Anlegerschutz
Bundesministerin fordert bessere Beratung für Anleger

Die neue Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner nimmt sich die Finanzberater vor. Laut einer Studie, die das Ministerium in Auftrag gegeben hat, entstehen Verbrauchern durch schlechte Beratung jährlich hohe Verluste. Aigner will deswegen höhere Standards für die Beratung setzen, um das Provisionsstreben zurückzudrängen.

HB BERLIN. Die Bundesbürger verlieren pro Jahr zwischen 20 und 30 Mrd. Euro durch schlechte Finanzberatung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Die CSU-Politikerin fordert deshalb strengere Auflagen für Finanzberater. "Im Vordergrund sollte nicht die Provision stehen, sondern die korrekte Beratung", sagte Aigner in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Eine Finanzberatung, bei der nicht zwingend ein Produkt verkauft werden muss, sollte unterstützt werden. Ich bin auch dafür, dass die Verjährungsfrist bei einer Haftung von drei auf zehn Jahre verlängert werden sollte."

Die Verbraucherministerin will außerdem die Beweislast bei negativen Konsequenzen einer Beratung zugunsten der Verbraucher umkehren. "Die Kernbotschaft müsste sein, dass die Verbraucher einen Nachweis haben, was der Berater gesagt hat", sagte Aigner. Sie plant eine Beschwerde-Hotline für Verbraucher, die sich nach schlechten Erfahrungen dorthin wenden können. "Durch die Finanzmarktkrise ist das Vertrauen der Verbrauchen eminent in den Keller gegangen."

Das Thema Bankberatung ist im Zuge der Finanzkrise stark diskutiert worden. Insbesondere die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hat ein schlechtes Licht auf die Berater geworfen. Zahlreichen Anlegern waren nach Meinung von Anlegerschützern Zertifikate der US-Bank verkauft worden, obwohl die schlechte Lage von Lehman bereits bekannt war. Nach der Insolvenz droht Anlegern der Totalverlust ihrer Einlagen, zahlreiche Geschädigte haben bereits gegen ihre Banken geklagt.

Die Studie der Hamburger Beratungsfirma Evers & Jung kommt zu dem Schluss, dass Verbraucher bei der Finanzberatung in Deutschland eine schlechte Ausgangsposition haben. "Dem Vermittler steht der typische Verbraucher mit einem unzureichenden finanziellen Bildungsstand gegenüber", heißt es darin. "Der Nutzen einer finanziellen Entscheidung ist durch die meisten Verbraucher kaum zu erfassen oder gar zu bewerten. Mitunter herrscht der Wunsch vor, dem Berater die Entscheidung zu überlassen." In Deutschland gibt es der Studie zufolge viel mehr Finanzvermittler als in anderen EU-Ländern: Bundesweit kommen sechs Vermittler auf 1 000 Einwohner, während es in Großbritannien 2,7 und in den Niederlanden zwei sind.

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