Der Zweitmarkt für Lebensversicherungen boomt
Gebrauchte Policen finden reißenden Absatz

Die Zeiten, in denen Lebensversicherungen Renditen bis zu acht Prozent auf den Sparbeitrag versprachen, sind längst vorbei. Doch wer nun einfach seinen Vertrag zurückgeben will oder die vereinbarten monatlichen Zahlungen nicht mehr leisten kann, hat ein gravierendes Problem: Eine vorzeitige Kündigung lassen sich die Assekuranzen teuer bezahlen. Eine immer beliebtere Alternative ist daher der Verkauf der Police.

DÜSSELDORF. Und die Idee, eine Lebensversicherung zu verkaufen statt zu kündigen, kommt offenbar gut an. So entwickelt sich nach Großbritannien und den USA auch in Deutschland, das mit gut 90 Mill. Policen als das Mutterland der Lebensversicherungen gilt, der Zweitmarkt für Lebensversicherung rasant. „Die Zahl der angebotenen Policen steigt um 15 bis 30 Prozent pro Monat“, sagt Simon Nörtersheuser, Manager bei der Luxemburger Gesellschaft Partner in Life (PiL), die für einen offenen Fond der Privatbank Hauck und Aufhäuser deutsche Kapital-Lebensversicherungen aufkauft.

Marcus Simon vom Vorstand des deutschen Branchenprimus Cash-Life, der bereits über 6 000 Policen übernommen hat, spricht von einem „stark wachsendem Markt“. Klaus Secker, Geschäftsführer des Policenvermittlers Barwert, die im Gegensatz zu PiL oder Cash-Life keine Versicherungen kauft, sondern nur zwischen Käufer und Verkäufer vermittelt, rechnet in diesem Jahr mit einem Plus von gut 50 Prozent – Tendenz steigend. Die Verbraucherschützer rechnen bei den Lebensversicherten mittlerweile sogar mit einer Abbrecherquote von rund 50 Prozent.

Da die Versicherer bei einer vorzeitigen Vertragskündigung aber die kompletten Abschlusskosten einbehalten, bieten sie nur Rückkaufswerte an, die teilweise weit unter dem tatsächlichen Wert der bis dahin eingezahlten Beiträge liegen. Zusätzlich fallen bei einer Stornierung innerhalb der ersten zwölf Jahre Kapitalertragsteuern von 25 Prozent nebst Solidaritätszuschlag an.

Auf dem Zweitmarkt hingegen kaufen Fondsmanager, Banker oder private Investoren die ungewollten Policen auf und bezahlen den Versicherten dafür Preise, die zwischen einem und fünf Prozent über dem Rückkaufswert, aber noch unter dem eigentlichen Wert der Versicherung liegen. Die Investoren überweisen dann die Beiträge weiter und setzen dabei auf die Wertentwicklung, die bei Lebensversicherungen erst am Ende der Laufzeit überproportional steigt. Je nach Verkaufsvertrag kann dabei sogar ein Teil des Todesfallschutzes für den ursprünglich Versicherten erhalten bleiben.

Bei all der Euphorie rät Frank Braun vom Bund der Versichertern dennoch zur Vorsicht. „Oftmals können auf dem Rechtsweg höhere Rückkaufswerte eingeklagt werden, die sogar den Preis der Fondsmanager weit übersteigen.“ Wer möglichst schnell das Geld braucht, solle direkt kündigen und den angebotenen Rückkaufswert vorläufig akzeptieren. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnten dann die zu viel einbehaltenen Abschlusskosten gerichtlich nachgefordert werden, meint Braun. Und viele Versicherer gäben schon bei der Androhung einer Klage klein bei.

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