Der nächste Schlag für die Lebensversicherung

Ergo
Der nächste Schlag für die Lebensversicherung

Einer der größten Versicherer, die Ergo, zahlt Millionen Kunden deutlich weniger für Lebensversicherungen. Die laufende Verzinsung fällt auf bis zu drei Prozent. Was das erneute Alarmsignal aus der Branche bedeutet.
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Düsseldorf„Stabilität geht vor.“ So verkauft der Versicherer Ergo die drastische Senkung seiner Zinsen für Lebensversicherungen. Die jährliche Gutschrift für Millionen Verträge der Ergo Leben und Victoria Leben sinkt auf 3,2 Prozent und 3,0 Prozent. Das ist ein Rückgang der Überschussbeteiligung von 0,6 und 0,5 Prozentpunkte.

Der Versicherer senkt damit den viel beachteten Zinssatz sogar noch deutlicher als der Konkurrent Alte Leipziger. Schon dessen drastische Reduzierung war als Signal an die Branche interpretiert worden. Die Ergo liefert nun das zweite Ausrufezeichen. Es ist wesentlich gewichtiger, weil die Versicherungsgruppe – gemessen am Bestand – zu den drei größten Anbietern im Lande gehört. Ergo Leben und Victoria verwalten zusammen mehr als sieben Millionen Lebensversicherungen.

Der Versicherer begründete die Senkung mit den anhaltend niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten. In der neuen Tarifgeneration schreibe die Ergo Lebensversicherung ihren Kunden nun eine Gesamtverzinsung von 3,55 Prozent gut, heißt es. Die Gesamtverzinsung ergibt sich aus Garantiezins, jährlicher Gutschrift und einem Bonus für auslaufende Verträge.

Ergo sichere so die finanzielle Stärke der Lebensversicherung und setze „mit der Entscheidung ein klares Zeichen: Bei der Altersvorsorge zählt nachhaltige Sicherheit mehr als kurzfristige Renditeversprechen.“ Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und die extrem hohe Nachfrage nach soliden Zinsanlagen mache es sicherheitsorientierten Anlegern immer schwerer, angemessene Renditen zu erzielen.

Sichere Zinspapiere wie zehnjährige deutsche Bundesanleihen böten bei der Neuanlage derzeit lediglich 1,4 Prozent Rendite. Ein Ende der Niedrigzinsphase sei nicht absehbar, erklärte Ergo weiter. Sie treffe Versicherer und ihre Kunden besonders hart, da ein Großteil der Kapitalanlage in sichere Zinspapiere fließe.

Durch ihre stabilitätsorientierte Investmentstrategie könne Ergo der schwierigen Situation an den Finanzmärkten jedoch aus einer Position der finanziellen Stärke begegnen, glaubt der Versicherer. „Wir haben bereits 2005 begonnen, uns gegen nachhaltig niedrige Zinsen abzusichern“, erklärte Daniel von Borries, Mitglied des Vorstands der Ergo Versicherungsgruppe und verantwortlich für Lebensversicherung und Kapitalanlage. „Es wäre fatal, in der aktuellen Niedrigzinsphase diese stabilitätsorientierte Strategie zu ändern.“

Im Jahr 2013 beträgt die Summe aus Garantiezins und laufender Verzinsung bei der Ergo Lebensversicherung nun 3,2 Prozent. Der Versicherer verwaltet rund 5,7 Millionen Verträge. 2012 waren es noch 3,8 Prozent, die den Kunden gutgeschrieben wurden.

Kommentare zu "Der nächste Schlag für die Lebensversicherung"

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  • Ich kanns nicht mehr hören. Das HB drescht mittlerweile täglich auf die Lebensversicherer ein. Wegen einem Zins von über 3% Hallo? Liebes HB: Welche festverzinsliche Anlage bringt denn mehr? Ich bitte um Auskunft.

  • Lebensunterhaltungskosten, sie sind drastisch gestiegen. Eine Flaute kann niemand erkennen, es sei denn, daß die Nebenkosten ins Uferlose steigen. Dies gilt nicht nur für die Versicherungsnehmer, natürlich auch gleichermaßen für die Versicherungsgeber. Im Grunde muß sich ein jeder selbst im Griff haben. Die einen können es, die anderen nicht, ergo die allseits zweckgebundene Verunsicherung.

  • Es gehört zu recht eingedroschen auf die Lebensversicherer. Zuerst einmal gibt es diese Verzinsung nur auf den angesparten Teil, also erstmal wird jahrelang für die Provisionen bezahlt und es gibt nix. Danach entstehen hohe Kosten die vorher abgezogen werden. Am Ende steht eine Rendite von weniger als 1 Prozent - und das bei einer Garantieverzinsung von 3-4 Prozent, aber nur wenn alles glatt läuft. Also weg mit diesen Kapitalvernichtungsversicherungen, weil Inflation wird es auch in Zukunft geben.

