Flugzeugversicherung

Wer trägt die Kosten für die Katastrophe?

Ein Flugzeug ist wie ein Auto versichert. Die Kaskoversicherung zahlt für den Ersatz der Maschine, die Haftpflicht übernimmt „Personenschäden“. Mit allzu viel Geld dürfen Angehörige von Verunglückten aber nicht rechnen.
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Flugzeugunglück: Was zahlen Versicherungen?

FrankfurtEntsetzen über die Hintergründe des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen: Der Copilot steuerte den Airbus A320 nach Erkenntnissen der Ermittler absichtlich in eine Felswand und riss 149 Menschen mit in den Tod. Hauptversicherer der Maschine ist die Allianz-Tochter Allianz Global Corporate & Speciality (AGCS). Der gesamte finanzielle Schaden wurde noch nicht beziffert.

Im Grunde ist ein Flugzeug wie ein Auto versichert. Einerseits gibt es die klassische Kaskoversicherung für das Verkehrsmittel und die Haftpflichtversicherung für Personenschäden. Die Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben. Wenn Angehörige von Opfern eines Flugzeugunglücks Schadenersatzforderungen stellen, reicht die Fluggesellschaft diese an die Versicherer weiter. Die Kosten werden deshalb in der Regel komplett von den Versicherern übernommen, die Airline selbst muss nur Soforthilfe an die Hinterbliebenen leisten.

In der Regel ist eine große Passagiermaschine mit etwa 100 Millionen Euro versichert. Dieser Wert liegt leicht über dem Marktwert von Flugzeugen neueren Modelltyps. Die Germanwings-Maschine war allerdings schon 24 Jahre und daher nur noch etwa 6,5 Millionen Dollar wert.

Die Haftpflichtversicherung für die Passagiere macht dagegen in der Regel ein Vielfaches der Kaskoversicherung aus. Allerdings übernimmt nie ein einzelner Versicherer die Risiken allein, sondern es gibt immer einen „Pool“ von Firmen, um die potenzielle Last auf mehreren Schultern zu verteilen. Erstversicherer reichen solche großen Risiken meistens zum Teil an Rückversicherer weiter.

So auch bei der Unglücksmaschine 4U 9525. Neben dem Hauptversicherer Allianz gehörten zum Versicherer-Konsortium auch der Talanx-Konzern. Zu ihm gehören die HDI Gerling und die Hannover Re, an die einige Teile der Risiken übergeben wurden. Das erfuhr das Handelsblatt von mehreren Personen, die mit der Sache vertraut sind.

Wie viel die Haftpflichtversicherung pro verunglücktem Passagier auszahlt, variiert von Land zu Land. Als besonders teuer gelten US-Passagiere, weil in den USA recht hohe Schadenersatzklagen geltend gemacht werden können; erst recht, wenn der Fluggesellschaft Fehler oder Fahrlässigkeit nachgewiesen werden können.

Mit dem Warschauer Abkommen über die Beförderung im internationalen Luftverkehr von 1929 wurde einst versucht, Standards einzuführen. Damals wurde die Haftungsgrenze pro Passagier auf 75.000 US-Dollar begrenzt, unabhängig von der Frage, ob die Fluggesellschaft schuld war oder nicht. Das Abkommen gilt inzwischen aber als überholt und wurde mehrfach durch neue Verträge ergänzt.

Rund 100.000 Euro pro Passagier
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11 Kommentare zu "Flugzeugversicherung: Wer trägt die Kosten für die Katastrophe?"

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  • Warum werden die aufgezeichneten Live-Daten im Flugzeug (Voice / Data, beider Rekorder aller Flüge weltweit) nicht in eine Cloud der Luftfahrtbehörden (zusätzlich) gestreamt ? An der aufwändigen Suche nach den Rekordern nach Luftfahrtunfällen scheitert oft eine zeitnahe Aufklärung und fördert so Spekulationen über Ursache und Hergang, von der psychischen Belastung der Hinterbliebenen von Opfern durch Zeitverzug ganz zu schweigen. Technisch dürfte das m.E. kein Problem sein - telefonieren im Flugzeug geht ja auch. Die Datenmenge der Protokollaufzeichnung ist sicherlich auch überschaubar.

  • Warum wird nicht mal der ökonomische Verlust berücksichtigt? Z.B. wenn ein Familienversorger 50.000 EUR im Jahr verdient und erst in 20 Jahre in die Rente geht, dann ist sein Verlust für die Familie mit mindestens 1 Million EUR zu beziffern (Inflationsausgleich, Gehaltsanstieg oder Schmerzesgeld nicht eingerechnet).

    Mit welcher Logik wollen die Versicherungen darstellen, dass dieser Verlust mit 100.000 EUR (also 2-Jahreseinkommen) beglichen sein soll? Da hält das Kartell der (Rück-)Versicherer mit irrationalem und lediglich symbolischem Schadensersatz zusammen, der endgültige Verlierer sind die Opfer und ihre Angehörige.

