Dispokredite: Aigner überprüft Banken

Dispokredite
Aigner überprüft Banken

Bis zu 17 Prozent Zinsen müssen Bankkunden zahlen, wenn sie ihr Girokonto überziehen. Das verärgert die Verbraucherministerin. Jetzt will sie handeln. Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken lassen sich die Überziehung fürstlich vergüten.
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BERLIN. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nimmt sich erneut die Banken vor. Nach einer Untersuchung von Stiftung Warentest verlangen viele Institute überhöhte Zinsen für die Überziehung des Girokontos. „Ich werde diese Ergebnisse zum Anlass nehmen, eine ausführliche Studie zum Zinsanpassungsverhalten der Banken in Auftrag zu geben“, sagte Aigner dem Handelsblatt.

Mit der Studie soll geklärt werden, ob das geltende Recht, wie Banken ihre Zinsen anpassen müssen, ausreichend ist. Generell sind Banken verpflichtet, ihre Zinsen nicht nur nach oben, sondern auch nach unten an ihren Refinanzierungskosten auszurichten. Ende dieser Woche würden auch die Verbraucherschutzminister der Länder sich mit dem Thema Dispozinsen beschäftigen, kündigte Aigner an. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat in dieser Woche drei Banken wegen der Gestaltung der Dispozinsen verklagt. Alle drei Institute würden Klauseln in den allgemeinen Geschäftsbedingungen verwenden, die Verbraucher benachteiligen, so Vorstand Klaus Müller. Ein einseitiges Preisbestimmungsrecht bei der Festsetzung der Dispozinsen sei unzulässig.

Gerade kleine Banken langen kräftig zu

Tatsache ist, dass sich viele Banken beim Dispokredit schadlos am Kunden halten. Von einer „Dispo-Falle" spricht die Stiftung Warentest, die rund 700 Banken unter die Lupe genommen hat. Das Ergebnis: Gerade kleine Banken, also Sparkassen und Genossenschaftsbanken, lassen sich die Überziehung des Girokontos fürstlich vergüten. „Sie sind bei den Banken, die 14 Prozent und mehr verlangen, stark vertreten", sagte der Chefredakteur von Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen, mit Verweis auf die dominante Marktstellung dieser Institute im ländlichen Raum.

Die Zinsfalle betrifft viele. Nach einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung soll jeder sechste Kunde mit seinem Girokonto in den roten Zahlen sein. Die Bundesbank gibt das Volumen der Überziehungskredite mit 42 Mrd. Euro an – der größte Anteil entfällt dabei auf Dispokredite. Es ist nicht die erste Kritik an den Banken in jüngster Zeit. Weitere Tests attestieren den Kreditinstituten zweifelhafte Beratung und einen mangelhaften Umgang mit den obligatorisch gewordenen Beratungsprotokollen. Im Streit um überhöhte Gebühren beim Geldautomaten musste gar das Bundeskartellamt eingreifen.

Jetzt sieht sich die Branche mit dem Vorwurf konfrontiert, die Kunden beim Dispo über Gebühr zu schröpfen. Die Spanne beim Dispokredit ist groß: Stiftung Warentest hat Zinssätze von sechs bis 17 Prozent ermittelt, wobei der Durchschnittswert bei stolzen 12,52 Prozent liegt. Die Verbraucherschützer werfen den Banken vor, ihre Zinsvorteile beim Dispokredit kaum oder gar nicht an den Kunden weiterzugeben. „Zweistellige Zinssätze passen nicht in eine Zeit, in der die Marktzinsen auf ein historisches Tief gesunken sind“, sagte Tenhagen. Der Zins, bei dem sich die Banken von der Europäischen Zentralbank Geld leihen können, ist von 4,25 Prozent im Oktober 2008 auf ein historisches Tief von einem Prozent gesunken.

