Autoversicherung: Weniger Unfälle, sinkende Prämien

Autoversicherung
Weniger Unfälle, sinkende Prämien

Selbstfahrende Autos könnten das Fahren revolutionieren. Allianz-Vorstand Alexander Vollert erklärt, warum es auch in Zukunft Autoversicherer geben wird und die meisten Unfälle wegen Fehlern der Fahrer passieren.

VW macht es. BMW und Daimler machen es auch. Und Google erst Recht. Sie entwickeln selbstfahrende Autos, die in einigen Jahren theoretisch ohne Lenkrad auskommen könnten. Die Innovationslust der Hersteller setzt auch die Versicherer unter Druck. Wie lassen sich Risiken von Fahrassistenten bewerten? Wer haftet, wenn das selbstfahrende Auto ohne Einfluss des Fahrers einen Unfall baut? Und müssten die Prämien in Zukunft nicht deutlich sinken? Allianz-Vorstand Alexander Vollert gibt Auskunft.

Herr Vollert, immer mehr Autobauer präsentieren selbstfahrende Autos. Gibt es in Zukunft keine Unfälle mehr?
Derzeit werden etwa 90 Prozent aller Verkehrsunfälle durch menschliches Fehlverhalten verursacht, nur 10 Prozent durch technische Fehler. Je weiter Techniken wie autonome Notbremssysteme in neuen Autos verbreitet sind, desto stärker wird die Anzahl der Unfälle zurückgehen.

Wird eines Tages der Punkt erreicht sein, an dem es weltweit keinen einzigen Unfall auf den Straßen mehr geben wird?
Sicherlich nicht. Es wird noch sehr lange dauern, bis ausschließlich autonom fahrende Fahrzeuge unterwegs sind. Aber selbst, wenn es einmal soweit sein sollte, müsste die Technik in jeder Situation fehlerfrei arbeiten. Unsere bisherige Erfahrung, beispielsweise mit Einparkhilfen, hat gezeigt, dass wir davon noch weit entfernt sind und einen solchen Zustand wahrscheinlich nie erreichen werden. Das bedeutet: Selbst, wenn die Unfallwahrscheinlichkeit durch immer bessere Technik deutlich niedriger werden sollte, wird weiterhin die Notwendigkeit für einen Haftpflicht-Versicherungsschutz bestehen.

Was bedeutet die Entwicklung hin zum autonomen Fahren für einen Versicherer wie die Allianz?
Fakt ist, dass sich die Risikoeinschätzung für uns als Versicherer ändern wird. Wenn in 10 bis 15 Jahren das Auto einen relativ hohen Anteil der Fahrleistung im automatisierten Modus vollbringt, wird sich der Einfluss fahrerbezogener Merkmale auf unsere Versicherungsmodelle abschwächen. Das Risiko verschwindet aber nicht, es verlagert sich: und zwar weg vom menschlichen Fehler seitens des Verkehrsteilnehmers, hin zum menschlichen Fehler des Entwicklers.

Kann in Zukunft die Qualität der technischen Systeme in den Fahrzeugen die Höhe der Beiträge beeinflussen?
Das könnte sein. Bei der Risikoeinschätzung eines hochautomatisierten Fahrzeugs werden wir in Zukunft vor allem die Qualität der verbauten Sicherheitssysteme im Zusammenspiel zwischen aktiver und passiver Sicherheit bewerten müssen.

Bei selbstfahrenden Autos mit perfekten Systemen dürften die Beiträge zumindest theoretisch nahe Null liegen…
… ganz so wird es wohl nicht sein. Aber wenn in Zukunft der Schadenaufwand durch automatisiertes Fahren zurückgehen sollte, wird sich das auch auf die Höhe der Versicherungsprämie auswirken. Zwar können sich die Reparaturkosten nach einem Unfall durch die Beschädigungen der verbauten Sicherheitstechnik erhöhen, beispielsweise wenn Sensoren in der Fahrzeugfront ausgetauscht werden müssen oder bei einem beschädigten Radarsystem eine Sensor-Justierung auf dem Achsmessstand nötig wird. Wenn die neuen autonomen Notbremssysteme ihren Zweck erfüllen und den Wagen ganz oder teilweise abbremsen, wird der Schaden und die Schadenhäufigkeit insgesamt deutlich geringer ausfallen.

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