Experten halten Sätze unter 14 Prozent noch in diesem Jahr für möglich
Kassenbeiträge sollen 2005 massiv sinken

Die Barmer Ersatzkasse hat massive Beitragssenkungen bei allen gesetzlichen Krankenversicherungen angekündigt. "Ich gehe davon aus, dass der Durchschnittsbeitrag noch dieses Jahr unter 14 Prozent sinkt", sagte Barmer-Chef Eckart Fiedler – derzeit liegt er bei 14,2 Prozent.

pt BERLIN. Zum 1. Januar 2005 rechnet Fiedler mit "deutlicheren Rückgängen auf 13,6 Prozent und weniger". Grund dafür ist, dass ab Januar der Zahnersatz nicht mehr über den allgemeinen Beitrag finanziert, sondern separat versichert werden muss. Den Pauschalbeitrag für die neue Zahnersatzversicherung in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bezifferte Fiedler auf 6,70 Euro.

Die Barmer, größte deutsche Krankenkassen, hat das erste Halbjahr mit einem Überschuss von 291 Mill. Euro nach einem Plus von 160 Mill. Euro im ersten Quartal abgeschlossen. Bei der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) hat sich der Überschuss gegenüber dem ersten Quartal von 23,4 Mill. auf 66 Mill. Euro fast verdreifacht. Bei der DAK lag der Überschuss bei über 200 Mill. Euro. "Ähnlich sieht es bei allen Kassen aus," sagte Fiedler dem Handelsblatt. Allerdings haben die meisten Kassen ihre Halbjahresrechnung noch nicht abgeschlossen. Offizielle Zahlen sollen Anfang September vorgelegt werden.

Die Daten belegten, dass die Gesundheitsreform wirke. Die Kosten seien besonders stark in Bereichen gesunken, wo die Reform mit Zuzahlungen, Leistungsausschlüssen oder Praxisgebühr ansetze. So gingen die Arzneimittelausgaben bei der Barmer um 9,7 Prozent zurück. Für ärztliche Behandlung wurden 4,7 für Zahnbehandlung 2,5 Prozent weniger ausgegeben.

Zum 1. August haben jedoch acht Kassen, darunter sieben Betriebskrankenkassen (BKK) ihren Beitrag erhöht. Eine Kasse senkte den Beitrag. Grund für die Erhöhungen sind die Ausgleichszahlungen, die die BKKen zur Sanierung der BKK für Heilberufe leisten müssen. Drei weitere Erhöhungen stehen daher auch zum 1. September an. Den Betriebskrankenkassen geht die Gesundheitsreform nicht weit genug. Sie fordern eine stärkere Selbstbeteiligung der Patienten. Die Gesetze reichten nicht aus, sagte der Chef des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen, Wolfgang Schmeinck, der "Süddeutschen Zeitung". Zur Not müsse man Leistungen begrenzen.

Beim neuen Zahnersatztarif planen viele Kassen Zusatzangebote. So bereitet die Barmer einen Tarif vor, der bis zu 80 Prozent der privatzahnärztlichen Kosten abdeckt und mit altersunabhängigen Gesamtkosten von 12 bis 13 Euro unter den bisherigen Konkurrenzangeboten der privaten Krankenversicherungen liegt. Dagegen liegt der Zahnersatzvollschutztarif der Allianz für eine 30- jährige Frau bei über 29 Euro, für einen Mann bei 21,54 Euro. Im Alter wird es noch teurer. Trotzdem wurden seit April bereits 40 000 dieser Versicherungen abgeschlossen. Viele Versicherte glaubten zu Unrecht, sagte Fiedler, dass es ab 2005 keine gesetzliche Versicherung für Zahnersatz mehr gebe.

Quelle: Handelsblatt, 13.08.2004

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