Börsencrash und Altersvorsorge: „Betriebsrenten sind sicher“

Börsencrash und Altersvorsorge
„Betriebsrenten sind sicher“

Auch die betriebliche Altersvorsorge ist von den Börsenturbulenzen betroffen. Doch die meisten Experten halten Pensionskassen für gut vorbereitet. Viele sichern sich über Derivate ab oder parken ihr Geld für bessere Zeiten. Aber die Überschussrenditen der Kassen könnten sinken.

FRANKFURT. Die Börsenturbulenzen bringen auch Unruhe in die betriebliche Altersvorsorge: Einbrechende Aktienkurse schmälern die für Pensionen bereitgestellten Vermögen. Sinkende Zinsen erhöhen zudem die Verpflichtungen, die mittels Kapitalmarktzinsen auf einen Barwert abgezinst sind. Doch Berater von Pensionseinrichtungen halten die Betriebsrenten für sicher, da viele Versorgungswerke ihre Anlagestrategie und Risikosteuerung nachjustiert haben. „Pensionseinrichtungen können sich nicht komplett den Märkten entziehen, aber es gibt keinen Anlass zur Besorgnis“, sagt Thomas Jasper, Partner bei der Unternehmensberatung Rauser Towers Perrin (TP).

Firmen richteten ihre Anlage von Vermögen für Pensionszahlungen inzwischen stark an der Struktur der Verpflichtungen aus, sagt er. Idealerweise schwankt der Wert der Vermögen mit dem der Verpflichtungen, so dass Änderungen der Kapitalmarktzinsen sich weniger stark auf das Verhältnis von Vermögen zu Pensionslasten auswirken. Folglich wird die Deckung der Verpflichtungen durch die Vermögen weniger stark beeinträchtigt.

Auf der Anlageseite haben laut Jasper aktuell viele Pensionsmanager ihren Aktienanteil über Derivate abgesichert. Im Jahr 2007 hatten Unternehmen aus dem Standardwerteindex Dax ihre Pensionsvermögen im Durchschnitt zu 40 Prozent in Aktien investiert. Über die verschiedenen Versorgungseinrichtungen hinweg dürfte der Aktienanteil deutlich geringer liegen: So investieren etwa versicherungsähnliche Einrichtungen wie Pensionskassen laut Beratern weniger als ein Fünftel in Dividendentitel. Zuletzt seien Aktienrisiken verringert worden, bestätigt Bernd Haferstock, Leiter Investmentconsulting beim Beratungshaus Watson Wyatt Heissmann. Es gebe aber keine Flucht aus Aktien, sagt er. Vielmehr setzten die Pensionsmanager zur taktischen Steuerung zum Beispiel dynamische Trendfolgemodelle ein, nach denen Aktien auf bestimmten Kursniveaus verkauft würden.

Bei der größten Versorgungskasse der öffentlichen Hand, der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL), wurde die Aktienquote im rund 12,5 Mrd. Euro schweren Portfolio aktuell auf einen mittleren einstelligen Prozentsatz mehr als halbiert, wie Georg Geenen, Leiter Anlagemanagement der VBL sagt: „Viel Geld ist jetzt geparkt, bis sich wieder Anlagemöglichkeiten ergeben.“

Betriebsrenten sind in Deutschland ohnehin mehrfach abgesichert. So dürfen versicherungsähnliche Einrichtungen wie Pensionskassen, einige Unterstützungskassen wie Versicherungen nur begrenzt in Risikopapiere wie Aktien oder Hedge-Fonds investieren. Die Finanzaufsicht wacht zudem über deren Anlagestruktur.

Aktuell sieht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kein erhöhtes Risiko für Pensionskassen. Nach der bisher letzten großen Börsenkrise um die Jahrtausendwende sollen die Aufseher allerdings einer Pensionseinrichtung angeraten haben, ihren Aktienanteil zu verringern. Auch Pensionsfonds werden von der BaFin überwacht. Für Rentenansprüche aus Pensionsfonds, die in Vehikel außerhalb der Bilanz ausgegliedert wurden, haften die dahinter stehenden Firmen. Falls diese nicht zahlen können, tritt ein Pensions-Sicherungsverein ein.

Diskutiert werden bei Lebens- und Rentenversicherungen – auch im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge – allerdings die nicht garantierten Überschussbeteiligungen, die in Zeiten guter Anlageerträge zusätzlich zur garantierten Rente gezahlt werden. „Darauf könnte die Finanzkrise Auswirkungen haben“, sagt Berater Haferstock. Wenn Pensionskassen weniger Rendite erzielten, könnten sie auch weniger weiter geben. Sinkende Aktienkurse und niedrige Zinsen machten es den Einrichtungen schwer, gute Renditen zu erzielen. Pensionskassen profitieren demnach wie andere Versicherer nicht von im Zuge sinkender Zinsen steigenden Anleihekursen, da sie ihre Bonds bis zur Fälligkeit halten. In welchem Ausmaß die Krise die Überschussrenditen schmälern könnte, sei noch überhaupt nicht einschätzbar.

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