Anlage nach wie vor lukrativ
VL-Fondssparer brauchen Stehvermögen

Die massiven Kursverluste an den Börsen haben auch viele Arbeitnehmer nicht verschont – jedenfalls dann nicht, wenn sie ihre vermögenswirksamen Leistungen (VL) in Aktienfonds angelegt haben. Experten warnen dennoch vor einem Ausstieg – weil Firmenanteile langfristig die besten Renditen versprechen.

FRANKFURT/M. Die Kursverluste an den internationalen Börsen haben auch in den aus vermögenswirksamen Leistungen gespeisten Fondsverträgen deutliche Spuren hinterlassen. Während die Anzahl der VL-Depots nach Berechnungen des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) von Ende 1998 bis Ende 2002 um gut 140 Prozent auf 5,62 Millionen stieg, nahm der Gesamtwert der Depots im gleichen Zeitraum nur um knapp zehn Prozent auf 4,32 Milliarden Euro zu. Robert Freitag, Geschäftsführer der auf VL-Aktienfonds spezialisierten Max Heinrich Sutor Bank in Hamburg bestätigt: „Der Aktienfondsmarkt ist schwieriger geworden.“

Trotzdem empfehlen Finanzexperten Arbeitnehmern, VL in Aktienfonds zu investieren. Sie argumentieren, Aktien seien zwar riskanter als Bausparverträge oder Lebensversicherungen, langfristig aber potenziell rentabler. Laut BVI erreichten VL-Anlagen in deutsche Aktienfonds seit 1962 durchschnittlich einen jährlichen Wertzuwachs von neun Prozent (Stand Ende 2001). „Die Rendite wird jetzt wegen des außerordentlich schlechten Jahres 2002 sicher einen Tick runter gehen“, räumt ein BVI-Sprecher immerhin ein. Pech hat ein Anleger aber, wenn sein Vertrag in einer Börsenbaisse wie jetzt ausläuft und er das Geld dringend braucht.

Gleichwohl rechnet der BVI vor: VL-Sparer, die 2 880 Euro (sechs Mal 480 Euro) eingezahlt hatten, erhielten im Durchschnitt aller siebenjährigen VL-Perioden seit 1962 etwa 4 120 Euro. Rechnet der Arbeitnehmer die so genannte Arbeitnehmersparzulage, mit der Vater Staat innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen die Anlage in Aktien, Aktienfonds und anderen Beteiligungssparformen zusätzlich fördert, hinzu, stieg die Rendite sogar auf zwölf Prozent.

Auf den Webseiten des BVI finden Anleger eine Liste mit 123 VL-Fonds – weit weniger, als tatsächlich VL-fähig wären, denn der Staat stellt nur eine Bedingung: Der Fonds muss sein Geld zu mindestens 60 Prozent in Aktien stecken.

Die Kapitalanlagegesellschaften selbst beschränken jedoch ihr Angebot. Wegen des hohen Verwaltungsaufwands und der vergleichsweisen geringen Sparraten gilt das Geschäft mit den VL-Verträgen als wenig lukrativ. „Viele deutsche Fondsgesellschaften haben daher weniger gute Produkte auf die VL-Schiene gelegt“, sagt Bernd Walleczek, Geschäftsführer der Multi-Invest GmbH.

Dies bestätigt auch Jens Wetter vom Fonds-Vermögensverwalter Feri Trust. Wetter empfiehlt VL-Sparern den DWS Vermögensbildungsfonds I, das Aushängeschild der Deutsche-Bank-Fondstochter. Weitere europäische oder weltweite Fonds von der BVI-Liste zu empfehlen, fällt ihm jedoch schwer. Für Wetter muss ein VL-Fonds so groß und solide sein, dass er auch in zehn Jahren noch auf dem Markt ist und der VL-Sparer ihn laufen lassen kann, ohne ihn ständig zu beobachten. „Ein VL-Fonds sollte möglichst ein Flaggschiff der Investmentgesellschaften sein.“ Derartige Fonds seien auf der Liste jedoch rar gesät.

Gänzlich versperrt ist dem VL-Sparer der Griff nach namhaften internationalen Fonds nicht – wie Templeton Growth, Fidelity Fund European Growth, Pioneer Funds America oder Threadneedle European Select Growth.

Anleger, die ihre VL in einen dieser Fonds investieren wollen, werden bei ihrer Hausbank aller Voraussicht nach auf Granit stoßen. Die Max Heinrich Sutor Bank hingegen bietet auch Fonds ausländischer Kapitalanlagegesellschaften an. „Die Menge macht’s“, sagt Geschäftsführer Freitag. Dank spezieller Software lohnen sich für die Hanseaten auch kleine Sparbeiträge. Außerdem beschränkt sich die Bank auf die Depotverwaltung. Der Vertrieb läuft ausschließlich über externe Partner, zu denen Multi-Invest und die Axa Fonds Trust gehören. Das Fondsangebot ist dabei von Finanzdienstleister zu Finanzdienstleister unterschiedlich. „Wenn sich aber ein Kunde bei uns meldet und einen bestimmten Fonds wünscht, vermitteln wir an den entsprechenden Anbieter weiter“, sagt Freitag.

Allerdings hat das seinen Preis. Um den Vertrieb zu finanzieren, verlangt die Max Heinrich Sutor Bank eine Abschlussprovision von drei Monatsbeiträgen. Bei monatlichen Einzahlungen in Höhe von 40 Euro zahlt der Anleger also 120 Euro Provision. Die Fonds müssen sich also gut entwickeln. Denn neben den allgemein anfallenden Ausgabeaufschlägen müssen diese Kosten erst einmal wieder eingespielt werden.

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