  • Soll das jetzt ein Witz sein??

    Das einzige was hier sachbezogen ist:

    Das amerikanische Sicherheitssystem ist ursächlich für das AUSSPERREN des
    Kapitäns, das letztlich zum Absturz geführt hat.

    Dürfen amerikanische Entsccheidungen nicht in Frage gestellt werden??

  • "Werden Streitfragen vor Gericht geklärt, kann es sogar zehn Jahre dauern."

    Das wäre schnell. Es ist mir ein Streitfall vor einem Sozialgericht bekannt, dass in die Berufung ging. Im Kern ging es um ca. 100 Seiten, die in der ersten Instanz mit einem Urteil nach 2 1/2 Jahren abschloss und das Berufungsverfahren nach weiteren 3 Jahren.

    Die Problematik lag darin, dass die Berufsgenossenschaft eine Unfallanzeige ca. 7 Jahre ins Archiv statt in die Bearbeitung verbannte und untätig blieb. So konnte es im Urteil aber nicht dargestellt werden. Deshalb verwehrte die Berufungsinstanz die Berufung (LSG 2 U 167/09, Az.: L 2 U 167/09).

    Es ist unerhört, was sich bei den Gerichten abspielt. Es muss nicht immer ein Fall Mollath sein. Er scheint aber den Querschnitt gut aufzuzeigen. Was er besonders gut darstellte, war die gegenseitige Rückendeckung der Institutionen.

    Die Hinterbliebenen sollten sich auf das Schlimmste einstellen.

    Rechtsstaat und Rechtssicherheit? Wo?

  • "Als besonders teuer gelten US-Passagiere, weil in den USA recht hohe Schadenersatzklagen geltend gemacht werden können; erst recht, wenn der Fluggesellschaft Fehler oder Fahrlässigkeit nachgewiesen werden können."

    Ich habe den Eindruck, dass zuerst die verunglückten Flugzeuginsassen vor Gericht erscheinen und aussagen müssen und die ersparten Kleiderkosten sowie die ersparten Ernährungskosten bis zum Tod gegengerechnet werden.

    Gibt es noch eine perversere Herangehensweise an das Thema.

    Da muss man doch davon ausgehen, dass die Inkaufnahme von Todesfälle zur kostengünstigeren Variante erscheint. Da sind die us-amerikanischen Gerichte konsequenter und pragmatischer.

    Daraus folgt letztlich der Schluss, dass man sich überlegen soll, ob man in ein deutsches oder amerikanisches Flugzeug steigen soll.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @Never Mind

    Genauso, zunächst Fakten sammeln, dann in Ruhe betrachten und, wenn man sich ganz sicher ist, kann man seine Schlüsse ziehen und bekannt geben.

    Momentan wird der Mob erst heiß gemacht, mit vielen dämlichen und manchen schlauen Statements zugemüllt und dann muss natürlich auch schnell ein Schuldiger ausgemacht werden.

    Wo bleiben denn jetzt die Vertreter der Pilotengewerkschaft Cockpit??? Wenn Leute über den Alltag im Cockpit berichten können, dann sind es doch die Piloten, oder? Die Meinung von kompetenten Luftfahrtingenieuren habe ich zu dem Thema jetzt auch weder gelesen noch gehört.

    Also Leute, gegen den Strom zu schwimmen kann zwar sehr anstrengend sein, man verhindert aber so, irgendwann an einem Wasserfall anzukommen, der einen ziemlich unwirsch in die Tiefe reißen kann.

  • @Behrendt
    "Wo ist da die Zuständigkeit eines US-Gerichtes?"
    Schätze das werden dann die US- Anwälte und Richter der LH recht deutlich erklären!
    Wetten?

  • Geld, Geld, Geld. Priorität in diesem Moment sollte komplette Aufklärung sein. Momentan ist das ja, meiner Meinung nach, noch etwas wackelig,(es fehlt ja auch noch die zweite Black Box die die Flufdaten beinhaltet.. Vorher haben eventuelle Ankläger ja sowieso keine guten Karten. Danach Umsetzung von Masnahmen dass sich solch etwas nicht wiederholt.

  • So einfach darf man sich das nicht vorstellen:
    US Bürger = hoher Schadensersatz.
    Wenn das Ticket in Europa gekauft wurde, die Fluglienie in Europa ihren Sitz hat, der Flug innereuropäisch war, wo ist da die Zuständigkeit eines US-Gerichtes?

    Die Lufthansaaktie hat wegen des Absturzes 450m Euro an Wert verloren. Die von der LHA zu tragenden Kosten werden weniger als 100m sein. Fazit: LHA Aktie = Kauf.

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