Der Druck des Kapitalmarkts zwingt die Unternehmen zu mehr Profitabilität – Trendsetter sind die Rückversicherer
Versicherer scheuen größere Risiken

Unsicher ist’s auf dieser Erden,drum will der Mensch versichert werden (Eugen Roth). An der Weisheit des Dichters hat sich seit dem vergangenen Jahrhundert so gut wie nichts geändert. Die Versicherungswirtschaft zählt weltweit zu den soliden Wachstumsbranchen. Fast alle westlichen Staaten verlagern immer mehr soziale Verantwortung auf den privaten Sektor – allen voran die unter der demographischen Last berstende Alters- und Gesundheitsvorsorge.

Und dennoch ist der Himmel über der Assekuranz alles andere als rosarot. Die Branche steht am Beginn eines gewaltigen Umbruchs, aus dem die Investoren als Gewinner und die Kunden als Verlierer hervorgehen werden.

Die Trends in der Branche setzen die Rückversicherer, die die Hauptlast an den Risiken tragen. Ohne sie wären Wirbelstürme, Kernkraftwerke und Pharmarisiken nicht versicherbar. Dafür geben die Rückversicherer im Hintergrund den Ton an, etwa wenn es um neue Deckungskonzepte oder -umfänge geht.

Die beiden maßgeblichen Treffen der internationalen Rückversicherungswirtschaft haben denn auch in diesem Jahr gezeigt, wo die Reise hingeht: in Richtung Sicherheit. Das klingt selbstverständlich, weil es das Kerngeschäft der Assekuranz ist. Doch wie der Schuster, der selbst nie die besten Schuhe trägt, haben auch die Versicherer nicht das beste Risikomanagement. Das hat sich in der vergangenen Börsenkrise offenbart. Von dem Vertrauensverlust haben sich die Versicherungstitel bis heute nicht erholt. 2004 ist der Versicherungs-Index hinter dem Dax zurück geblieben.

Doch spätestens seit den ersten Schieflagen namhafter Marktteilnehmer achten die Unternehmen stärker auf ihre eigene Sicherheit. Als Maßeinheit dient die Bonität. Und die kostet eine Kleinigkeit: Nur ein Rückversicherer auf der Welt kann sich noch die Bestnote „AAA“ leisten, in dem er vergleichsweise viel Kapital vorhält und auch die entsprechenden Kosten verdient. Kapital ist flüchtig und teuer – die Konsolidierung in der Branche entsprechend weit fortgeschritten.

Den Erstversicherern steht diese Entwicklung erst noch bevor. Auch wenn nur wenige von ihnen an der Börse sind: „Ratings werden immer wichtiger“, ist Werner Görg, Chef der mittelgroßen Gothaer Versicherungsgruppe, überzeugt. Er bereitet sein Unternehmen deshalb auf die neuen internationalen Aufsichtsregeln vor, die unter dem Schlagwort Solvency II frühestens ab 2008 für Versicherer relevant werden. Sie basieren im Grunde auf einer Art Rating-Ansatz: Je höher die eingegangenen Risiken sind, desto höher ist der Kapitalbedarf bei vergleichbarer Bonität. Die Versicherer stehen somit vor der Wahl: entweder weniger Risiken oder mehr Kapital. Letzteres bekommen sie nach Ansicht von WestLB-Analyst Carsten Zielke aber nur, „wenn sie das Kapital gewinnbringend und mit möglichst wenig Volatilität anlegen können.“ Daher arbeiten die Versicherer daran, ihr Geschäft auf stabilere Grundlagen zu stellen und nicht mehr jedes Risiko abzusichern.

Eng verknüpft mit Solvency II ist die Umstellung der Buchhaltung auf internationale Bilanzierungsstandards (IFRS), die eigentlich nur für kapitalmarktnahe Unternehmen Pflicht werden. Ziel ist, die Vergleichbarkeit für Investoren zu verbessern. Die Gothaer als genossenschaftlich organisierter Versicherungsverein ist insofern ein gutes Beispiel dafür, dass die Umwälzungen, die von IFRS ausgehen, aber nicht bloß börsennotierte Gesellschaften treffen. „Letztlich kann sich wegen des Zusammenhangs mit Solvency II keiner dem Trend entziehen“, bestätigt Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata.

Die Folge: „Mit Solvency II rücken die Kapitalkosten in den Fokus, so dass sich jedes Geschäft selbst tragen muss“, sagt Will. Quersubventionen, wie die Branche sie gepflegt hat, sind nicht mehr möglich. „Insgesamt wird das Mehr an Sicherheit die Kunden aber höhere Beiträge kosten“, schätzt er.

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