Eher kleinlaut weist der Spitzenverband der Kreditwirtschaft darauf hin, dass schon die Bereitstellung von Dispokrediten Eigenkapital erfordere – unabhängig davon, ob der Kredit in Anspruch genommen werde oder nicht. Auch das erhöhte Ausfallrisiko dieses unbesicherten Kredits schlage zu Buche. Mit diesen Hinweisen lässt sich allerdings nicht erklären, warum Santander Consumer Bank und Targobank knapp 17 Prozent verlangen, während Kunden der PSD Bank Braunschweig nur 7,75 Prozent zahlen. Der verbraucherpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Erik Schweickert, sieht jetzt das Bundeskartellamt am Zug. Es soll die Praxis der Banken bei den Dispozinsen überprüfen und gegebenenfalls ein Kartellverfahren einleiten.

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  • Hunderte von Milliarden Euro an die Landesbanken, nur weil die Politiker die in den beiräten sitzen aus Unfähigkeit keine Kontrolle der geschäfte wahrgenommen haben.

    Und nun kommt eine und moniert die hohen Überziehungszinsen. Toll!

    Hättet ihr Politiker mal besser den derivatehandel der Landesbanken kontrolliert, hätte z.b. unsere Landesbank im Süden keine 13,6 Milliarden von Stadt Land und Sparkasssn benötigt.

    Für dieses Geld kann mann Stuttgart 21 zwei Mal bauen und die iCE Strecke nach Ulm vierspurig anlegen.

    So kann man dem Volk auch Sand in die Augen steuen. Las alle vor den bahnhof rennen, anstatt zu fordern, dass hier einige Aufsichtsräte und beiräte zur Verantwortung gezogen werden.

    Wenn ich im Anschluss einer Kundenberatung kein Gesprächsprotokoll mit der Unterschrift des Kunden fertige, macht mich jeder Richter schadenersatzpflichtig wenn das Wertpapier in den Keller fällt, oder sich der Kunde nicht mehr an den Abschluss erinnern will/kann.

    Für Vorstände gelten andere Regeln.

    in Florenz des 16. Jahrhunderts war es genauso wie in unserer Republik heute. Auf der einen Seite der bußprediger Savonarola dem das Volk hinterher rannte, auf der anderen Seite ein borgia Papst der ungestört alles trieb was verboten war.

  • Aigner handelt im Sine der Verbraucher? Wo ist der Schutz, die Aufklärung bei Lebensmittelskandalen? Nur absoluter Täterschutz! Wo ist die Überwachung der Energiefirmen(benzin z.b.)?
    Warum sind die Medikamente in Deutschland doppelt so teuer als im Ausland? Nur Abzocke der Verbraucher!

  • Hat die Frau nichts besseres zu tun als medienträchtig der nächsten Sau durchs Dorf hinterherzulaufen? Sie hat immernoch nichts verstanden, dass die Themen, welchen sie sich annimmt, nur einen sehr kleinen Personenkreis in Deutschland betreffen. Lieber sollte sie sich ihren anderen Resorts zuwenden. Gentechnik in der Ernährung ist ein Thema, welches uns alle betrifft oder auch bedenklich ist die Fehlentwicklung bei landwirtschaftlich nutzbarem Grund und boden. Landwirtschaftliche Nutzung zu Zwecken der Nahrungsgewinnung wird eingestellt und statt dessen mit Solaranlagen zugepflastert oder aber zum Anbau von Nutzpflanzen zur Energiegewinnung umgewandelt. Nahrungsmittel müssen zunehmend importiert, Qualitätsstandards können nicht gehalten werden...

    Außerdem hat sie nicht verstanden, dass viele der politischen Vorgaben doch überhaupt erst zu dem vorliegenden Verhalten von banken führen. beispielsweise die Zinsanpassungs- oder Zinsgleitklausel. Ein solches Gesetz zum Zeitpunkt eines historischen Zinstiefs einzuführen zeigt doch wie dämlich unsere Politiker sind. Das gleiche gilt für die EU-Preisverordnung und Geldautomatengebühren. bis zu diesem Gesetz war die Welt noch in Ordnung, erst durch dieses Gesetz kam es zu Ungerechtigkeiten und damit Nachteilen für die Kunden.

    Liebe Frau Aigner, kümmern Sie sich doch bitte um Themen von denen sie auch etwas verstehen. Dann werden Sie ind er bundespolitik innerhalb ihres Ressorts schnell arbeitslos sein und haben mehr Zeit für ihre Familie!

    MfG,
    der Spielverderber

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