  • Und die Tantenblätter der Republik werden nicht müde werden, die maroden Rechnungen der Lebensversicherer einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.
    Warum auch, nachdem man sich in Berlin im Heiabettchen von Verischerungskonzernen zu wähnen scheint.

    Was man in Berlin allerdings auch zu wissen scheint: 1 Wort der Allianz und dann wars das mit der Kanzlerschaft.

    Das zu lernen hatte die Allianz Gruppe nicht nur einen Weltkrieg lang Zeit.

    Dass sie immer noch nicht gelernt hat: je nun, das wird wohl noch 5-6 Wahlen dauern.

    Also: nicht Atem anhalten, sondern Atem behalten, bis man mit dem Nazi-Laden Allianz so etwas wie ein Einvernehmen herstellen kann und wenn, dann mal ausnahmsweise für die Versicherten und nicht gegen sie.

  • Wie bitte? Von unter 1%? Das haben selbst die angeblichen Verbraucherschützer noch nicht mal so weit runter rechnen können. Selbst wenn Sie Todesfallschutz, etc. einfach mal mit einbezogen haben und die möglihcst ungünstigsten Konstellationen angenommen haben. Sorry, aber ihr populistisches Gerede disqualifiziert Sie.

  • @Schuischel
    ....und das mit Recht....wer nach 25 jahren eine Verzinsung von 3 % bekommt ist doch n witz....dann noch die Änderung das künftig noch weniger aus den Anlagen ausgezahlt werden muß, zusätzlch noch versteuern, was da wohl rauskommt ist unter dem was ich eingezahlt habe. Das ist nach Abzug aller Kosten ein dickes Minus Geschäft. Die Alternative für mich , Edelmetalle, Bares in Form von Schweizer Franken, natürlich alles steuerfrei und anonym und Aktien. Wenn ich da nicht auf eine Rendite von 3 % komme habe ich es nicht besser verdient. Die andere Alternative: kaufe doch gleich die Allianz Aktien über die Jahre, mit stabiler Dividende und evtl Wertsteigerung auch da fährt man besser, aber der deutsche Michel kapiert nicht, das Versicherungsschutz und Kapitalanlage 2 paar Schuhe sind.

  • beim auto zahlen sie auch "provision" und nicht nur die reinen Marterialkosten, warum soll der Versicherungsberater ihr abschluß finanzieren. Wenn Sie Online abschließen haben sie meist nur 1/3 Provision und können so eher ansparen. Geiz iss geil

  • die LV ist doch keine Ansparprodukt, da empfehle ich Ihnen eher Quartalssparen der Postbank!

    Was wenn sie sterben? Die Sterbesumme ist wesentlich höher und dafür ist diese Produkt da. Versorgung der Hinterbliebenen!

    Voll das Stammtischgerede!

  • Mit einer europäischen Gemeinschaftswährung - egal wie sie auch heißen mag - wird sich das bescheidene Zinsszenario nicht mehr ändern. Der Werteverlust wird weiter fortschreiten - auch wenn man den EURO momentan politisch noch mit allen möglichen Phrasen und Schuldenaufstockungsmaßnahmen zu stützen versucht.
    Spanien bekommt wohl auch langsam Angst, daß sie nichts mehr aus dem EZB-Schuldentopf abbekommen könnten und fordert schon mal 40 Milliarden für ihre Pleite-Banken. Und was soll man sagen - Die Anleger reagierten positiv darauf, daß langsam immer mehr europäische Staaten sich immer mehr verschulden und verhalfen dem DAX zu fragwürdiger Stärke - Paradoxe Welt. Alle haben einen Arsch voll Schulden, wer läßt sich als nächster die Pampas wechseln von der EZB? Italien, Frankreich?
    Allein....es wird nichts nützen, man hat zu lange gezögert mit der Abschaffung einer Gemeinschaftswährung namens EURO!

  • Sehen Sie, und da ist der Hund begraben. Die Allianz Aktie z.B., welche Sie als geeignete Anlage sehen, hat im Jahr 2000 mal bei über 400 EUR gestanden. Sie hätten also, nehmen wir an, dass die Dividenden die Inflation und Kosten aufgefangen hätte, einen Verlust von 75% eingefahren. Also, ist es wirklich so leicht 3% dauerhaft zu erwirtschaften? Ich investiere seit mehr als 12 Jahre. Und ich sage Ihnen, dass es eben nur für manche ein Gewinn war. Für mich war es auch ein Gewinn. Aber meine Altersvorsorge nur darauf aufzubauen kommt mir nicht in den Sinn.

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