Berkshire Hathaway Hurrikanes verhageln Buffett die Bilanz

Der Star-Investor Warren Buffett muss nach den Hurrikanes „Irma“, „Harvey“ und „Maria“ einen Gewinneinbruch bei Berkshire Hathaway melden. Doch abseits vom Versicherungsgeschäft läuft es gut für sein Konglomerat.
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Der Star-Investor ucht einen großen Deal, denn nur so kann er einen spürbaren Effekt in seiner Bilanz erzielen. Quelle: dpa
Warren Buffett

Der Star-Investor ucht einen großen Deal, denn nur so kann er einen spürbaren Effekt in seiner Bilanz erzielen.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs war ein teures Quartal für die Versicherungssparte von Berkshire Hathaway. Drei Hurrikanes und das schwere Erdbeben in Mexiko haben Schäden von insgesamt rund drei Milliarden Dollar für den Konzern verursacht. Das macht sich auch in der Bilanz von Warren Buffetts Konglomerat bemerkbar. Berkshires größte Sparte, die für den Erfolg des Konzerns eine zentrale Rolle spielt, verbuchte ein operatives Minus von 1,4 Milliarden Dollar und ließ damit den Nettogewinn für den gesamten Konzern um 43 Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) einbrechen.

Das Versicherungsgeschäft, zu dem unter anderem der Rückversicherer Berkshire Hathaway Reinsurance, General Re und der Autoversicherer Geico gehören, schwächelt bereits seit einigen Jahren. Analysten wie Jim Shanahan von Edward Jones gehen davon aus, dass die Sparte auch für das gesamte Jahr einen Verlust ausweisen wird. Das wäre das erste Minus seit 2002. Immerhin: Branchenkenner gehen davon aus, dass die gesamte Versicherungsindustrie im kommenden Jahr die Preise anheben wird, um für künftige Schäden besser gerüstet zu sein.

Das frische Portfolio von Warren Buffett

BK OF NEW YORK MELLONCORP.,THE REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US0640581007
Börse
L&S

-0,28 -0,61%
+45,20€
Chart von BK OF NEW YORK MELLONCORP.,THE REGISTERED SHARES DL -,01
Bank of New York Mellon
1 von 45

Aufgestockt (1/4)

Bereits in den beiden letzten Quartalen des Jahres 2016 und im ersten Quartal 2017 hatte Buffett seine Beteiligung am Geldinstitut Bank of New York Mellon aufgestockt. Im zweiten Quartal 2017 kaufte er nochmals kräftig zu.

Buffetts Anteile: 50 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: plus 52,1 Prozent
Wert der Beteiligung: 2,7 Milliarden Dollar

Quelle aller Angaben: 13-F-Pflichtveröffentlichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC für das zweite Quartal 2017 (nur US-Aktien). Stand: 30. Juni 2017, veröffentlicht am 15. August 2017.

Liberty Media Corporation

WKN
ISIN
Börse
NAS

-0,17 -0,40%
+41,99
Chart von Liberty Media Corporation
Liberty Sirius
2 von 45

Aufgestockt (2/4)

Der Satellitenradiobetreiber Liberty Sirius gehört zu den zahlreichen Medienbeteiligungen Buffetts aus der Liberty-Konzernfamilie. Im ersten Quartal 2017 stockte Buffett seine Beteiligung minimal auf, im zweiten Quartal kaufte er kräftiger zu.

Buffetts Anteile: 14,8 Millionen Stück (Class A) / 31,0 Millionen Stück (Class C)
Veränderung im ersten Quartal 2017: plus 45,0 Prozent (Class A), plus 39,3 Prozent (Class C)
Wert der Beteiligung: 645,1 Millionen Dollar (Class A), 2,0 Milliarden Dollar (Class C)

GENERAL MOTORS CO. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US37045V1008
Börse
L&S

-0,13 -0,39%
+33,02€
Chart von GENERAL MOTORS CO. REGISTERED SHARES DL -,01
General Motors
3 von 45

Aufgestockt (3/4)

Auch an der ehemaligen Muttergesellschaft des deutschen Automobilbauers Opel, General Motors, ist der Investor beteiligt. Nachdem er im dritten Quartal 2015 seine Anteile um 22 Prozent deutlich aufgestockt hatte, hielt er sie lange konstant. Im zweiten Quartal 2017 hat er nun seinen Anteil aufgestockt.

Buffetts Anteile: 60 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: plus 20,0 Prozent
Wert der Beteiligung: 2,1 Milliarden Dollar

APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US0378331005
Börse
L&S

-1,11 -0,80%
+138,53€
Chart von APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.
Apple
4 von 45

Aufgestockt (4/4)

Warren Buffetts Konglomerat Berkshire Hathaway ist seit dem ersten Quartal 2016 Aktionär des Technologiekonzerns Apple – und das, obwohl Buffett als Skeptiker gegenüber Technologiewerten gilt. Bereits im vierten Quartal 2016 hatte der Star-Investor seine Beteiligung aufgestockt. Im ersten Quartal des laufenden Jahres griff er noch einmal kräftig zu: zum 31. März lagen im Vergleich zum Vorquartal mehr als doppelt so viele Apple-Anteilsscheine im Portfolio. Und auch im zweiten Quartal 2017 hat Buffett minimal zugekauft.

Buffetts Anteile: 130,1 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: plus 0,65 Prozent
Wert der Beteiligung: 20,8 Milliarden Dollar

INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20

WKN
ISIN
US4592001014
Börse
L&S

+0,84 +0,67%
+125,59€
Chart von INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20
IBM
5 von 45

Reduziert (1/7)

Gemessen am Investmentvolumen gehört der Software-Hersteller IBM eigentlich zu den Lieblingen im Buffett-Portfolio. Dennoch reduzierte der Anleger im ersten Quartal 2017 die Beteiligung um gut ein Fünftel. Und auch im zweiten Quartal ging es abwärts.

