Debatte um Provisionen
Finanzvermittler begehren auf

Viele Vermittler von Finanzprodukten haben kritisch auf einen Bericht von Handelsblatt Online zum Provisionssystem reagiert. Die Diskussion über ihre Entlohnung sei überflüssig. Manche empfinden sie als Beschimpfung.
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DüsseldorfViele Finanzvermittler sind die Debatte um ihre Bezahlung leid. Entsprechend negativ reagierten sie auf einen Bericht von Handelsblatt Online, in dem das Provisionssystem in der Finanzbranche, die Höhe in einzelnen Finanzsparten und die Kritik daran beschrieben wurde. Es ging dabei auch um marktübliche Provisionen bei Banken, Bausparkassen und Fonds. Doch viele Kritiker konzentrierten sich auf Versicherungen.

„Dieses Bashing der Versicherungsbranche ist suspekt. Was soll das?“ So kommentierte ein Leser, der sich "George.Orwell" nennt, auf Handelsblatt Online die Berichterstattung. Er kenne viele Versicherungsvertreter. Und die würden ihr Geld wirklich nicht einfach verdienen. „Die goldenen Zeiten sind wirklich vorbei.“

Ein anderer Leser monierte, mit solchen Texten werde auf eine Branche eingehauen, die gar keine Chance habe, aus den negativen Schlagzeilen zu kommen. Und es werde der Eindruck vermittelt, dass der Berater mit dem kurzen Kundengespräch bereits die ach so hohen Summen verdient habe. Von der Vor- und Nachbereitungszeit, dem Dokumentationsaufwand, dem unternehmerischen Risiko oder den Fahrtkosten werde nichts erwähnt.

Viele Vermittler empfinden die Offenlegung ihrer Provisionsmöglichkeiten als unangemessen und ziehen Vergleiche zu anderen Branchen, häufig zu Autoverkäufern. Der Leser „Aurelius" fragte dementsprechend: „Informiert der Arzt, Anwalt, Apotheker, Gastronom oder Supermarkt über Margen und Gewinne?“

Provision sei nicht gleich Gewinn, stellte der Leser „Makavelli“ fest. Wenn er also zehn Euro für eine Haftpflicht bekomme, müsse er dies auch noch versteuern und seine gesamten Kosten davon tragen. Was nicht unerheblich sei, denn er habe die Prämie über ein Vergleichsprogramm nach den Wünschen des Kunden berechnet und vorgestellt. Das bedeute einen Aufwand von mindestens 45 bis 60 Minuten.

Ein anderer, der sich „Reiche Welt“ nennt, erklärte darauf: „Es müsste richtig heißen: Wie wenig die meisten Vermittler trotz hoher Courtagezusagen der Vertriebe (Banken, Versicherer und Bausparkassen) tatsächlich verdienen!“ Im Schnitt seien es nur 2000 bis 3000 Euro brutto.

Allerdings räumten die Branchenkenner in ihren Beiträgen auch eine Reihe von Fehlentwicklungen ein. Schwarze Schafe gebe es definitiv in der Branche, lautete ein Kommentar auf Facebook. Doch auf Dauer hätten diese keine Chance: „Wer im Versicherungsvertrieb erfolgreich auf lange Zeit tätig sein will, kann sich keine Abzocke leisten“, stellte ein Vermittler fest. Er wies darauf hin, dass die Versicherungsbranche über die Provisionen gezielt das gewünschte Geschäft steuere.

„Mir wäre es auch sehr Recht, wenn die teilweise sehr unseriösen Vertriebspraktiken verschwinden würden“, schrieb ein anderer Berater. „Aber diese werden vermutlich in unserer Branche genauso wenig aussterben, wie in jeder anderen Branche, in der vertrieben wird.“ Wenn sich also ein Kunde von so einem windigen Vertreter übers Ohr hauen lasse, bestehe die sehr große Gefahr, dass er sich auch von nächsten Autohändler, Klamottenverkäufer, Immobilienmakler oder Arzt genauso übers Ohr hauen lasse.

Ein Versicherungsvertreter meinte, die ganze Debatte um Provisionen könne man relativ einfach beenden. Die Bezahlung müsse sich nur weg von Abschlussprovisionen und hin zu Bestandsprovisionen entwickeln. Dann würden auch weniger junge Leute aus kurzfristigem Provisionsinteresse in einen Job geholt, für den sie nicht geeignet seien. Er selbst bekomme für Sachversicherungen rund 15 Prozent der Nettojahresprämie. Dafür betreue er die Kunden so, dass sie auch und oder gerade nach einem Schadenfall bei ihm blieben.

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  • Egal ob AWD, DVAG, MEG oder HMI diese Strukturvertriebe haben der Branche den schlechten Ruf gebracht. Es ist wahr das man nicht mehr gut verdient, aber dafür hat man als Ausschließlichkeitsvertreter Sicherheiten, die ein kurzfristig angeworbener und abschlussorientierter Mitarbeiter nicht hat. Vorallem kommen die Kunden zu einem die enttäuscht sind von mangelhafter Betreuung und Onlineversichern. Auch die mangelhaften Beratungen bei den Banken, die meinen Sie müssten Versicherungen verkaufen, treibt einen die Kunden in die Arme. Leider meinen immer mehr Leute sie wären gut abgesichert, aber das Gegenteil ist der Fall. Am besten für die Branche wäre jeder der eine Versicherung verkaufen will muss vorher die Sachkundeprüfung ablegen , ins Melderegister ein / austragen und sich regelmäßig weiterbilden. Nachweis hierüber ist an einer zentralen Stelle zu führen.
    Wir werden ein großes Versicherersterben in den nächsten Jahren erleben und es werden 3 große (Allianz, Ergo,Generalli)und vielleicht 5-6 kleinere (Huk, Thalanx, Axa, W&W, Barmenia, Nürnberger)überleben. Der Rest wird vom Markt verschwinden und verärgerte Kunden hinterlassen, aber vielleicht ist es auch gut so. Das Meinungsbild über den Berater wird sich zwangsweise ändern, da viele auch altersbedingt in den nächsten Jahren aufhören. Wir jüngeren werden mehr Bestand bekommen und betreuen müssen. Die Sätze und Kostenstrukturen werden sich damit auch zwangsläufig ändern.

  • es ist anhand der unglaublich negativen Berichterstattung schon sehr eigenartig warum die Finanz- und Versicherungsvermittler nichts unternehmen.
    Ich frage mich wirklich, warum es so gut wie keine neutrale Berichterstattung gibt, damit sich das scheinbar ahnungslose Volk ein Bild über die tatsächliche Situation der Berater macht. Man muss schon ein Masochist sein, um heute noch freiwillig in diesen Beruf einzusteigen.

  • Danke für diesen Artikel, der auch endlich mal eine andere Sichtweise auf die tägliche Arbeit eines Versicherungs- oder Finanz-Vermittlers aufzeigt. Bitte auch weiter eine objektive Betrachtung aller beteiligten Seiten zulassen.

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