Altersvorsorge
Welche Riester-Verträge etwas taugen

Privates Sparen für den Ruhestand haben die Deutschen bitter nötig. Die gesetzlichen Lücken können mit einem Riester-Vertrag geschlossen werden. Wer sich die staatliche Förderung für 2009 sichern will, muss sofort handeln. Die beliebtesten Produkte sind dabei aber nicht immer die besten.
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FRANKFURT. Kurz vor Jahresschluss lohnt es, noch einmal an die eigene Zukunft zu denken. Wer die üppigen Staatsgeschenke für dieses Jahr noch einstreichen möchte, muss schnell handeln und beispielsweise einen Riester-Vertrag abschließen. Bis zum 30. Dezember mittags nehmen viele Anbieter noch Anträge für 2009 entgegen. Mit 13 Millionen Vertragsinhabern haben bislang weniger als die Hälfte der Berechtigten die staatlich geförderte private Altersvorsorge entdeckt.

Grundsätzlich ist es nach Ansicht von Experten sinnvoll, die Lücke, die die gesetzliche Rentenversicherung wegen des immer größeren Anteils älterer Menschen in der Gesellschaft hinterlässt, mit Hilfe staatlicher Förderung zu stopfen. "Die Riester-Rente ersetzt den Teil, den der Staat nicht mehr leistet. Aber wenn Sie im Alter Ihren Lebensstandard halten wollen, müssen Sie darüber hinaus vorsorgen", warnt Brigitte Miksa, Altervorsorge-Expertin bei Allianz Global Investors. "Jeder, der mit den Bedingungen zurecht kommt, sollte Zulagen und Steuerförderung mitnehmen", sagt Thorsten Rudnik vom verbrauchernahen Bund der Versicherten. Immerhin macht die staatliche Riester-Förderung Schätzungen zufolge im Durchschnitt rund 30 Prozent der Beiträge aus.

Sparer sollten auf die Kosten achten

Der Fiskus fördert das langfristige Sparen in Rentenversicherung, Fonds- oder Banksparplan, Bausparvertrag oder den Erwerb einer selbst genutzten Immobilie über Zulagen und Steuervorteil. Experten kritisieren jedoch vielfach hohe Kosten.

Am stärksten verkauft werden Riester-Rentenversicherungen, gefolgt von Fondssparplänen. Sind das im Umkehrschluss auch für die Kunden die besten Produkte? "Eben nicht", sagt Klaus Fleischer, Professor für Finanzwirtschaft an der Hochschule München. Vor allem die Versicherungen seien mit hohen Gebühren belastet und wenig transparent. "Bei der klassischen Riesterrentenversicherung ist die Rendite zu gering", befindet auch Versicherungs- und Rentenberater Stefan Albers, der Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater ist.

Die garantierte Verzinsung von 2,25 Prozent wird nur dem Sparanteil gutgeschrieben, die rund 80 Prozent des eingezahlten Beitrags ausmacht. Der Rest geht für Verwaltung, Risikokosten und Provisionen drauf. Damit sinkt die garantierte Rendite auf 1,8 Prozent. Sein Fazit: zu hohe Kosten und wenig Flexibilität. Und bei der fondsgebundenen Riesterrente gebe es erst gar keine Mindestverzinsung und ungleich höhere Kosten, sagt er.

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  • Das Gerede von den schlimmen Versicherern, die ach so schlimme Gebühren nehmen und den angeblich so günstigen banken, wird auch nach zigfachem ungeprüften Aufguß in den Medien (hier Hb) nicht richtiger.

    Der Feldzug der Verbraucherzentrale Stuttgart und auch Hamburg im bereich Finanzberatung im Sinne des Verbrauchers punkten zu wollen, kann nur noch als tragisch bezeichnet werden. Entweder bestochen (von bankenseite) aber zumindest in völliger Selbstüberschätzung ihres fachlichen Vermögens, geraten diese beiden Verbraucherzentralen an den Rand der Tragikomik, wenn sie empfehlen Altersvorsorge mit Tagesgeldkonten zu betreiben (wie in diesem Jahr auch schon geschehen).

    Tragisch ist das vor allem für die Verbraucher, die solcherlei Empfehlungen ohne Argwohn blind (es ist ja die Verbraucherzentrale) vertrauen und dann in der Altersarmut landen.

    Da hat zwar der Rat der Verbraucherzentralen nichts gekostet, aber auch nichts genützt kan man nur sagen.

    Der in dem Artikel zitierte Professor müsste mir auch noch einmal erklären, warum ein banksparplan mit aktueller Verzinsung von 2,5% (im Glücksfall) besser sein soll als ein völlig durchschnittlicher Versicherer mit einer Verzinsung von ca. 3,5% (Netto nach allen Gebühren), das ist der aktuelle Ausschüttungsschnitt der deutschen Versicherer. Er verschweigt auch das Riester banksparpläne in der Auszahlphase in Versicherungslösungen überführt werden müssen, vergleicht also Apfel mit birnen.

    Arm dran die Verbraucher, die sich mit solcher Lektüre an ihre Altersvosorgeplanung machen und nicht die Hilfe eines unabhängigen beraters ( ein normaler Versicherungsvertreter würde es in dem Fall ja auch schon tun) in Anspruch nehmen. Aber diese berater nehmen ja laut Verbraucherzentrale Geld für ihre Arbeit und das ist wohl irgendwie in der Vostellung eines 15 € netto verdienenenden Verbraucherzentralen "Finanzexperten" unmoralisch.

    Schade das auch das Handelsblatt sich da nicht mehr Arbeit bei der Recherche macht und den Verbraucherzentralen anscheinend blind vertraut.

  • Also ich glaube unter anderem auch auf den Seiten der Wirtschaftswoche oft genug gelesen zu haben, dass sich "Riestern" nahezu grundsätzlich nicht lohnt, da die hohen Kosten die Zulagen und Steuervorteile auffressen. Hinzu kommt doch, dass die Steuervorteile gar keine sind, sondern eher einem Aufschub gleichkommt.

    Zudem meine ich zu wissen, dass besserverdiener mind. 90 Jahre alt werden müssen um wenigstens ihre eingezahlten beträge zurückzubekommen.

    Eine einheitliche und sich nicht wiedersprechende berichterstattung wäre wünschenswert.

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