Die Verträge werden immer besser, aber das hat seinen Preis
Schutz vor Berufsunfähigkeit ist teuer

Der Schutz vor den Folgen der Berufunfähigkeit ist nicht billig. Aber er gehört zu den wichtigsten Versicherungsarten innerhalb eines umfassenden Vorsorgekonzeptes. Viele für den Kunden ungünstige Vertragsklauseln sind in den vergangenen Jahren gestrichen worden, dafür gibt es neue Fallen.

DÜSSELDORF. Wenige Sekunden können ein Leben verändern. Ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder ein Sturz – und nachher ist nichts mehr wie vorher. Manchmal zerstören auch langsame Prozesse, zum Beispiel eine psychische Erkrankung, die Leistungsfähigkeit.

Viele Menschen müssen vorzeitig ihren Beruf aufgeben – eine genaue Statistik dazu gibt es nicht, oft heißt es aber, jeder Vierte oder Fünfte erleide dieses Schicksal. Dabei sind Krankheiten sehr viel häufiger die Ursache als Unfälle. Doch wer zahlt, wenn so etwas passiert? Diese Frage stellt sich besonders dringlich in Familien, die überwiegend von einem Elternteil leben. Die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung sind drastisch eingeschränkt worden. Arbeitnehmer ab dem Geburtsjahr 1961 erhalten nur noch im Falle der Erwerbsunfähigkeit eine Rente – also dann, wenn sie gar keinen Beruf mehr ausüben können.

Die Lücke schließt die private Berufsunfähigkeitsversicherung, die eine Rente zahlt, wenn der Kunde seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Es gibt sie allein oder in Verbindung mit einer Lebensversicherung. Die Bedingungswerke sind durch den steigenden Wettbewerbsdruck in den letzten Jahren besser geworden. Dennoch gibt es immer wieder neue Fallstricke in den Verträgen. Michael Franke von dem Research-Unternehmen Franke & Bornberg in Hannover nennt Beispiele. Ein Problem kann entstehen, wenn im Vertrag vom „zuletzt ausgeübten Beruf“ die Rede ist: Wenn ein Freiberufler aus Krankheitsgründen seine Tätigkeit einschränkt und sich dann erst berufsunfähig meldet, legt der Versicherer möglicherweise die bereits eingeschränkte Tätigkeit bei der Bewertung zu Grunde. Franke verlangt daher die Formulierung, dass der zuletzt ausgeübte Beruf „vor der gesundheitlichen Beeinträchtigung“ zu Grunde gelegt wird.

Ein anderer Punkt, in dem sich häufiger Einschränkungen in den Verträgen finden, ist der Berufswechsel. Gefährlich ist laut Franke auch, wenn bestimmte Fragen im Vertrag gar nicht geregelt sind, etwa, wie weit Kunden verpflichtet sind, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, oder ob ihnen eine Umorganisation des Arbeitsplatzes zuzumuten ist. Wenn darüber nichts im Vertrag steht, stellt der Versicherer diese Forderungen, gestützt auf die Rechtssprechung, möglicherweise trotzdem. „Mir ist deswegen eine klare Regelung lieber“, sagt Franke, „das schafft mehr Transparenz.“

Manche Kunden stellen sich aber auch selbst Fallen. „Das wichtigste Thema sind Gesundheitsfragen“, sagt der Hamburger Versicherungsberater Rüdiger Falken und nennt ein Beispiel, wie selbst ehrliche Kunden in die Falle tappen können: Wer bei „früheren Krankheiten oder Gebrechen“ gelegentliche Rückenschmerzen nicht angibt, weil er deswegen gar nicht zum Arzt gegangen ist, bringt sich unter Umständen um die Leistung. Denn wenn er bei einer späteren Behandlung seiner Rückenprobleme beim Arzt angibt, dass er früher bereits Beschwerden hatte, bekommt der Versicherer diese Angaben später möglicherweise zu Gesicht.

Die Versicherer unterteilen die Berufe in mehrere Risikoklassen, die unterschiedliche Prämien nach sich ziehen. Als Faustregel gilt, dass körperlich Arbeitende relativ höhere Beiträge aufbringen müssen als Bürohengste. Wichtig: Auch für den Beruf „Hausfrau“ oder „Hausmann“ werden inzwischen Tarife angeboten. Wer für sich eine BU sorgt, sollte daher viele Angebote vergleichen – je nach Eingruppierung können sehr unterschiedliche Beträge fällig werden. Nach Erfahrung von Berater Falken versuchen viele Anbieter, bei kreativen Berufen psychische Erkrankungen weitgehend auszuschließen: „Die fürchten, dass der Kunde sagt, wegen seiner psychischen Belastungen habe er keine guten Ideen mehr.“

Die reine Höhe des Beitrags sollte wegen der großen Unterschiede in den Verträge nicht das Entscheidungskriterium sein. Ein Anhaltspunkt für die Auswahl können Ratings bieten, bei denen intensiv die Vertragsbedingungen studiert und nach Punkten bewertet werden. Neu in der Spitzengruppe vertreten sind bei der aktuellen Ausgabe dieses Ratings die Stuttgarter Versicherung und die VPV. Die Experten haben insgesamt 13 Kriterien zur Bewertung der Verträge herangezogen. Die Beiträge sind nur ein Beispiel – sie können je nach Kunde ganz anders ausfallen.

Sorgen bereitet den Experten, dass der BU-Schutz immer teurer wird. Der steigende Verbraucherschutz durch bessere Vertragsbedingungen hat seinen Preis – und den zahlt wiederum der Verbraucher. Und der Trend zeigt nach oben, weil viele „teure“ Klauseln erst in den letzten Jahren eingeführt wurden. Frank Schulz in Köln, der unter der Marke Versnet Versicherungsportale betreibt, befürchtet daher: „Die Prämien werden drastisch steigen.“ Er fordert die Versicherer auf, mehr preisgünstige, abgespeckte Varianten auf den Weg zu bringen.

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