Finanzdienstleistungen

Revolution auf dem Versicherungsmarkt

Die Bundesregierung regelt die Honorarberatung bei Finanzdienstleistungen neu. Das könnte die Vergütung der Versicherungsmakler und gebundenen Vermittler auf den Kopf stellen, sagt ein Experte.
8 Kommentare
Die Regierung will die Provisionsreglung auf dem Versicherungsmarkt ändern. Quelle: dpa

Die Regierung will die Provisionsreglung auf dem Versicherungsmarkt ändern.

(Foto: dpa)

BerlinDie von der Bundesregierung initiierte Regelung für die Honorarberatung bei Finanzdienstleistungen könnte das provisionsgetriebene Geschäftsmodell der deutschen Versicherer aus den Angeln heben – mit entsprechenden negativen Folgen für die Vergütung der rund 42.000 Versicherungsmakler und rund 150.000 gebundenen Vermittler in Deutschland. Davon ist zumindest der renommierte Berliner Versicherungsprofessor Hans-Peter Schwintowski überzeugt.

Nach Vorstellungen von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sollen Honorarberater nicht nur beraten können - das entspricht dem Status quo - sondern sie sollen künftig auch Produkte vermitteln können. Mögliche Provisionen müssen sie dann an die Kunden weiterleiten. Wenn diese Vorstellung Schule mache, stehe das provisionsgetriebene Geschäftsmodell der Versicherer am Scheideweg, sagte Schwintowski am Montag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Nach den Eckpunkten für eine gesetzliche Regelung des Berufsbildes für Honorarberater müssen Produktanbieter wie beispielsweise Allianz oder Axa auf Anfrage der Honorarberater ihre Produkte zu Nettotarifen anbieten oder im Produkt enthaltene Abschluss-/Vermittlungsprovisionen offenlegen. Das würde sich im Markt herumsprechen – und Makler und Vertreter würden diesen Trittbrettfahrerwettbewerb nicht lang durchhalten, vermutet Schwintowski. Am Ende würden alle Vertriebspartner das Produkt zum Nettopreis bekommen und ihre Provision frei mit dem Kunden aushandeln, glaubt Schwintowski. Das wiederum werde auch zu einem schärferen Wettbewerb unter den Produktanbietern führen.

Ob die Verbraucherministerin mit all diesen Konsequenzen ihrer Initiative gerechnet hat, ist nicht klar. Mittlerweile haben das Bundesfinanz- und das Bundesjustizministerium signalisiert, dass sie im Bereich Honorarberatung auch einen Regelungsbedarf sehen. Ob es dazu ein spezielles Gesetz geben wird oder Einzelheiten in bereits bestehenden Gesetzen geregelt werden, ist nicht klar. Für die Bundesverbraucherministerin ist wichtig, dass der Kunde weiß, wen er vor sich hat, einen Berater oder einen Verkäufer. Wenn ein Berater auf Provisionsbasis arbeite, ist das für Aigner „völlig legitim“, der Kunde müsse es nur wissen. Es könnte nur sein, dass diese Provisionsbasis bald erodiert.

  • fmd
Startseite

Mehr zu: Finanzdienstleistungen - Revolution auf dem Versicherungsmarkt

8 Kommentare zu "Finanzdienstleistungen: Revolution auf dem Versicherungsmarkt"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Warum müssen wir Finanzdienstleister uns ständig dafür rechtfertigen, dass wir mit unserer Arbeit auch Geld verdienen.Ein Herrenhaarschnitt bei meinem Frisör kostet 13Euro.Wieviel kommt davon bei meinem Frisör an? Muss ein Küchen -, Möbel - , oder Autoverkäufer seinen Verdienst offenlegen ? NEIN !!
    Muss er Ihn zurückzahlen, wenn mir die Küche, das Sofa, oder das Auto ein Jahr später nicht mehr gefällt und ich alles verkaufen möchte? NEIN !!
    Hier mal etwas interessantes:http://www.nebeneinkuenfte-bundestag.de/auswertungen/
    Die Menschen ( auch Politiker )sollten endlich begreifen, dass Dienstleistung Geld kostet.
    Ich lade jeden gerne ein, mit mir eine Woche zu arbeiten. Viele wären erstaunt was es heißt Dienstleister zu sein !! So,und jetzt gehe ich GELD verdienen, viel GELD. Habe noch ein Kundentermin:-)!!Es ist übrigens 18:21. Die meisten sitzen mit Ihrer Familie bereits beim Abendessen.

