Assekuranz
Experten geißeln Rechentricks

In der Assekuranz bröckelt die Front der Transparenzgegner. Einige Anbieter warnen Makler vor Tricksereien in Beispielrechnungen von Fondspolicen. Damit unterstützen sie auch die Regierung und Verbraucherschützer in ihrem Bemühen um größere Transparenz.
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FRANKFURT. Der Ruf nach mehr Transparenz in Fondspolicen wird lauter in der Versicherungsbranche: Ausländische Versicherer und Analysten machen Front gegen Tricksereien mit heimlichen Rückflüssen von Fonds an Versicherer, den so genannten Kickbacks. Auch Berater wie Deloitte-Partner Kurt Wolfsdorf fordern mehr Durchblick. Damit unterstützen sie auch die Regierung und Verbraucherschützer in ihrem Bemühen um größere Transparenz.

Die Verfechter des bestehenden Systems in der Assekuranz geraten zunehmend unter Druck. Denn die Kritiker wissen, wie die Etablierten sich Vorteile verschaffen, indem sie Vermittlern und Kunden gute Leistungen vorgaukeln: über unverbindliche Beispielrechnungen, in denen die Renditen simuliert wird.

"Produkte anhand von Hochrechnungen zu vergleichen, ist einfach falsch", warnt der Versicherer Swiss Life sogar branchenintern Makler. Die Kalkulationen besagten wenig, denn "transparente Produkte werden benachteiligt". Zwei Schwachpunkte sehen die Schweizer, denen der Finanzvertrieb AWD gehört. Zum einen würden bei Hochrechnungen nur Kosten verglichen. Alle Produkte seien mit gleicher Rendite gerechnet, etwa sechs Prozent im Jahr. Qualität der Anlage und Eintrittswahrscheinlichkeit der Musterrendite fänden keine Beachtung. Zum anderen würden nur sichtbare Kosten beachtet: "Es ist einfach, Hochrechnungen ?gut aussehen? zu lassen, indem Kosten verdeckt werden, zum Beispiel in der Fondsmanagementgebühr." Damit spricht Swiss Life die Rückflüsse von Fonds an Versicherer direkt an. Fazit: "Transparente Produkte werden benachteiligt sowie Berater."

Geschönte Beispielrechnungen sollen Absatz ankurbeln

Martin Zsohar, Geschäftsleiter des Analysehauses Morgen & Morgen, sagt: "Kickbacks sind nicht unkritisch." Sie erhöhten die Ablaufleistung von Policen, weil die Rückflüsse nach fünf Jahren teilweise als Überschüsse hineingerechnet würden. "Es kann passieren, dass Versicherer mit Kickbacks ihre Beispielrechnungen aufpolieren, wenn der Versicherer bewusst teure Fonds mit hohen Kickbacks verwendet", sagt Zsohar. Einige wenige Versicherer nutzten "bewusst" Kickbacks, um über hohe Beispielrechnungen den Vertrieb von Fondspolicen über Makler anzukurbeln. Verbraucherschützer nehmen die Alte Leipziger aus Oberursel ins Visier, als weiterer Kandidat gilt unter Insidern der Volkswohl Bund.

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