Die gesetzliche Rentenversicherung und die private Lebensversicherung sind in der Krise
Altersvorsorge unsicherer denn je

Bei der Altersversorgung der Deutschen erscheint nur noch eines sicher – dass eben nichts mehr sicher ist. Das System hat schon seit Jahren bedenkliche Schlagseite. Denn noch immer stammen rund 85 Prozent der Alterseinkünfte aus der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung; nur fünf Prozent kommen aus betrieblicher und zehn aus privater Vorsorge. Experten halten eine Mix aus 50 Prozent umlage- und 50 Prozent kapitalgedeckter Altersvorsorge für sinnvoll.

HB DÜSSELDORF. Andere Länder sind da schon weiter: In der Schweiz zum Beispiel stammen nur rund 42 Prozent der Alterseinkommen aus der staatlichen Rentenversicherung, 32 Prozent beziehen die Rentner aus der obligatorischen betrieblichen Vorsorge und 26 Prozent aus privatem Sparen.

Die Bemühungen der Bundesregierungen – gleich welcher politischen Richtung – die umlagefinanzierte Rente auf Dauer sicherer zu machen, dürfen als gescheitert eingestuft werden. Was bleibt, ist eine zunehmende Verunsicherung in der Bevölkerung, die jüngst auch Bundespräsident Johannes Rau beklagte in seiner Rede anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA).

Aber auch die Sicherheit des kapitalbildenen Sparens steht heute mehr und mehr in Zweifel. Denn das beliebteste Instrument der privaten Vorsorge in Deutschland steckt in einer Krise: die kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherung. Über 90 Millionen Policen haben die Deutschen zur Absicherung des Alters abgeschlossen. Fälle, wie jetzt der von der Mannheimer Leben werfen die Frage auf, wie sicher das Produkt Lebensversicherung überhaupt noch ist.

100 Mrd. in drei Jahren in den Sand gesetzt

Denn nach Berechnungen des map-Report hat die deutsche Lebensversicherungsbranche allein in den vergangenen drei Jahren über 100 Mrd. Euro in den Sand gesetzt. Weitere aufgeschobene Milliarden-Verluste schlummern als so genannte stille Lasten in den Büchern.

Immerhin: Die Besitzer von Lebensversicherungen haben kein Geld verloren - nur die künftigen Zuwächse fallen geringer aus, als prognostiziert. Dies kann in der persönlichen Kalkulation Lücken reißen. Schlimmer sind die Besitzer von Fonds und Fondsgebundenen Lebensversicherungen dran, sollten diese stark in Aktien investiert sein. Diese Sparer haben echtes Geld verloren.

Jüngere müssen mehr sparen

In diesem unsicheren Umfeld muss quasi jeder seine persönliche Rentenreform organisieren. Bei steigender Beitragslast müssen die Jüngeren mehr sparen, um im Alter das Einkommensniveau halten zu können.

Immerhin bietet der Staat heute eine Fülle an Förderungen an, die das Alterssparen versüßen sollen. Zur Stärkung der privaten Vorsorge wurde die so genannte Riester- Rente ins Leben gerufen. Hierbei schießt der Staat einen Teil der Vorsorge-Prämie zu. Die Idee ist im Prinzip gut, doch leider sind die Details des Gesetzes so kompliziert geraten, dass selbst Vorstände von Versicherungsgesellschaften öffentlich nach einer Entrümpelung der Vorschriften rufen. Denn Sparen für das Alter bedeutet Konsumverzicht. Dies wird nicht dadurch populärer, dass die Regelungen von niemanden verstanden werden. Zudem fällt die Förderung in den Anfangsjahren recht mager aus. Entsprechend bleibt der Absatz der Riester-Produkte bis heute weit hinter den Erwartungen der Branche zurück.

Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge

Der heimliche Hit der jüngsten Rentenreform (die nächste ist schon in Arbeit) ist die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge. Hier zeigt sich der Staat von seiner großzügigen Seite. Seit vergangenem Jahr hat jeder rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer das Recht darauf, einen Teil seines Gehalts in eine der fünf Varianten (Direktzusage, Direktversicherung, Pensionskasse, Unterstützungskasse und Pensionsfonds) einzuzahlen. Einen dieser Varianten muss jeder Arbeitgeber seinen Mitarbeitern anbieten.

Der Clou: Bei vielen dieser Durchführungswege kann der Arbeitnehmer bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 61 200 Euro pro Jahr einzahlen; diese Beiträge werden direkt seinem Bruttogehalt entnommen - ohne Steuern und vor allem: ohne Abzug von Beiträgen von Sozialversicherungsbeiträgen. Dafür sind im Rentenalter dann die Leistungen zu versteuern. Viele Arbeitgeber und die Tarifparteien haben bereits mit Versicherern und anderen Finanzdienstleistern Rahmenverträge für die betriebliche Vorsorge abgeschlossen. Jetzt müssen die Beschäftigten gewonnen werden, die Chancen auch zu nutzen.

Die Wahl der richtigen Altersvorsorge mag kompliziert sein. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie für jeden notwendiger denn je ist.

Renten–Mix

Im europäischen Vergleich hat Deutschland hat noch einen sehr unausgewogenen Mix bei den Alterseinkommen. Die Politik will das ändern.

In Deutschland stammen rund 85 % der Alterseinkommen aus der staatlichen Rentenversicherung, 5 % aus betrieblichen Vorsorgelösungen und 10 % aus der Privatvorsorge.

In den Niederlanden kommen nur 50 % der Alterseinkommen aus der staatlichen Rentenversicherung, 40 % stammen aus betrieblichen Vorsorgeeinrichtungen und 10 % aus dem privaten Sparen.

In Großbritannien beziehen die Rentner im Schnitt 65 % ihrer Rente aus dem staatlichen Rentensystem, zu 25 % aus Betriebsrenten und zu10 % aus privaten Sparverträgen.

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