Doku „Versicherungsvertreter“: Mehmet Göker und das Schweigen der Versicherer

Doku „Versicherungsvertreter“
Mehmet Göker und das Schweigen der Versicherer

Der Film „Versicherungsvertreter“ über Mehmet Göker erreicht ein Millionenpublikum. Doch auch fast vier Jahre nach der MEG-Pleite bleibt die Rolle der Versicherer unscharf. Was der preisgekrönte Film nicht erzählt.
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So viel Aufmerksamkeit hat noch kein Film über die Versicherungsbranche eingeheimst. Mehr als 20.000 Menschen haben den Streifen von Klaus Stern in bundesdeutschen Kinos angeschaut. Das ist für einen Dokumentarfilm ein hoher Wert.

Schon die Kurzversion des Films bestaunte ein Millionenpublikum im Fernsehen. Und auch die TV-Erstausstrahlung im WDR am Donnerstagabend dürfte im TV trotz der späten Sendezeit noch viele Zuschauer gefunden haben. 

Der Film von Stern hat das Bild einer Branche, mit der jeder Deutsche Geschäfte macht, grundlegend verändert. Bisher galt als Gemeingut, was die Versicherungen gerne betonen. Zweifelhafte Vertriebsmethoden, wie etwa Lustreisen nach Budapest, seien die Ausnahme.

Klaus Stern habe dieses Bild mit seinem Film korrigiert, urteilt der Chefredakteur von Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen. „Stern zeigt ganze schwarze Herden, präsentiert einen besonders eindrucksvollen schwarzen Leithammel und zeigt uns die dazugehörigen Schäfer aus den Vorstandsetagen der Assekuranz.“

Im Film selbst kommen die betroffenen Unternehmen allerdings gar nicht direkt zu Wort. Gerne hätte der Zuschauer erfahren, was denn die großen Versicherer heute zu den Vertriebsmethoden des Mehmet Göker und der Pleite des großen Finanzvertriebs MEG sagen. Ob es ihnen leid tut, dass sie auf vielen Millionen Euro an Verlusten sitzen geblieben sind? Ob sie nun den Verkäufer Mehmet Göker für alle Zeiten ächten? Ob künftig weniger aggressiv um Kunden geworben wird?

Solche Fragen hätte Klaus Stern den Versicherern gerne vor laufender Kamera gestellt. Viele Anfragen stellte er an große Konzerne wie Axa, Central, Inter oder Alte Leipziger. Doch er erhielt nur freundliche Absagen. Geprüft worden sei sein Anliegen immer, doch dann hätten Sprecher schnell auf offene rechtliche Auseinandersetzungen mit Mehmet Göker verwiesen. Der Filmemacher Stern hält diese Absagen für vorgeschoben, wie er Handelsblatt Online sagte.

Unabhängig davon haben Manager, Mitarbeiter und Vermittler in der Versicherungswirtschaft seinen Film stark beachtet. Der Filmemacher erinnert sich noch gut an die ersten Reaktionen, die ihm zugetragen wurden. Mit dem Film habe er der Branche und dem Berufsstand der Vermittler sehr geschadet, hieß es.

Wirklich? Stern kann da nur den Kopf schütteln.

Kommentare zu " Doku „Versicherungsvertreter“: Mehmet Göker und das Schweigen der Versicherer"

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  • das würde mir auch sehr am Herzen liegen!

  • Dieser Film hat mich lebhaft an meine Erfahrungen mit der DVAG erinnert! Eine Erfahrung die finanziell und persönlich dauerhaft "negativ prägend" bleiben wird !

  • 21 Mio sind doch für die Versicherer ein Klacks. Dieses Empörungs-Geschwafel der Foristen zeigt, wie sie willig den Strippen-Ziehern auf den Leim gehen, die von den großen Skandalen ablenken wollen. Warum sonst sollte die betroffenen Versicherer so brav ruhig halten?

    Was wäre wirklich berichtenswert und wird nicht in den Medien (oder von unartigen Dokumentaristen) aufgearbeitet/illustriert?

    !!!--- Die Lüge des "Generationenvertrags" ---!!!

    !!!--- Die Illusion der Schuldenwirtschaft ---!!!

    mit den entsprechenden individuellen und gesellschaftlichen Folgen, Verwerfungen und Perversionen.

    Zum Glück haben wir ja eine Medienszene mit den entsprechenden Entscheidungsträgern, Beratern und weiteren Eliten, die uns vor diesen Themen und den unangenehmen Fragen dazu schützen. Sie haben unser Geld verdient.

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