Was Vergreisung für Anleger bedeutet

Gastbeitrag
Was Vergreisung für Anleger bedeutet

Anlageblasen sind nicht auszuschließen

Fehlt es dem Privatsektor an Anlagemitteln, lässt die Wirtschaftstätigkeit nach. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wächst langsamer, wie sich bereits in einigen europäischen Ländern zeigt.

Eine Kreditklamme führt dazu, dass die Zentralbanken ihre Leitzinsen senken, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Kurzfristig spricht zwar einiges für diese Taktik, da sie zum Anlegen ermutigt und die Hypothekenzinsen sowie die Refinanzierungskosten in Schach hält.

Längerfristig ist dieses Vorgehen aber nicht unumstritten, da die Marktkräfte sich nicht unbedingt in den Preisen niederschlagen. Anlageblasen sind nicht auszuschließen, wie der Immobilienboom in Großbritannien, Irland und Spanien und der anschließende Einbruch der Preise belegen.

Die spontane Reaktion auf eine solche Situation dürfte darin bestehen, an niedrigen Leitzinsen festzuhalten. Langfristig kann dies jedoch nicht nachhaltig sein. Die zweite Option wäre Inflation. Das ist ebenfalls unhaltbar und vielleicht noch unhaltbarer als die erste Möglichkeit, da sie zu einer Verteuerung des Schuldendienstes führt. Bei der heutigen Finanzlage zahlreicher Staaten ist dieses Vorgehen inakzeptabel. Zudem widerspricht es den Inflationszielen der europäischen Notenbanken.

Doch auch hierfür gibt es Präzedenzfälle: Nach den wirtschaftlich überaus erfolgreichen 1980er Jahren erlag Japan einer Krise, an der das Niedrigzinsumfeld und die Bevölkerungsalterung nicht unbeteiligt waren. Die Immobilien- und Aktienkursblasen platzten zu Beginn der 1990er Jahre, die Wirtschaft brach ein.

Eine lange Stagnationsphase folgte. Über zwanzig Jahre lang konnte Japan ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 4,6 Prozent pro Jahr aufweisen. Ab 1990 fiel es auf bloße 0,9 Prozent und hielt sich die nächsten zwanzig Jahre auf diesem Niveau.

Im Jahr 1990 erreichte auch das Verhältnis zwischen den Rentnern und der Erwerbsbevölkerung in Japan seinen Tiefststand. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wuchs zwar noch einige wenige Jahre weiter, Mitte der 1990er Jahre aber setzte ein stetiger Rückgang ein, der sich noch einige Jahrzehnte lang fortsetzen dürfte.

Kommentare zu "Was Vergreisung für Anleger bedeutet"

Alle Kommentare
  • Nun, die demografische Katastrophe fällt leider aus, wenn man denn endlich mal die richtigen Zahlen auf dne Tisch legt: Wie verhält sich die Relation von Erwerbstätigen zu nicht Erwerbstätigen bis 2050? Wie hoch ist der Anteil der Ausgaben für nicht Erwerbstätige am BIP bis 2050? Und wie hoch ist das BIP pro Kopf im Jahr 2050, wenn die Bevölkerung schrumpft, die Wirtschaft aber weiterhin wächst?
    Die Lösungen sind schlicht: Lohnerhöhungen in Höhe des Produktivitätsfortschritts, mehr gute Arbeitsplätze und Kinderbetreuungsmöglichkeiten für Frauen und Einbezug weiterer Einkunftsarten in die Sozialsysteme.

  • Soviel wirtschaftliches Unvermoegen wie in diesen Lesekommentaren ist auch nicht aller Tage zu finden! Unglaublich!

  • Vergessen wird oft, dass weniger Kinder auch bedeuten, das weniger Personen durchhgefüttert werden müssen. Man könnte die Proportion von Durchgefütterten zu Durchfütternden günstig gestalten (bzw. auf heutigem Niveau halten): Bei Heraufsetzung des Rentenalters müsste man dazu nur entsprechend mehr Leute zu vernünftigen Konditionen beschäftigen. Es könnten schon wenige Arbeits-Jahre mehr pro Person ausreichen, wie sich aus Prognosen für die demografische Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten ausrechnen lässt. Wenn das gelingt gibt es kein demografisches Problem bei der Finanzierung der Renten oder des Sozialstaates.

  • Wowh, ist das ein saudummer Artikel! Zeigt er doch nur, was jeder weiß, nämlich dass die Waren vorrangig von der arbeitenden Bevölkerung gekauft werden.

    Der Umkehrschluß, der aus dieser einfachen und banalen Tatsache gezogen wird, zeigt die ganze Perfidität der Versicherungsbranche auf, die nun neue Zeckengründe über die Politik erschließen will. Und das ganze auch noch unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit!!!

    Wird langsam allerhöchste Zeit, dass das Gewinnemachen der Versicherungsbranche verboten wird, um die Gemeinnützigkeit im Sinne des Wortes wieder herzustellen!

