Betriebsrenten
Viele Firmen drücken sich um Inflationsausgleich

Millionen Betriebsrentner gibt es in Deutschland, doch viele von ihnen bekommen seit Jahren keinen Inflationsausgleich von ihren früheren Arbeitgebern. Der steht ihnen allerdings zu - und ist einfach zu beantragen.
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WiesbadenGut acht Millionen Ruheständler in Deutschland können sich über eine schöne Betriebsrente freuen. Der Großteil von ihnen kriegt allerdings zu wenig Geld, oft seit vielen Jahren schon, wie Karlheinz Große, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands der Betriebsrentner (BVB) in Wiesbaden, betont.

Dabei hätten sie eigentlich Anspruch auf einen regelmäßigen Inflationsausgleich. So sieht es das Betriebsrentengesetz, §16, vor. Ist die Überweisung von der früheren Firma seit 2009 unverändert, müsste sie laut Statistischem Bundesamt dieses Jahr um etwa fünf Prozent steigen.

Doch freiwillig und unaufgefordert zahlen nur die wenigsten Ex-Arbeitgeber mehr. Laut Gesetz müssen Unternehmen zwar alle drei Jahren prüfen, ob die Betriebsrenten von Alt-Kollegen erhöht werden müssen, damit ihr Wert nicht von steigenden Lebenshaltungskosten aufgezehrt wird. Das war es dann aber auch.

Gut zwei Drittel der privaten Unternehmen gingen dann auf Tauchstation, um Zusatzausgaben zu vermeiden, erklärt Große. Selbst renommierte Weltfirmen nutzten die Ahnungslosigkeit der Ruheständler und übten sich stillschweigend in Nullrunden.

Nur die Senioren, die aktiv einen Aufschlag einfordern und auf ihr Recht pochen, kriegen in der Regel auch mehr Geld. Denn: Die Rentenanpassung ist eine sogenannte Holschuld, wie Fachmann Große erklärt. „Jeder Betroffene muss sich selbst kümmern und den früheren Arbeitgeber nachrechnen lassen“, ermuntert er zum Handeln. „Automatisch gibt es kein Plus, trotz eindeutiger Rechtslage.“

Wer hartnäckig mehr Geld verlangt, habe „ziemlich gute Chancen auf Erfolg“, hat auch Michael Henn beobachtet, Präsident des Verbands deutscher Arbeitsrechtsanwälte in Stuttgart. Doch nur circa fünf bis zehn Prozent der Betriebsrentner packe die Chance tatsächlich auch beim Schopf, schätzt Große. Es gebe sogar die Möglichkeit, Rentenerhöhungen noch zehn bis 15 Jahre rückwirkend durchzukämpfen. Doch die Materie sei kompliziert, Beratung tue not, erklärt der Rentenfachmann.

Wer seit 2009 oder noch länger immer die gleiche Summe überwiesen bekommt, sollte den früheren Betrieb schriftlich zur Rentenerhöhung auffordern, raten auch die Experten von „Finanztest“. Zum Hintergrund: Angepasst werden kann in vier Varianten. Entweder packt die Ex-Firma alle drei Jahre den Teuerungsausgleich auf die zugesagte Summe drauf. Die Werte kommen vom Statistischen Bundesamt. Oder sie erhöht alternativ die Rente um den Betrag, der der Steigerung der Nettolöhne der noch aktiv Beschäftigten im Unternehmen entspricht.

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Kommentare zu " Betriebsrenten: Viele Firmen drücken sich um Inflationsausgleich"

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  • @ echterfuffziger: wir haben schon lange keine "soziale" Marktwirtschaft mehr. Es geht immer und überall nur noch skrupellos um noch mehr Geld und Macht, ethische Werte werden bekämpft, weil sie schlecht für die Rendite sind und einen nicht "weiter, höher, schneller" bringen bzw. machen. Und man kann sich schließlich nichts (sinnloses) dafür kaufen...

  • Warum wird in diesem Artikel denn nicht erklärt, wann eine Anpassung des Arbeitgebers von vornherein ausgeschlossen ist? Jetzt rennen alle Leser des Artikels (und das sind nicht nur Rentner, sondern auch Anwärter) zu der Personalabteilung, weil "im Handelsblatt steht doch...". Bringt nur unnötige Unruhe.
    Schlechter Artikel.

  • Es geht noch Schlimmer, der AG prozessiert durch 2 Instanzen, die er verliert und zahlt dann erst und nur denen die geklagt haben.
    Sieht so "die neue soziale Marktwirtschaft" aus??

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