Besser sparen mit Bundesschatzbriefen?
Mehr Schulden machen

Die EZB hat Anfang März die Leitzinsen erhöht. Wie von Experten erwartet stieg der Satz von 2,25 auf 2,50 Prozent. Doch die Bausparkassen werben mit festgezurrten Zinsen für Darlehen. Lohnt sich das zur Absicherung für Bauherren?

Die Bausparkassen warben bereits vor der Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank mit festgezurrten Zinsen für Darlehen: Von einer "Versicherung gegen Zinserhöhungen" spricht die Badenia; die "Sicherheit der Zinsen" hebt Schwäbisch Hall hervor, die Landesbausparkasse West betont: "Die Finanzierungskosten Ihrer Immobilie bleiben kalkulierbar." Sollte also jetzt jeder einen Bausparvertrag abschließen, der in einigen Jahren Geld für eine Immobilie braucht?

Auf den ersten Blick wirkt die Antwort klar – feste Zinsen sind besser als steigende. Doch eine Modellrechnung der WirtschaftsWoche offenbart den entscheidenden Nachteil dieser Finanzierungsform: Die Gebühren und die extrem niedrigen Guthabenzinsen in der jahrelangen Ansparzeit verderben die Freude am niedrigen Kreditzins.

Zusammen führen diese beiden Punkte dazu, dass Bausparer weniger Vermögen ansammeln als mit einer alternativen Finanzierung. Daher müssen sie anschließend mehr Schulden machen und brauchen entsprechend länger, bis ihr Kredit am Ende getilgt ist. Da nützen auch die niedrigen Darlehenszinsen nicht viel. Für Anleger, die anschließend keinen Kredit brauchen, kommt das Bausparen hingegen infrage.

In der Modellrechnung geht es um einen Finanzierungsanteil von 40 000 Euro. Wir haben Bauspartarife mit unterschiedlichen Zinskonstellationen ausgewählt: Beim Tarif 4 der Allianz Dresdner ist der Guthabenzins mit 1,0 Prozent extrem niedrig und auch der Darlehenszins mit nominal 1,95 Prozent auf Tiefstniveau. Im Tarif Q 12 des Anbieters Quelle sind die Werte mit 2,0 Prozent für Guthaben und 4,75 Prozent fürs Darlehen am oberen Ende des Branchenüblichen.

Als Alternative stand das Sparen mit Bundesschatzbriefen: sicher, ohne Kursrisiko und mit Zinsen, die in jährlichen Schritten von derzeit zwei auf vier Prozent steigen. Anschließend nimmt der Nicht-Bausparer einen regulären Bankkredit in Anspruch. Welche Konditionen er nach Ablauf der Sparphase für das Darlehen zahlen muss, steht in diesem Fall noch nicht fest. Unsere Modellrechnungen gingen von sechs Szenarien aus (zwei sind in der Tabelle auf Seite 2 dieses Beitrags dargestellt). Im ersten steigt der Zins um jährlich 0,1 Prozentpunkte ("geringer Zinsanstieg"), im zweiten um jährlich 0,5 Prozentpunkte ("starker Zinsanstieg").

Zugleich passt der Bund die Konditionen seiner jeweils neuen Schatzbriefe dem Markt an; der Sparer bekommt für frisch angelegtes Geld immer mehr Ertrag. Im Szenario mit maximal ansteigenden Zins ist aus monatlichen Sparraten von 200 Euro nach acht Jahren ein Vermögen von 23 271 Euro geworden.

Wer gleich viel in den Niedrigzinsvertrag der Allianz Dresdner eingezahlt hat, kommt in der gleichen Zeit nur auf 19 205 Euro. Anschließend genießt er zwar einen extrem niedrigen Darlehenszins. Der Bundesschatzbriefsparer muss dagegen für einen Hypothekenkredit von der Bank acht Prozent zahlen.

Doch ihm kommt jetzt sein Vermögensvorteil zugute: Er braucht entsprechend weniger Kredit und kann ihn trotz des hohen Zinses schneller tilgen. Nach unserer Musterrechnung ist er nach 64 bis 68 Monaten schuldenfrei. Bei Bausparern dauert es 65 bis 71 Monate – wobei der Niedrigzinstarif am schlechtesten wegkommt. Fazit: Als Versicherung gegen steigenden Zins taugt Bausparen nicht.

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