Folge der Abgeltungsteuer
Renaissance der Lebensversicherung

Mickriger Garantiezins, hohe Kosten: Lohnt sich eigentlich eine Lebensversicherung noch? Diese Frage stellten sich viele Anleger und Finanzexperten. Bis die Abgeltungsteuer beschlossen wurde. Jetzt sehen die Rechnungen anders aus. Doch niemand sollte sich blenden lassen.
  • 0

Mindestens 460 000 neue Freunde dürfte sich Finanzminister Peer Steinbrück mit der neuen Abgeltungsteuer gemacht haben: die Policenverkäufer der deutschen Versicherungswirtschaft, die in den vergangenen zwei Jahren schon gar nicht mehr wussten, wie sie ihren Kunden den Kauf einer Lebensversicherung noch schönreden sollten. Steuerprivileg seit 2005 einkassiert, Garantiezins auf 2,25 Prozent gesenkt – nein, das klingt nicht sexy, schon gar nicht, wenn gleichzeitig die Börse brummt und es inzwischen selbst für Tagesgeld wieder drei Prozent Zinsen gibt.

Um neun Prozent ist der Verkauf der Versicherungspolicen allein von Januar bis September dieses Jahres eingebrochen. Aber dann kam Peer Steinbrück. Der Finanzminister setzte durch, dass von 2009 an auf alle Kapitaleinkünfte 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer fällig sind. Auf fast alle Kapitaleinkünfte. Für Lebensversicherungen gilt: Wird der Vertrag nach frühestens zwölf Jahren Laufzeit und nach dem 60. Geburtstag auf einen Schlag ausgezahlt, ist wie bisher nur der individuelle Steuersatz auf die Hälfte der Gewinne fällig. Wird die Summe verrentet, gilt das nur für den niedrigeren Ertragsanteil.

Und dann kam auch noch Brigitte. Brigitte Zypries. Die Bundesjustizministerin machte sich in diesem Monat 460 000 Feinde und Millionen Freunde. Sie setzte durch, dass alle Lebensversicherte mit dem neuen Versicherungsvertragsgesetz ab Januar zur Hälfte an den stillen Reserven der Unternehmen beteiligt werden müssen. Die Höhe richtet sich nach der Vertragslaufzeit und den Einzahlungen. Am Ende der Laufzeit fließt das Geld.

Das Pro: Beides macht Lebensversicherungen wieder für diejenigen interessanter, die es sicher und bequem mögen – aber dafür bereit sind, auf Rendite zu verzichten. Heide Härtel-Herrmann, unabhängige Finanzberaterin aus Köln, bringt das Contra ins Spiel: "Eine Kapitallebensversicherung erübrigt sich, wenn der Todesfallschutz separat mit einer eigenständigen Risikolebensversicherung oder in Verbindung mit einer Berufsunfähigkeitspolice abgeschlossen wird. Für den Vermögensaufbau stehen dann viele, möglicherweise lukrativere und modernere Konzepte zur Verfügung. Davon gibt es heutzutage eine riesengroße Vielfalt."

Seite 1:

Renaissance der Lebensversicherung

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Folge der Abgeltungsteuer: Renaissance der Lebensversicherung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%