Berufsunfähigkeit
„Wer in einem schlechten Tarif steckt, hat ein Problem“

Stefan Albers kennt sich aus mit Berufsunfähigkeitspolicen. Im Interview spricht der Berater über den optimalen Schutz und erklärt, was jemand tun kann, der zu schlechten Konditionen versichert ist – oder abgelehnt wird.
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„Eine private Absicherung gegen Berufsunfähigkeit ist noch wichtiger als die private Altersvorsorge“: Seit die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente im Zuge der Agenda 2010 für alle nach 1961 Geborenen weggefallen ist, werden Versicherungsberater und Verbraucherschützer nicht müde, diesen Grundsatz zu predigen – zuletzt wieder auf dem Satzungskonvent des Bundes der Versicherten (BdV) in Düsseldorf.

Was sie beunruhigt: Wer heute während des Berufslebens erkrankt und berufsunfähig wird, erhält nur noch im absoluten Ernstfall finanzielle Hilfe vom Staat. Nur wer nachweislich weniger als drei Stunden am Tag irgendeiner Tätigkeit nachgehen kann – wer also nahezu invalide ist – erhält eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Wer noch mehr als sechs Stunden pro Tag eine Tätigkeit verrichten kann, bekommt nichts. „Ohne die private Absicherung gegen die Berufsunfähigkeit würde in einem solchen Fall von heute auf morgen das Einkommen wegfallen – und bis zur Rente kann es noch lang sein“, sagt BdV-Vorstand Axel Kleinlein.

In der Praxis wird es für Erwerbstätige jedoch immer schwieriger, eine geeignete Versicherung gegen Berufsunfähigkeit zu finden. Zum einen sind die Prämien für risikobehaftete Berufe – Handwerksberufe, aber auch stressintensive Berufe, bei denen die Gefahr zu großer psychischer Belastung besteht – in den vergangenen Jahren weiter gestiegen; viele können sich die Policen nicht mehr leisten. Daneben lehnen immer mehr Versicherungen Berufstätige, die gesundheitlich vorbelastet sind, von vornherein ab.

Als geprüfter Versicherungsberater steht Stefan Albers auf der Seite der Verbraucher. Gegen Honorar informiert er Kunden in seiner Kanzlei in Montabaur über Versicherungspolicen – ohne dabei Produkte eines bestimmten Versicherers zu vertreiben. Im Nachgang zum BdV-Satzungskonvent sprechen wir mit ihm über die optimale BU-Police – und darüber, was einer tun kann, der zu schlechten Konditionen versichert ist oder vom Versicherer abgelehnt wird.

Herr Albers, wie sähe die perfekte Berufsunfähigkeitspolice aus?
Eine gute BU-Police muss im Schadensfall ausreichend absichern. Eine ausreichende Absicherung besteht, wenn der Versicherer im Schadensfall monatlich noch 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens weiterbezahlt. Darüber hinaus sollte der Versicherungsschutz bis zum Renteneintritt gelten – das heißt, der Anbieter sollte auch Zahlungen leisten, wenn die Berufsunfähigkeit des Kunden erst spät eintritt, etwa nach dem 50. Lebensjahr.

Policen, die das Risiko der Berufsunfähigkeit nur bis zu einem gewissen Alter absichern, sind also problematisch?
Ja, und ebenso Policen, die eine BU-Rente nur bis zu einem bestimmten Alter auszahlen, etwa bis zum 60. Lebensjahr. Dann nämlich entsteht eine Finanzierungslücke bis zum offiziellen Rentenalter, die der Betroffene im Zweifel aus privaten Mitteln schließen muss.

Gibt es eigentlich noch viele Policen, die auf die sogenannte abstrakte Verweisung bestehen?
In einem solchen Fall würde die Versicherung nur bezahlen, wenn der Betroffene – ähnlich wie bei der Erwerbsminderungsrente – auch keiner anderen Arbeit mehr nachgehen kann. Die meisten Versicherer verzichten aber mittlerweile auf die abstrakte Verweisung und bezahlen, wenn der Versicherte seinen letzten Beruf nicht mehr ausüben kann.

Kommentare zu " Berufsunfähigkeit: „Wer in einem schlechten Tarif steckt, hat ein Problem“"

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  • @HB

    Bildunterschrift:

    "Die Wahl der richtigen Berufsunfähigkeit ist wichtig, Wechsel sind schwierig. "

    Richtig, wenn man einmal berufsunfähig ist, kommt man da schwer wieder heraus. Auf welche Art man berufsunfahig ist, ist hingegen vollkommen egal. :-DD

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