Der einstige Klassiker der Altersvorsorge macht nur noch für wenige Sinn
Auslaufmodell Lebensversicherung

Es spricht nicht mehr viel für die klassische Kapitallebensversicherung. Seit den Versicherungsvermittlern Anfang 2005 das schlagendste Verkaufsargument weggefallen ist – die Steuerfreiheit des Ertrags – ist der Absatz massiv eingebrochen. Nach Ansicht von Versichertenvertretern gelangen die Nachteile der einstigen beliebtesten privaten Vorsorgeform für das Alter nun ungeschönt ans Licht. Sie raten Verbrauchern dazu, ihre Altersvorsorge differenzierter aufzubauen.

HB FRANKFURT/M. „Die klassische Kapitallebensversicherung ist nicht mehr interessant“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer des unabhängigen Researchunternehmens für Versicherungen, Franke & Bornberg. „Viele Verträge haben sich bereits vor dem Wegfall des Steuerprivilegs nicht gerechnet. Das wird nun deutlicher“, ergänzt Elke Weidenbach, Versicherungsberaterin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Drei Punkte kritisieren Versichertenvertreter in der Regel am ehemaligen Vorsorgeklassiker: Erstens monieren sie die niedrige Rendite dieser Versicherungen. Die Versicherer garantieren aktuell nur noch 2,75 Prozent Ertrag im Jahr. Einschließlich der kapitalmarktabhängigen Überschussbeteiligung bringen die Policen im Durchschnitt um vier Prozent ein. Zweitens beklagen Kritiker die Intransparenz des Produktes. So wissen Versicherte meist nicht, wie viel ihrer gezahlten Beiträge tatsächlich in den Sparanteil fließt. Im Mittel sind es nur rund 75 Prozent. Ein guter Teil, je nach Alter des Versicherten bis zu zehn Prozent, gehen in die Todesfallabsicherung. Der Rest verschwindet für Verwaltungskosten der Versicherung. Sichert sich der Kunde auch gegen Berufsunfähigkeit ab, liegt der Sparanteil oft noch niedriger.

Fast die Hälfte der Verträge wird gekündigt

Drittens ist die lange Bindungsdauer an den Vertrag und den entsprechenden Versicherer problematisch. „Die wenigsten jüngeren Menschen können einschätzen, ob sie in den nächsten dreißig Jahren jeden Monat zum Beispiel 100 Euro für eine Versicherung zahlen können“, sagt Weidenbach. Bis 50 Prozent der Verträge würden gekündigt. Das geht zu Lasten des Versicherten. Bislang fließen die ersten 18 bis 24 Monatsbeiträge komplett an den Vermittler als Provision. Erst nach 12 bis 13 Jahren bekommt der Versicherte bei Kündigung laut Weidenbach überhaupt eine Rendite. Hier müssen die Versicherer allerdings nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom Mittwoch nachbessern.

Außerdem muss man entscheiden, ob man sich jahrzehntelang an ein Unternehmen binden und bei ihm die Versicherungsleistung wie auch das Management seiner Altersersparnisse überantworten möchte. „Die klassische Kapitallebensversicherung hat Nachteile gegenüber der fondsgebundenen Variante. Einige, vor allem kleine Versicherungen haben Probleme, ihr Portfolio ausreichend zu diversifizieren“, sagt Stephan Moltzen, Leiter Produktmanagement Lebensversicherungen beim Finanzdienstleister MLP. Oft fehlten ihnen die Kapazitäten, ihre Anlagen ausreichend zu streuen.

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