EU-Vermittlerrichtlinie
Mehr Rechte für Kunden

Seit dem 22. Mai müssen Versicherungsvermittler ihren Kunden offen legen, welchen Vermittlerstatus sie besitzen und welche Beratungsgrundlage sie verwenden. Ziel der Neuregelung: Der Kunde soll vor allem verstehen, ob und falls ja, wem gegenüber der Vermittler verpflichtet ist.

HB BOCHUM. "Für den Verbraucher kommt es entscheidend darauf an, zu wissen, ob er mit einem Vermittler zu tun hat, der ihn über Produkte eines breiten Spektrums von Versicherungsunternehmen oder über Produkte einer bestimmten Anzahl von Versicherungsunternehmen berät." So heißt es in einem der Erwägungsgründe zur EU-Vermittlerrichtlinie, die mit dem Gesetz zur Neuregelung des Versicherungsvermittlerrechts (Vermittlergesetz) umgesetzt wurde. Diese Anforderung trifft auf eine gelebte Praxis, in der sich große Finanzdienstleistungsvertriebe als unabhängig bezeichnen, obwohl sie als Versicherungsvertreter agieren oder Vermittler sich als Versicherungsmakler vorstellen, obwohl sie regelmäßig nur eine Hand voll Versicherer empfehlen.

Handelsrechtlich gibt es in der Welt der selbstständigen Versicherungsvermittler entweder Makler, die vom Kunden mit dem Abschluss und der Betreuung von Versicherungsverträgen beauftragt werden, oder Vertreter, die sich per Agenturvertrag verpflichten, einen oder mehrere Versicherer zu vertreten und diesen ständig Geschäft zuzuführen. Doch der Kunde musste in der Vergangenheit das glauben, was der Vermittler behauptete zu sein, überprüfen konnte er es nicht. Insider beklagen deshalb den Missbrauch von Bezeichnungen wie Vermögens- oder Wirtschaftsberater, Subdirektor und andere mehr, die den wahren Charakter der Tätigkeit verschleiern.

Das soll sich durch die Einführung der Gewerbeerlaubnis- und Registrierungspflicht gründlich ändern. Kunden können im Vermittlerregister feststellen, ob ihr Vermittler registriert wurde und in welcher Eigenschaft - spätestens jedenfalls ab 2009, wenn die Übergangsregelung für Altvermittler abgelaufen ist. Im Internet finden Kunden das Vermittlerregister unter www.vermittlerregister.info. Doch Fragen bleiben weiter offen. Nach Paragraph 34d Absatz 1 der Gewerbeordnung (GewO) können Vermittler entweder als Versicherungsmakler oder als -vertreter eine Erlaubnis erhalten. Ob es sich beim Vertreter aber um einen Einfirmen- oder einen Mehrfachvertreter handelt, der zumindest eine beschränkte Auswahl für den Kunden treffen kann, erfährt er dort nicht.

Dazu kommt, dass es bei der Zulassung weit mehr Ausnahmen als den Regelfall gibt. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft stehen 7 000 Maklern und 3 000 Mehrfachvertretern rund 76 000 haupt- und weit mehr als 300 000 nebenberufliche Vertreter gegenüber. Die werden meist als "gebundene Vertreter" nach Paragraph 34d Absatz 4 der GewO oder als produkt-akzessorische Vermittler nach Paragraph 34d Absatz 3 der GewO ohne eigene Gewerbeerlaubnis eingetragen. Welche Versicherer diese vertreten, oder welche Qualifikation sie besitzen, darüber wird der Kunde weiterhin im Unklaren gelassen.

Umso entscheidender ist deshalb die Mitteilung zur Beratungsgrundlage nach Paragraph 42b des Versicherungsvertragsgesetzes. Stellt sich ein Vermittler als Versicherungsmakler dar, hat er weitgehende Pflichten wie eine objektive Marktuntersuchung und eine an den Interessen des Kunden orientierte Vertragsauswahl zu erfüllen. Alle anderen müssen offen legen, welche Versicherer sie vertreten, und ob sie dies ausschließlich tun. Außerdem müssen sie darstellen, welche Versicherer sie in ihre Beratung einbezogen haben. Nur so erfährt der Kunde, wie sehr der Vermittler an die Interessen derjenigen Versicherer gebunden ist, die er empfiehlt.

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