Finanzkonzerne kassieren Sparer bei Altersvorsorgeverträgen ab
Staatsgeschenk für den Vertreter

Die vom Staat alimentierten Riester-Verträge sind für die Branche ein lohnendes Geschäft geworden. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Riesterprodukte Ladenhüter waren. Doch da die Berater zuerst auf ihre Provision schauen, lohnen sich viele Verträge trotz Staatsgeschenk am Ende für den Sparer kaum.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Astrid Schubert ist irritiert. Zwei Herren kommen auf sie zu. Mit dem einen hat sie gerechnet - Thorsten Meier, Kundenbetreuer bei der Deutschen Bank. Mit ihm hatte Schubert einen Termin in der Filiale ihrer Bank vereinbart, um ihr Girokonto von Leverkusen nach Köln zu übertragen. Eine Sache von fünf Minuten; ein Formular, zwei Unterschriften - Kleinkram für Banker Meier. Aber was will der leicht untersetzte, schnauzbärtige Herr im etwas zu engen Anzug von ihr?

Als Franz Huberti (Hinweis der Redaktion: Alle Namen wurden geändert) stellt er sich vor, selbstständiger Finanzberater im Auftrag der Deutschen Bank. Einen ganzen Stapel Unterlagen samt Ordner trägt er mit sich. Er will mit Schubert über ihre private Altersvorsorge reden; darüber, dass der Staat Prämien für sogenannte Riesterprodukte locker macht. Ein lohnendes Geschäft, sagt Huberti. Meier nickt. Schubert ist irritiert.

Szenen wie diese spielen sich tausendfach in deutschen Bank- und Sparkassenfilialen ab. Die vom Staat alimentierten Riester-Verträge sind für die Branche ein lohnendes Geschäft geworden. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Riesterprodukte Ladenhüter waren. Zwölf Millionen Deutsche sparen mittlerweile mit Riester für einen möglichst sorgenfreien Ruhestand. Ende 2005 waren es gerade mal vier Millionen. Um den Vertrieb anzufeuern, haben die Anbieter die Provisionen zuletzt kräftig angehoben. Je nach Vertrag sind mehr als 2 000 Euro für die Berater drin. Versicherungen und Fondssparpläne sind besonders beliebt - da sind die Provisionen am höchsten. Banksparpläne dagegen werden kaum angeboten. Daran wird nicht genug verdient.

"Natürlich schaut man bei den Produkten zuerst auf die Provisionen. Das ist kein Geheimnis", sagt ein selbstständiger Finanzberater. So kommt es, dass sich trotz Staatsgeschenk am Ende viele Verträge für den Sparer kaum lohnen.

154 Euro zahlt Vater Staat jedem Sparer im Jahr, wenn dieser vier Prozent seines Bruttolohns, maximal jedoch 2 100 Euro in einen Riesterplan einzahlt. Für junge Familien gibt es Kinderzulagen obendrauf. Außerdem können die Beiträge von der Steuer abgesetzt werden. Doch bei manchen Produkten sind die Gebühren höher als die Geschenke vom Staat: Laut einer Rechnung der Verbraucherzentrale Württemberg bekommt eine 28-Jährige, die 35 Jahre lang den derzeitigen Höchstbetrag von 2 100 Euro einzahlt, insgesamt 23 000 Euro aus staatlichen Fördermitteln geschenkt. Mehr als 40 000 Euro werden aber im schlimmsten Falle von den Gebühren aufgefressen. Kein Wunder, dass Kunden zu jeder Gelegenheit eine Renten-Beratung angedient wird - gleich, ob sie danach gefragt haben oder nicht.

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