Bei Umwandlung in eine Privatpolice ändern sich die Regeln
Direktversicherung droht Beitrags-Abzug

Wer seine betriebliche Direktversicherung in eine Privatpolice umwandelt, muss auf die Prämie und die spätere Betriebsrente Krankenkassenbeiträge zahlen.

Das kann doch kein Gesetzgeber gewollt haben", schimpft Rainer Pratsch. Der Direktor Finanzen und Verwaltung von Siltronic, einem Hersteller von Siliziumscheiben aus München, ärgert sich über die Hartleibigkeit der Barmer Ersatzkasse BEK. Obwohl er der Krankenkasse nachwies, dass sie bei seinem ehemaligen Mitarbeiter Hans Glowatzky, der derzeit eine Betriebsrente bezieht, gleich doppelt Beiträge kassiert, bleibt die Barmer stur.

Was sich nach Willkür anhört, ist bei den Krankenkassen gängige Praxis. Normalerweise greifen die Kassen, wenn es sich wie in diesem Fall um eine Direktversicherung handelt, nur bei den späteren Betriebsrenten zu, nicht aber vorher bei den monatlichen Einzahlungen. Diese Direktpolicen sind eine Sonderform der Lebensversicherung, bei der ein Arbeitgeber für seinen Arbeitnehmer einen Betriebsrentenvertrag abschließt. Derzeit besitzen deutsche Arbeitnehmer 5,8 Millionen Direktpolicen mit einer Versicherungssumme von etwa 150 Milliarden Euro. Damit ist die Direktversicherung nach der Pensionszusage und der Pensionskasse der drittgrößte Zweig der betrieblichen Altersversorgung.

Die Prämien für die Direktversicherung fließen aus dem Bruttoeinkommen des Beschäftigten. Dies hat den Vorteil, dass die Beiträge nicht sozialversicherungspflichtig sind. Allerdings läuft dieser Bonus 2008 aus. Wie es nach einem möglichen Regierungswechsel im Herbst weitergeht, steht noch nicht fest.

Beiträge für die gesamte Betriebsrente

So weit, so gut. Wer aber wie Glowatzky seine Direktpolice beim Arbeitgeberwechsel in eine private Police umwandelt, was häufig geschieht, zahlt seine Prämien aus dem Nettoeinkommen - also nach Abzug der Kassenbeiträge. Der Transfer war bei Glowatzky nötig, weil der ursprüngliche Arbeitgeber, die Freiberger Elektronikwerkstätten, von Siltronic übernommen wurde. Siltronic wollte die alten Direktversicherungen nicht weiterführen, weil das Unternehmen bereits über eine eigene Pensionskasse verfügte.

Nun könnte man annehmen, dass der Teil der Betriebsrente, den der Arbeitnehmer aus seiner nun privaten Police aufbaut, im Ruhestand von der Krankenkasse verschont wird. Weit gefehlt. Statt die beiden Zeiträume zu trennen, verlangen BEK und andere Anbieter für die gesamte Betriebsrente Beiträge. Es sei, so ihr Standpunkt, unerheblich, wer, wann und wie Beiträge gezahlt habe - entscheidend sei nur das Stichwort betriebliche Altersversorgung.

Strategien für Versicherte

Diese Kaltschnäuzigkeit bringt Experten wie Klaus Stiefermann in Rage: "Was die Kassen machen, ist rechtlich höchst bedenklich", schimpft der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba). Trotz der offensichtlichen Ungerechtigkeit hätten die Krankenkassen freie Hand, weil es bisher keine rechtskräftigen Gerichtsurteile gebe. "Wer nicht doppelt Krankenkassenbeiträge zahlen will, kann seine Direktversicherung beitragsfrei stellen lassen", sagt Hans-Dieter Stubben, Berater für betriebliche Altersversorgung in Hamburg. Die gesparten Prämien stünden dem Arbeitnehmer dann für private Vorsorge zur Verfügung, auf die die Krankenkasse keinen Zugriff habe. Ganz ungeschoren kommt der künftige Betriebsrentner allerdings nicht aus seiner alten Direktversicherung. Dafür, dass der Arbeitnehmer keine Prämien mehr zahlt, kassiert die Versicherung einen Stornoabschlag, der die spätere Rente schmälert.

Noch arbeitnehmerfreundlicher, weil ohne finanziellen Verlust, wäre es, das Guthaben aus der alten Direktversicherung auf das neue Versorgungswerk beispielsweise eine Pensionskasse zu übertragen. Seit Januar dieses Jahres haben deutsche Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf diesen Leistungstransfer. Für Hans Glowatzky kam diese Regelung allerdings viel zu spät. Er wandelte seine Direktversicherung schon 1996 um.

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 26 vom 23.06.2005 Seite 140

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%