  • Blablabla - die demografische Katastrophe ist eine Erfindung der privaten Versicherungswirtschaft. Das "Problem" der gesetzlichen Rente ist die einseitige Lohnfixierung in einer Gesellschaft mit stagnierenden Reallöhnen bei steigender Produktivität und zurückgehender Erwerbspersonenzahl. Eine Finanzierung der Renten aus allgemeinen Steuern wäre problemlos möglich - oder warum funktioniert das bei Beamten seit Jahrhunderten? Lediglich Unternehmens- und Vermögenseinkommen müssten wieder stärker besteuert werden.

  • Man kann im Alter nur etwas verzehren, wenn man es vorher zurückgelegt hat. Früher legte man Getreidespeicher usw. an.
    Bei der Rentenversicherung wird nichts zurückgelegt, sondern unseren Eltern gegeben. Da die Rentenversicherungsbeiträge schon jetzt nicht reichen, zahlen alle ca. 30 % der Rentenausgaben mit hohen Steuern. Wenn wir keine Eltern sind, können wir auch nichts erhalten. Und die Steuern steigen.
    Sparvermögen ist nur Papier und es symbolisiert Arbeitskraft in allen Formen und Spekulationsarten und hat nur dann einen Wert, wenn andere es brauchen und es uns abnehmen und evtl. dann auch noch Zinsen zahlen.Papiergeld ist also unser Getreide. Bei dem vorhandenen riesigen Geldvermögen aller bei uns und in Europa und USA pp wird das Papier Geld nicht mehr genügend nachgefragt und jetzt soll es in die "Drittländer" verfrachtet werden. Wenn die demnächst auch nichts mehr brauchen, gucken wir dumm. Das Getreide wird verfaulen. Und wenn wir in Deutschland nichts mehr exportieren können, weil die großen Drittländer demnächst alles selbst herstellen, was sie brauchen, werden wir, bzw. erst unsere Kinder und Enkel,verarmen. Da helfen dann auch keine Fonds von großen Versicherungen, die in den Drittländern finanziert haben. Denn China geht nicht unseren Weg. Der Staat setzt nicht auf Schulden, denn die Bürger dort können die Politiker nicht wählen und niemand muss ihnen deshalb Versprechungen vor der Wahl machen. China hat im Gegenteil so hohe Geldvermögen in Euro und vor allem Dollar.Und haben inzwischen begriffen, dass das Geld durch die rapide steigende Geldmenge (der Gelddrucker lässt grüßen) immer mehr an Wert verliert.
    Eine Lösung für das Problem, wie man einen ruhigen Lebensabend verbringt, gibt es nur begrenzt: wieder bescheidener werden und nur noch die wählen, die versprechen, dass wir "weniger" haben werden (erhalten aber nichts neues) das aber sicher(reichte früher auch und wir waren nicht unglücklich), finanzieren Sie in Ihr eigenes Heim
    Willi Westerholt

  • gegenwärtig "Vergreisung" - früher waren wir jung, dynamisch, erfolglos - Mensch, irgendwie läuft aber auch immer was schief!

  • Deutschland setzt, wie schon Japan, auf eine sehr niedrige Steuerquote und eine rigide Sozialpolitik und muss mit einer niedrigen Geburtenrate den Preis dafür zahlen: Dauerhaft niedrige Geburtenraten führen aber keineswegs nur zur Alterung. Altern heißt sterben – auch für Gesellschaften. Eine anhaltend niedrige Geburtenrate endet zwangsläufig mit der Selbstauslöschung der Gesellschaft; und das keineswegs erst dann, wenn der letzte Alte friedlich verstorben ist. Die deutsche Gesellschaft altert so schnell, dass sie schon in wenigen Jahrzehnten nicht mehr in der Lage sein wird, ihre elementaren sozialen, ökonomischen und administrativen Funktionen zu gewährleisten (vgl. wie alles so kam und warum und was noch kommt).

  • Vergreisung führt in einer einigermaßen funktionierenden Gesellschaft zu steigenden sozialen Lasten und je schlechter eine Gesellschaft funktioniert, zu entsprechend mehr sozialem Elend, besonders unter alten Menschen. Der Anleger sollte - egal welche Anlageformen gewählt und wie jeder andere Steuerpflichtige auch - mit steigenden Steuern und Abgaben rechnen, sofern es in ein paar Jahren überhaupt noch etwas gibt, was als werthaltige Anlage anzusehen ist...

  • @Bemerkung
    Wenn Sie Ihr Geld Schmarotzern übergeben, ganz gleich ob in der eigenen Famile, der Finanz"Industrie" oder dem Staat, dann wundert mich garnichts.
    Verwalten Sie es selbst! Sogar im gegenwärtigen unsicheren Umfeld sind jährlich 10% Rendite nachhaltig erzielbar. Dafür müssen Sie sich jedoch mit der Materie beschä

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