Anbieter wollen sich Zugriff auf Schlüsselbranche sichern
Rabatt-Allianz der Autoversicherer

Jeder Autofahrer sollte jetzt über seine Versicherung nachdenken. Wer seine Police bis zum 30.11. kündigt, kann vom kommenden Jahr an viel Geld sparen.

Der Absatz von Autos brummt schon seit Jahren nicht mehr. Das bekommen auch die Versicherer zu spüren. Denn neue Policen lassen sich nur auf Kosten des Konkurrenten verkaufen. Das geht auch der Nobelmarke der Assekuranz, dem Marktführer Allianz, so. Die Münchner müssen seit Jahren bröckelnde Marktanteile feststellen. Um eine weitere Erosion aufzuhalten, will der Finanzdienstleistungsriese nun in den harten Preiswettbewerb um den Autokunden einsteigen. Recht plakativ wirbt die Allianz mit "30 Prozent niedrigeren Tarifen".

Mal ganz davon abgesehen, dass die neuen Tarife nur für Neukunden sein sollen, lästern etablierte Niedriganbieter hinter vorgehaltener Hand: "30 Prozent von was?" In der Tat zeigen die jüngsten Auswertungen, dass es entscheidend darauf ankommt, "was hinten herauskommt", wie Wolfgang Otte, Sprecher der Volksfürsorge, meint. Immerhin sorgt die Ankündigung des Marktführers in der Branche für heftige Betriebsamkeit. Die Huk-Coburg reagierte sofort. Klaus-Jürgen Heitmann, für die Kfz-Versicherung zuständiges Vorstandsmitglied: "Wenn ein großer Wettbewerber wie die Allianz mit einem neuen Kfz-Versicherungstarif eine neue Runde im Preiskampf eröffnet, lässt uns dies natürlich nicht unberührt. Wir haben darauf unseren für den 1. Januar 2005 geplanten Tarif auf den 1. November vorgezogen. Wir sind sicher, damit weiter zu den günstigsten Anbietern überhaupt zu zählen."

Autobranche als Türöffner

Geld für neue Rabatt-Runden scheint bei vielen Versicherern wieder vorhanden zu sein. Nach vielen mageren Jahren, in denen sich die Autoversicherungs-Sparte in den Geschäftsberichten im versicherungstechnischen Ergebnis rosa bis tiefrot darstellte und ein ausgeglichenes Ergebnis nur durch Einbeziehung von Kapitalerträgen dargestellt werden konnte, schreiben die Versicherer im letzten Geschäftsjahr auch versicherungstechnisch durchgängig wieder schwarze Zahlen. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) geht von 500 Millionen Euro oder 2,3 Prozent der Bruttobeitragseinnahmen aus. Das neue Spielgeld soll nun der Konkurrenz Beiträge und Kunden abjagen.

Der Hintergrund: Die Autoversicherung gilt in der Branche als Schlüsselprodukt. Otte: "Die Autoversicherung ist der Türöffner für andere Policenverkäufe." Also werden die alljährlich anstehenden Kalkulationen noch einmal überarbeitet. Vom neu aufgeflammten Wettbewerb in der Autoversicherung können Autofahrer nur profitieren.

Trickkiste der Anbieter

Schwieriger wird jedoch die Orientierung auf dem Markt. Das liegt auch daran, dass die Tarif-Differenzierung immer neue Blüten treibt. Aktuelles Beispiel Beamtentarife: Dem Vorbild Allianz folgend, werden wohl auch andere Versicherer künftig zwischen Beamten und Angestellten im Öffentlichen Dienst differenzieren. HUK-Sprecher Alois Schnitzer: "Von der Statistik sind Unterschiede im Schadenverlauf durchaus nachweisbar." Auch vor dem Griff in die Trickkiste scheuen sich einige Anbieter nicht. So bietet beispielsweise die Axa, so ein Wettbewerber, keine 100-Prozent-Basistarife mehr. In der Schadenfreiheitsklasse (SF) 1 verlangt der Kölner Anbieter statt 100 nur 90 Prozent Beitrag. Bei den weiteren SF-Klassen gelten dann aber wieder die üblichen Sätze. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Um die Tarife der über 100 Anbieter miteinander vergleichen zu können, braucht es robuste Software und belastbare Mitarbeiter. Gerade zum Jahresende "wird die Mannschaft schon mal um 20 Leute aufgestockt", so Stefan Gabriel von aspect online. Zusätzliches Personal bucht auch Karl-Heinz Reimer von FSS-online: "Im November besteht die größte Nachfrage. Darauf stellen wir uns rechtzeitig ein." Beide Profis nutzen den Andrang von Millionen Autofahrern, die noch schnell wissen wollen, bei welchem Versicherer sie für ihr Auto das günstigste Angebot bekommen. Gabriel: "Rund 20 Prozent aller Autopolicen werden in jedem Jahr gekündigt und dann bei einem anderen Anbieter neuer Versicherungsschutz eingekauft."

Sparpotenzial von 50 Prozent

Gründe für die Jahresendrally gibt es viele: Der Versicherungsschutz kann zur so genannten Hauptfälligkeit - das ist bei den meisten Policen eben der 31.12. mit Monatsfrist, also spätestens zum 30.11. gekündigt werden. Den Jahreswechsel nutzen viele Gesellschaften zur "Prämienanpassung", wie die Erhöhung der Beiträge schönfärberisch genannt wird. Im Oktober stellt die Assekuranz die Typklasseneinteilungen um - in Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko. Diese Typklassen geben individuell für jedes Fahrzeug Auskunft über die Schadenhäufigkeit und den Schadenaufwand und sind somit wesentliche Basis für die Tarifkalkulation.

Dem Auf und Ab bei der Typklasseneinstufung kann der zahlengeplagte Autofahrer, der sich von seinem Wunschauto nicht trennen will, nur durch Wahl eines günstigen Autoversicherers entgehen. Stefan Gabriel: "Es gibt ein Einsparpotenzial von bis zu 50 Prozent." Wer versteckte Reserven bei den Fixkosten heben will, muss jetzt handeln. Denn am 30. November ist der Autoversicherungs-Stichtag für alle, die zum Januar ihre regelmäßige Beitragsrechnung bekommen (so genannte Hauptfälligkeit), die dann den neuen Jahresbeitrag ab 2005 zeigt. Wer bis zu diesem Tag kündigt, hat einen Monat Zeit, zu einem günstigeren Versicherer zu wechseln.

Quelle: Euro Nr. 11 vom 01.11.2004 Seite 090

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