Altersvorsorge
Was die neuen Riester-Gesetze bringen

Die Koalition will am Mittwoch im Kabinett einen Gesetzentwurf zur Förderung der Altersvorsorge verabschieden. Das Motto lautet: Die Riester-Rente soll einfacher, transparenter und attraktiver werden. Was sich ändert.
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Frankfurt/BerlinWer einmal schlechte Erfahrungen mit einem Riester-Vertrag gemacht hat, der ist meist für alle Anbieter verloren. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Munich Centers for Economics of Aging (MEA). Etwa 14,5 Prozent der Haushalte haben ihre Riester-Rente schon einmal gekündigt oder stillgelegt. Nach einer Kündigung haben 73 Prozent, nach einer Stilllegung 81 Prozent keinen neuen Riester-Vertrag abgeschlossen. Das sind weitere Ergebnissse der repräsentativen SAVE-Umfrage, auf der die Studie basiert. Seit 2005 befragt TNS Infratest die Deutschen über ihr Spar- und Anlageverhalten.

Um die Stilllegungsquoten zu senken, sollten die Bedingungen für Riester-Verträge geändert werden, fordern die Meinungsforscher. Kostenstruktur sowie Ertrags- und Risikoerwartungen müssten besser vergleichbar sein. Zudem sollten die Anbieter angehalten werden, Verträge mit niedrigen Kosten anzubieten.

Auf dieses Meinungsbild in der Bevölkerung reagiert die Politik in Berlin nun. Nach langer Anlaufphase sind sich die Regierungspolitiker offenbar einig: Am Mittwoch will die schwarz-gelbe Koalition eine Reform der geförderten privaten Altersvorsorge auf den Weg bringen. Ihr Ziel: Die geförderte Vorsorge soll attraktiver und transparenter für die Bürger werden.

Der Grund: Die Deutschen sollen angesichts der demografischen Entwicklung stärker selbst fürs Alter vorsorgen. So lautet schließlich die Erkenntnis, die regelmäßig von Politik und Finanzunternehmen verbreitet wird, doch in der Bevölkerung bislang weniger Widerhall findet als erhofft, jedenfalls wenn man die Verkaufszahlen der Riester-Rente zum Maßstab nimmt.

Zu den Kernpunkten des Gesetzentwurfes gehören die steuerliche Förderung des Berufsunfähigkeitsschutzes, eine bessere Übersicht über die Leistungen von Riester-Verträgen sowie eine einfachere Eigenheimrente ("Wohn-Riester"). Dafür formulierten die Koalitionspolitiker den Gesetzesentwurf zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge, der dem Handelsblatt vorliegt.

Kommentare zu " Altersvorsorge: Was die neuen Riester-Gesetze bringen"

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  • Das Produktinformationspflicht gibt es bei Versicherungen und Investmenfonds ja bereits. Problem ist die Vergleichbarkeit der Informationen. Da man die Riesterförderung so unterschiedlich einsetzen kann, steht ja der Zweck immer an erster Stelle. Da hilft es dann ja auch nicht, wenn ein anderes Produkt günstiger ist, aber den Verbraucher seinem Ziel nicht näher bringt. Manche wollen es für die Altersvorsorge nutze, andere für die Finanzierung der eigenen Immobilie. Da hilft z.B. ein Produktvergleich mit dem Dr. Kriebel Produktprüfer. Dadurch kann man zumindest die Nettorendite ausrechnen. Auch auf die Auszahlungsphase bezogen. Denn die üblichen Vergleiche von Stiftung Warentest & Co. beziehen sich ja immer nur auf die Einzahlungsphase.

  • Riestern lohnt sich recht gut

    Leider wird viel behauptet und wenig gerechnet. Aber Excel macht es möglich. Man muss sich mal eine jahresweise rechnende Tabelle anlegen und die Daten eines Riesterrenten-Angebot einarbeiten.

    Beim Angebot hat man sein Alter und die Kinderzahl angegeben, wie lange man die Förderung dafür bekommt und wann man in Rente gehen will. Und man bekommt dann z.B. bei Versicherungen zwei Renten (eine garantierte und eine mit Gewinnen) ausgewiesen und ggf. noch deren Steigerung.

    Wenn man berechnen will, was in den Vertrag reinfließt, hinterlegt man zu seinem Einkommen (evtl. mit Steigerung) eine Grenzsteuertabelle, mittelt die Werte für "vor und nach Riester", rechnet mit den Förderungen die berühmte "Günstigerprüfung" und bekommt für jedes Jahr den tatsächlichen eigenen Aufwand nach Förderung und Steuern raus.

    Für das Rentenalter geht es ähnlich: Man nimmt die durchschnittliche Lebenserwartung von Destatis nach Geschlecht und Alter ab Rentenbeginn, trägt die Rente aus dem Angebot (evtl. mit Steigerungen) ein und rechnet über die sonstigen Renten und erwarteten Einkünfte im Rentenalter den gemittelten Grenzsteuersatz für vor und nach der Riesterrente aus.

    Nun tut man so, als wenn der tatsächliche Aufwand in der Ansparphase in ein "Vergleichskonto" fließt, was bis sich mit einem selbst zu wählenden Zins bis zum Rentenalter rentiert und einen Endwert ergibt. Aus dem gleichen Konto entnimmt man für die Rentenzeit die Riesterrente nach Steuern. Und wenn man den Endwert der Ansparphase mit dem Anfangswert der Entnahmephase durch eine Iteration des Zinses zur Deckung gebracht hat, weiß man seine individuelle Rendite.

    Ich habe es mit klassischen Rentenversicherungen für verschiedene Alter und Gehälter gerechnet. Die Rendite lag für die nicht garantierten Renten immer über 4,0%, bei Geringverdienern mit mehreren Kindern sogar bei fast 6,5%.

    Ich weiß nicht, warum alle da ständig die Riesterrenten so kritisieren.
    Christian Sensmeier

  • Das Niedriglohnempfänger riester aufgeben, weil das Produkt nicht passt, halte ich für ein Gerücht. Die meisten haben sich das Produkt und die Funktionsweise eh kaum abgeschaut.

    Vielmehr haben wir die Erfahrung gemacht, dass das Geld einfach nicht audreicht um zusätzlich Altersvorsorge zu betreiben. Hierfür müsste Konsumverzicht geübt werden, der entweder kaum mehr möglich,oder eben einfach auch nicht gewünscht ist.

    Die Stornoquote bei vermeintlich guten PRodukten wird sich dadurch nicht nachhaltig verändern.

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