Buchbesprechung
Vorsicht Vermittler!

Auf der Jagd nach Provision sind Vertriebler von Finanzprodukten penetrant – und bisweilen skrupellos. In einem neuen Buch blicken Handelsblatt-Online-Redakteure hinter die Kulissen der Branche – und warnen vor Tricks.
  • 0

DüsseldorfStephan Schäfer und Jonas Köller – die Namen klingen so unscheinbar. Tatsächlich stehen Schäfer und Köller, besser bekannt als S&K, im Verdacht, Anleger systematisch betrogen zu haben.

Mit dem Wiederverkauf von Immobilien wollten die Geschäftspartner aus Frankfurt das große Geld machen – sagten sie. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Vertriebssystems lockten sie Privatleute, Millionen in Fondsanteile zu investieren. In Wahrheit lebten Schäfer und Köller in Saus und Braus. Der Verdacht liegt nahe, dass sie das meiste Geld für ausgiebige Partys und teure Autos verprasst haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen „banden- und gewerbsmäßigen Betruges mit Kapitalanlagen, Untreue und weiterer Straftaten“ – und Anleger bangen um ihre Einlagen.

S&K oder „der größte Anlegerskandal der Nachkriegszeit“ offenbart, wie Finanzvertrieb heutzutage (leider) immer öfter funktioniert. Nicht selten werden ahnungslosen Kunden Finanzprodukte aufgeschwatzt, die sie bestenfalls nicht brauchen – und die ihnen schlimmstenfalls große Vermögensverluste einbringen. Aber mit welchen Tricks arbeiten die Vertriebler, Vertreter oder Berater genau? Und worauf sollten Verbraucher ganz besonders achten?

Drei, die über die unlauteren Machenschaften des Finanzvertriebs Bescheid wissen, liefern mit ihren neuen Buch „Vorsicht Vermittler!“ jetzt Antworten auf genau diese Fragen. Seit Jahren haben die Redakteure Jens Hagen, Dörte Jochims und Thomas Schmitt Tricks und Skandale der Branche verlässlich auf Handelsblatt Online dokumentiert. Ihre wichtigsten Erkenntnisse haben die erfahrenen Schreiber jetzt gut lesbar und angenehm kompakt auf 200 Seiten zusammengefasst.

Da wären zum einen also Beispiele aus der Praxis, die zeigen, wie der Finanzvertrieb bisweilen tickt. S&K ist ein Exempel, der Skandal um die Lustreisen von Ergo-Mitarbeitern ein anderes. Das Handelsblatt hatte 2011 aufgedeckt, wie rund 100 Vertriebler der Ergo-Marke Hamburg-Mannheimer International (HMI) in den Gellert-Thermen in Budapest Jahre zuvor mit Prostituierten ausgelassen feierten.

Dabei seien derartige Sexpartys die Folge von großem Vertriebsdruck – und Ergo kein Einzelfall, so das Autorenfazit. Tatsächlich ist der Druck, bestimmte Finanzprodukte zu verkaufen, in vielen Vertrieben enorm hoch. Ein Kapitel über Mehmet Göker, das Sinnbild des aggressiven Vertrieblers, untermauert dies anschaulich. Doch die Autoren verpassen es auch nicht, den Ursprung allen Übels in aller Ausführlichkeit darzustellen: den provisionsbasierten Vertrieb, wie er in Deutschland üblich ist. Der funktioniert so: 

Kommentare zu " Buchbesprechung : Vorsicht Vermittler!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%