Fondswechsel
Riester-Fonds verärgern ihre Anleger

Weil es auf dem Aktienmarkt derzeit zu turbulent zugeht, müssen viele Anbieter ihre Fonds auf sichere Anlagen umschichten. Das verärgert viele Anleger, die auf höhere Renditechancen gehofft hatten. Einige bekommen darum die Chance, ihren Riester-Vertrag zu wechseln.

FRANKFURT. Die Fondsgesellschaft Union Investment geht nach dem Ärger um ihr Riester-Produkt in die Offensive: Der Marktführer für Fondsverträge für die Riester-Rente, der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge, bietet einem Teil seiner Kunden jetzt einen internen Vertragswechsel an - zurück in eine aktienbasierte Riester-Rente.

Diese Rücktausch-Aktion richtet sich an Kunden, deren angespartes Kapital, das ursprünglich über das Union-Riester-Produkt in einem globalen Aktienfonds angelegt wurde, infolge der Marktturbulenzen von Union in einen Rentenfonds umgeschichtet wurde. Hintergrund: Das genossenschaftliche Fondshaus, das wie alle Riester-Anbieter nach dem Gesetz eine Garantie auf gezahlte Beiträge und staatliche Zulagen leisten muss, sorgte nach dem schlechten Aktienjahr und sinkenden Kapitalmarktzinsen vor, um die Garantie nicht zu verfehlen. Werden bestimmte Schlüsselgrößen unterschritten, wird das Riester-Kapital automatisch aus dem Aktien- in einen Rentenfonds umgeschichtet, hier traf es vor allem Kunden ab 40 Jahren. Damit realisierten diese quasi Buchverluste im Depot und setzen nun - da das Kapital nicht zurück transferiert wird - auf langfristig meist geringere Renditechancen mit Anleihen. Wohl auch, weil die Union aber ihre Riester-Rente mit den Chancen mit Aktien bewirbt, beschwerten sich viele Kunden.

Andere größere Anbieter wie die DWS haben in einem Produkt vorübergehend umgeschichtet. In ihrem zweiten Riester-Produkt investiert die DWS wie auch die Deka generell stärker in Rentenfonds als die Union; daher hielten sie ein Umschichten in der Krise für unnötig.

Bei der Union wurden gut 400 000 Depots der 1,7 Mio. Riester-Kunden umgeschichtet. Die Union versuchte, das Thema mit einer Forsa-Umfrage in den Griff zu bekommen, derzufolge nur rund vier Prozent der Betroffenen unzufrieden waren. "Die allermeisten betroffenen Kunden waren froh, dass ihr Kapital in der Krise gesichert wurde", sagt Klaus Riester, Geschäftsführer und Leiter Vertrieb bei Union Investment. Ohnehin blieben die Anleger in Aktien investiert, da für die neuen Beiträge wieder Aktienfondsanteile gekauft würden.

Gleichwohl bietet die Nummer eins bei Fonds-Riester-Rente mit einem Marktanteil von gut 71 Prozent seit etwa zwei Wochen den Rücktausch in Aktien an: Wer mit seinem neuen Renten-Anteil unzufrieden ist, kann den Vertrag kündigen und das Kapital über einen neuen Vertrag kostenfrei wieder voll in den Aktienfonds anlegen. Allerdings gilt die Garantie dann nur noch für das jetzt vorhandene Vermögen. Union rät daher auch vom Tausch ab. Bislang nehme nur eine "Hand voll Kunden" das Angebot wahr, sagt Riester. Experten wie Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, finden die Option gut: "Anleger können wieder zurück in Aktien und bis zur Rente die Chance auf höhere Renditen wahrnehmen." Die Zeitschrift Finanztest errechnete, dass die Umschichtung eines Union-Vertrages nach sechs Jahren Laufzeit die Rendite um gut ein Fünftel drückt.

Die Kapitalgarantie frisst ohnehin mindestens einen halben Prozentpunkt Rendite pro Jahr, wie Wissenschaftler ermittelt haben. Das bedeutet laut Nauhauser für einen Riester-Fondssparer, der noch 35 Jahre vorrangig in Aktienfonds einzahlt, dass er rund zehn Prozent weniger Rente bekommt. Je höher aber die Kosten, etwa durch dynamische Modelle oder Vertrieb, desto stärker sinke die Rendite, sagt Nauhauser. Er rät daher Sparern mit Neigung zu Aktien zu Verträgen mit hoher Aktienquote wie der "Uni Profirente" von Union, die generell bis kurz vor Rentenbeginn ein reines Aktienfondsdepot ermöglicht, oder der "Top-Rente" der Deutsche-Bank-Tochter DWS, die auch einen relativ hohen Aktienanteil über ein statisches Modell fährt. Wer Sicherheit wolle, solle dagegen einen Banksparvertrag oder ein Wohn-Riester-Darlehen abschließen. Die am Markt dominierenden Riester-Rentenversicherungen hält er dagegen meist für zu teuer. Das meint auch Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten, der die Umschichtung der Union aber begrüßt. "Der Kunde hat Anspruch auf die Kapitalgarantie. Wenn dafür eine Umschichtung nötig ist, ist das im Sinne der Anleger."

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