Buffetts Anteile: 54,0 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: minus 16,2 Prozent
Wert der Beteiligung: 7,7 Milliarden Dollar

WELLS FARGO & CO. REGISTERED SHARES DL 1,666

WKN
ISIN
US9497461015
Börse
L&S

+0,58 +1,22%
+48,23€
Chart von WELLS FARGO & CO. REGISTERED SHARES DL 1,666
Wells Fargo
6 von 45

Reduziert (2/7)

Die US-Bank Wells-Fargo sorgte in der Vergangenheit für viele schlechte Schlagzeilen, unter anderem mit einem ausgewachsenen Skandal rund um Scheinkonten, die Mitarbeiter auf Prämienjagd ohne Wissen der Kunden eröffnet hatten. Buffett ließ sich von den Negativschlagzeilen lange nicht beirren. Der US-Finanzdienstleister blieb ein Favorit des „Orakels von Omaha“, auch wenn er auf seiner Hauptversammlung das Krisenmanagement scharf kritisierte. Er hält rund ein Viertel des Konzerns. Im zweiten Quartal 2017 scheint jedoch auch bei Buffett der Geduldsfaden mit der Skandalbank gerissen zu sein – er reduzierte seinen Anteil leicht.

Buffetts Anteile: 467,9 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: minus 2,44 Prozent
Wert der Beteiligung: 24,7 Milliarden Dollar

WABCO HOLDINGS INC. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US92927K1025
Börse
L&S

-15,84 -12,57%
+110,40€
Chart von WABCO HOLDINGS INC. REGISTERED SHARES DL -,01
WABCO Holdings
7 von 45

Reduziert (3/7)

Für den Aktienkurs des US-Zulieferer für die Automobilindustrie, Wabco, ging es im vierten Quartal 2016 auf eine Berg- und Talfahrt – die sich 2017 fortsetzte. Warren Buffett reduzierte daraufhin seinen Anteil bereits im ersten Quartal um mehr als 13 Prozent, im vergangenen zweiten Quartal ging es nun erneut abwärts: Buffett verkaufte fast seine komplette Beteiligung.

Buffetts Anteile: 63.195 Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: minus 97,8 Prozent
Wert der Beteiligung: 8,8 Millionen Dollar

Die Sparte ist besonders wichtig für Berkshire, weil sie der Motor für Buffetts Gewinnmaschine ist. Der Star-Investor nutzt die Versicherungsprämien dazu, um sie profitabel an anderer Stelle anzulegen, bis er sie im Schadensfall braucht. Am Ende des dritten Quartals beliefen sich die Einnahmen aus Versicherungsprämien auf 113 Milliarden Dollar. Das Geld nutzt Berkshire etwa für Aktienkäufe und Unternehmensübernahmen. Berkshire hält milliardenschwere Aktienpakete von American Express, Apple, Coca-Cola und der angeschlagenen Bank Wells Fargo. Seit Sommer ist Berkshire zudem der größte Aktionär der Bank of America.

Abseits der Versicherungssparte laufen die Geschäfte jedoch gut für Buffett. Zu seinem Konglomerat, das mit einem Börsenwert von rund 462 Milliarden Dollar zu den größten gelisteten US-Konzernen gehört, gehören auch eine Energie-Sparte, ein Eisenbahnbetreiber sowie rund 90 kleine und mittelständische Unternehmen, darunter der T-Shirt-Hersteller Fruit of the Loom und der Privat-Jet-Verleiher Net Jets. Die Cash-Reserven des Konzerns aus Omaha, Nebraska, lagen am Ende des dritten Quartals bei 109,3 Milliarden Dollar. Es war das erste Mal, dass der Star-Investor die 100-Milliarden-Dollar-Marke durchbrach. Doch Buffett ist damit eigentlich nicht zufrieden.

Schon lange ist der 87-Jährige auf der Suche nach neuen, großen Übernahmezielen. „Ich hasse Cash“, sagte er im Mai. „Es ist nur eine Zwischenlösung, bis man etwas anderes findet.“

Der geplante Kauf des texanischen Energieunternehmens Oncor scheiterte im Sommer, weil Buffett überboten wurde. Auch der Plan, gemeinsam mit der brasilianischen Beteiligungsfirma 3G den britischen Konsumgüterhersteller Unilever zu übernehmen, scheiterte. Im Oktober stieg er immerhin bei der US-Raststätte Pilot Flying J ein und wird seinen Anteil bis 2023 auf 80 Prozent ausbauen.

Berkshire zahlt grundsätzlich keine Dividende und weil Buffett viele seiner langjährigen Aktionäre reich gemacht hat und von ihnen wie ein Star gefeiert wird, akzeptieren sie das leichter als das bei anderen Konzernen der Fall ist. Doch mit immer höheren Barreserven steigt auch der Druck auf Buffett, endlich eine Anlagemöglichkeit zu finden. Buffett sucht einen großen Deal, denn nur so kann er einen spürbaren Effekt in seiner Bilanz erzielen.

Die Berkshire-Aktie der Klasse A, die seit Jahren die teuerste der Welt ist, notierte am Freitag nach Börsenschluss gut ein Prozent im Minus und kostete 280.470 Dollar. In diesem Jahr hat das Papier rund 15 Prozent zugelegt, etwa so viel wie der US-Aktienindex S&P 500.

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