  • Die Provisonsvertuscherei ist doch nur deshalb, weil kein Vertreter den Mut hat, selbstbewußt seine Beratungsleistung in Rechnung zu stellen. Würde dies geschehen, so wäre der Abschlußdruck weg und jedes Gespräch (auch ohne Abschluß) müßte vom Kunden bezahlt werden. Wo ist das Problem? Ein Anwalt stellt auch eine Rechnung - auch wenn er verliert.... .

  • Das 1x1 der Volkswirtsdchaft. Geld muß fließen! Der Kunde zahlt die erforderlichen Honorare nicht aus eigenem Portemonnaie. Eine Versicherung gibt es nicht. Wer Rechtsschutz hat geht zum Anwalt und dieser Berufsstand ist auch nicht mehr der, der er einmal war. Genau so geht es dann den Vermittler an den Kragen. Nur die alt eingesessenen verdienen und die regen unsere Volkswirtschaft nicht mehr an. Gute Regelung. Weiter so Deutscheelande.

  • Provisionshai
    Ich findes es gut daß da mehr Transparenz reinkommt
    weiter so .Wir haben ein massiv überdimensioniertes Finanz
    wesen daß sich in teilweise Parasitärer Art und Weise
    von der Realwirtschaft bedient.

  • Die Bundesregierung will das die Abschlußkosten des Maklers oder Vetreters offen gelegt werden sollen, obwohl das nur ein geringer Teil der Gesamtkosten eines Versicherungsprodukts sind! Es sollten jedoch lieber die Gesellschaften verpflichtet werden Ihre Kosten, die Sie ja eigentlich lt. Gesetz ausweisen müssen, richtig auszuweisen! Es gibt zuviele versteckte Kosten die eine Versicherungspolice unrentabel machen. Dann lieber zu einen echten Honorarberater der ein Kostenoptimiertes Produkt empfiehlt - da weis man wenigstens was man hat!

  • Man solle die Privisonsvergütungen Komplett verbieten!!! Ob Auto, Küchenblock, Bohrmaschiene, oder Brötchen egal, jedes Produkt, sprich jeder Verkäüfer soll verpflichtet werden einen Netto bzw. EK Einkaufspreis beim Verkauf einzuzeigen.
    Denn im Prinzip weis ja jeder, dass keiner Umsonst arbeitet. Nur ob bei der Bank, Versicherung, oder Baumarkt wird ja nur der Endpreis genant und wer und wie viel dabei verdient kann man gar nicht abschätzen....
    Seit Jahren wird ja immer wieder über die Versicherungsvermittler und deren Provisionshöhen heftig diskutiert und es soll ja schlimm klingen! Wie z.B. Aussage des Reporters von F.S. Fakt: für einen Riestervertrag bekommt ein Verträter bei Ergo mehr als 7000€ und bei der Allianz sogar mehr als 9000€.... Woher sollchen Summen gehollt werden???
    Andersrum, Tausende gehen zu einem Makler und wissen, das beim Zustandekomemmen eines Kaufs bzw. Mietvertrages einiege Tausend Euros sofort fällig sind.
    Wichtig, man soll es entweder für alle oder für keinen machen.

  • Anscheinend haben Menschen wie Herr Schwintowski und Frau Aigner die überzogene Vorstellung, dass allen Versicherungsmaklern und gebundenen Vermittlern die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass auf dem Verdienst bzw. Provisionsmodell dieser Berufsgruppe so viel herum geritten wird.
    Gerne bin ich bereit, dass Frau Aigner oder Herr Schwintowski 4 Wochen lang meinen 12 Stunden Arbeitstag und meine täglichen,abendfüllende Termine begleiten, um sich einmal selber ein Bild machen zu können wie arbeitsintensiv das Provisionsmodell ist.
    Michael W., freier Berater

  • Man muß sich fragen, ob die intelektuelle Ausstattung unserer Verbraucherschutzministerin dazu angetan ist, dieses Amt aus zu füllen. Jeder weiß, daß ein Versicherungsagent sein Geld mit dem Vertrieb von Versicherungsverträgen verdient, zu deren Abschluß er im Vorfeld berät. Der Eine besser, der Andere schlechter.Kein Mensch unterstellt, daß sich der Versicherungsagent oder der Versicherungsmakler aus Jux und Tollerei stundenlang hinsetzt - außer Ilse Aigner, die glaubt, man müsse dem Kunden das Triviale im Vorfeld breit auseinandersetzten. Gesetzliche Regelungen hin oder her, letztlich steht und fällt die Qualität der Beratung mit der Intelligenz und Integrität des Beraters, bedes Dinge, die man bei Politikern nicht zwangsweise voraussetzen kann. G. KUON (Versicherungskaufmann IHK) - KUON ASSEKURANZ, München

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%