Gebrauchte Risikopolicen eine besondere Anlageklasse
Geschäfte auf Leben und Tod

Der Handel mit Lebensversicherungen ist eine angelsächsische Erfindung. Nun entwickelt sich das Geschäft auch in Deutschland zu einer interessanten Marktnische. Doch es gibt es große Unterschiede.

fw DÜSSELDORF. Lutz Schröder ist Gebrauchtwarenhändler der besonderen Art: Er und seine Cash-Life AG kaufen und verkaufen „gebrauchte“ Lebensversicherungen. Dieser Markt war lange Zeit vor allem von britischen und amerikanischen Produkten bestimmt. Käufer sind vor allem institutionelle Anleger, darunter auch spezialisierte Fonds, an denen sich Privatanleger beteiligen können.

Cash-Life aber kauft vor allem deutsche Policen. Schröder sagt seinem Geschäftsfeld einen „Boom“ voraus, freilich innerhalb einer begrenzten „Marktnische“. Seine Begründung: Deutsche Versicherer werden, um ihre Risiken einzuschränken, immer mehr dazu übergehen, Gewinnanteile erst gegen Ende der Laufzeit gutzuschreiben. Das führt dazu, dass die Rückkaufwerte der Verträge immer schlechter werden, weil lange Zeit nur wenig Gewinn verbucht ist. Damit wird es attraktiver, die Police zu verkaufen, statt sie dem Versicherer zurückzugeben.

Nicht zufällig hat sich der Markt zunächst in Großbritannien entwickelt. Dort werden traditionell Gewinnanteile erst spät gutgeschrieben. Beim Verkauf liegen die Preise der Policen daher zum Teil mehr als 20 % über dem Rückgabewert – in Deutschland sind es zurzeit erst wenige Prozentpunkte. Großbritannien zeigt aber auch, dass der Markt kein Selbstläufer ist, wie Markus König von Afina-Pentor, einer Tochtergesellschaft der Commerzbank, erläutert. „Das Interesse der Investoren hat stark nachgelassen“, berichtet er.

Deutsche, britische und US-Policen unterscheiden sich als Anlageobjekte sehr stark voneinander. In Deutschland kauft der Anleger in erster Linie ein Produkt mit garantierter Rendite – dabei stehen ältere Policen mit noch vier Prozent Garantie im Vordergrund; neuere bieten nur noch 3,25 %. Nicht zu übersehen ist allerdings, dass diese Prozentsätze sich auf das Kapital nach Abzug der Kosten beziehen. Im Grunde ist die deutsche Police also eine Mischanlage mit Schwerpunkt im festverzinslichen Bereich. Britische Lebensversicherer hingegen haben traditionell den Schwerpunkt auf Aktien gelegt – deswegen leiden sie noch mehr als die deutschen unter der Börsenschwäche, und daher hat sich die Anlage in diesen Policen in den vergangenen Jahren nicht gelohnt.

Wieder ein anderer Fall sind US-Policen. In Amerika verkaufen vor allem alte oder schwer erkrankte Menschen reine Risikoversicherungen, die erst bei ihrem Tod ausbezahlt werden. Bekannt sind vor allem „Aids“- oder „Krebs“-Policen. Moralisch besehen hat das Geschäft einen zwielichtigen Charakter, obwohl es dem Kranken dazu verhilft, dass er noch etwas hat von seinem Geld: Der Käufer hat ein Interesse daran, dass der Verkäufer möglichst früh stirbt. Diese Konstellation gibt es allerdings auch in anderen Bereichen, etwa beim Kauf eines Hauses auf Leibrentenbasis. König erzählt aber, dass in den USA Fälle bekannt geworden sind, in denen Aids-Kliniken selbst gegen Provision den Handel mit Policen vermittelt oder sogar in diese Policen investiert haben. Für institutionelle Investoren ist dieses Geschäft deswegen interessant, weil es unabhängig von anderen Anlageklassen ist. Allerdings tragen die Käufer, wie Schröder erläutert, ein „Langlebigkeitsrisiko“. Wenn zum Beispiel eine bessere Aids- oder Krebstherapie gefunden wird, drückt das den Wert derartiger Anlagen.

In Deutschland sind im Markt mit gebrauchten Policen mehrere Anbieter tätig, die sich meist noch einmal eine winzige Untermarktnische gesucht haben. MPC Capital zum Beispiel bietet auch Privatleuten die Möglichkeit, in deutschen Policen anzulegen, während Cash-Life mehr auf Großinvestoren aus ist. Credit Suisse Life TIP handelt mit britischen, Lifebond Management mit US-Policen. Unter www.barwert.de gibt es eine Handelsplattform für deutsche Policen, die frei zugänglich ist. Und Life Benefit Resources kauft nach US-Vorbild in Deutschland gezielt Policen von schwer kranken Menschen auf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%