassendes Vertrauen in die bekannten Anlageformen. Jeder Dritte hat Zweifel an der Sicherheit seiner privaten Altersvorsorge. 43 Prozent fragen sich, welche private Anlageform überhaupt noch Sinn ergibt. Insbesondere die staatlich geförderte Riester-Rente kommt bei den Deutschen zunehmend schlecht weg: Nur 21 Prozent der Befragten halten die Riester-Rente für „besonders sicher“.

Klarer Favorit der Deutschen in dieser Hinsicht ist die eigene Immobilie. Angesichts der Angst vor Inflation und des historischen Zinstiefs haben die eigenen vier Wände für die meisten Befragten deutlich an Attraktivität gewonnen. 71 Prozent halten die Immobilie für eine besonders sichere Altersvorsorge. Jeder Dritte plant, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Das sind rund 50 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Und noch einen Sieger hat die Studie bei deutschen Sparern ermittelt: Die rasante Rally des Goldpreises auf zeitweise fast 1.400 Euro je Feinunze hat das Interesse an dem Edelmetall sprunghaft steigen lassen. Mehr als jeder achte Berufstätige plant, mit Gold für das Alter vorzusorgen. Und vier von zehn Deutschen halten Münzen und Barren für eine besonders sichere Anlageform.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

Kommentare zu " Altersvorsorge-Studie: Wenn die Krise die Rente frisst"

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  • @Mollemopp

    Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung fließen nicht in die Taschen des Staates, sondern in die Taschen der Rentner. Ihre Steuern zahlen Sie an den Staat, ohne Anspruch auf eine Gegenleistung.

    Also Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung = andere Baustelle als gezahlte Steuern.

    Außerdem soll die gesetzliche Rentenversicherung hauptsächlich das Risiko bzw. das Glück der Langlebigkeit absichern und nicht eine möglichst hohe individuelle Rendite liefern.

    Wer z.B. kein hohes Lebensalter erreicht, der ist mit gesetzlicher und/oder privater Vorsorge gleich bescheiden dran. Der Versicherte wird leider so oder so viele eingezahlte Euros nicht wiedersehen.

  • Wenn mit private Vorsorge die Anlage von Geld gemeint ist, dann bleibt wohl nichts anderes übrig, dass es zurück geht. Es bleibt weniger Netto übrig. Die Kosten steigen und die Gehälter eben nicht. Sie sinken eher. Bei Selbstständigen sieht es auch nicht besser aus. Krisen führen meistens bei Unternehmen zu vorsichtigen Investitionen und damit Einschränkungen. Es werden nicht nicht mehr so schnell Aufträge erteilt.
    Die Reichen werden aufgrund von Spekulationen reicher, Risiken tragen meistens die anderen. Das wird bei den Zockern sehr deutlich. Es werden weitere Arme produziert und die Altersarmut nimmt zu.
    Es ist schon erstaunlich wie schwach viele reiche Menschen sind, die sich nur noch am Gewinn freuen können und nicht mehr sehen, wo das Geld abgezogen wird. Diese Umverteilung ist das größte Problem einer Demokratie.
    Ein sorgender Bürger

  • @Tom47798
    Noch mehr in die gesetzliche Rente einzahlen? Hallo, ist da jemand zuhause?? Also ich (männlich, 41 Jahre alt) und mein Arbeitgeber haben zusammen bis jetzt schon soviel Geld in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt, dass ich 92 werden muss, um mein Geld wieder rauszubekommen. Und das obwohl ich noch 26 Jahre arbeiten und einzahlen soll. Und alles was ich hinterher rausbekomme wird dann auch noch voll versteuert. Wie hohl muss man sein, wenn man da noch mehr an den Staat abgeben will?? Das Geld ist verloren.

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