Auch die bis Ende des Jahres geltenden Steuerprivilegien peppen die Renditen von Lebensversicherungen kaum auf
Kapitalpolicen haben ihren Reiz verloren

„Die Zeit läuft. Sichern Sie sich bis zum 31.12.2004 eine Lebensversicherung mit steuerfreier Kapitalauszahlung.“ Derart werben zurzeit die Versicherer, um noch schnell möglichst viele Verträge abzuschließen. Eine tickende Uhr zeugt auf vielen Webseiten von der vermeintlichen Dringlichkeit. Unabhängige Experten warnen jedoch fast unisono vor dem übereilten Abschluss einer Police: Ob alte oder neue Besteuerung – zur Altersvorsorge eignen sich Lebensversicherungen ihrer Einschätzung nach nur in wenigen Fällen.

DÜSSELDORF. Der Altersvorsorgeexperte Klaus Jaeger von der Freien Universität Berlin hat zudem errechnet, dass die Rendite einer Lebensversicherung nur geringfügig geringer ausfällt, wenn die Kapitalerträge ab 2005 besteuert werden. Lediglich für Selbstständige und Beamte oder für Bezieher sehr hoher Einkommen könne sich jetzt noch ein Abschluss lohnen.

Nach dem ab 1. Januar 2005 geltenden Alterseinkünftegesetz können Beiträge zur Lebensversicherung nicht mehr als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Außerdem werden die Kapitalerträge der Policen – egal ob Kapitallebens- oder private Rentenversicherung – nach Ablauf zu 50 Prozent als Einkommen versteuert. Bei allen bis 31.12.2004 abgeschlossenen Verträgen sind die Kapitalerträge noch steuerfrei – wenn die Laufzeit mindestens zwölf Jahre beträgt.

„Interessant ist die Lebensversicherung jetzt allenfalls, wenn der Sparer seine Beiträge als Sonderausgaben von der Steuer abziehen kann“, sagt Jaeger. Er errechnete, dass ein 40-jähriger Sparer mit einem Jahreseinkommen von 60 000 Euro, der seine Beiträge absetzen kann, inklusive Steuerersparnisse auf eine jährliche Rendite von sieben Prozent kommt, sofern die Lebensversicherung die eingezahlten Beiträge mit vier Prozent verzinst. Der Staat steuert also drei Prozentpunkte zur Rendite bei.

Doch so hohe Steuerersparnisse dürften eher die Ausnahme sein. Auch bei Selbstständigen werden die absetzbaren Sonderausgaben schon zum überwiegenden Teil durch die Beiträge für Krankenkasse, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung ausgeschöpft. Bei Arbeitnehmern lassen die Rentenbeiträge bereits keinen Spielraum mehr, um weitere Vorsorgeaufwendungen beim Fiskus geltend zu machen. „Die meisten Sparer können die Beiträge nicht mehr als Sonderausgaben geltend machen“, sagt Jaeger, „ deshalb werben die Lebensversicherer gar nicht erst damit.“

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