Geförderte Vorsorge
Hauskauf mit Hilfe von Riester

Die Riester-Rente ist mal wieder in den Blickpunkt der Anleger und Anbieter geraten. Die Regierungspläne zur Einbeziehung von Wohneigentum haben Fondsanbieter und Versicherungsgesellschaften auf die Palme gebracht – andere reagieren indes bereits mit Angeboten. Unterm Strich erwarten Experten eine weitere Belebung für die geförderte Vorsorge.

HB FRANKFURT. 2008 könnte wieder ein Riester-Jahr nach dem Geschmack der Fondsbranche werden. Nicht nur die Zuschüsse für die staatlich geförderte private Altersrente haben 2008 ihr Maximum erreicht. Das Bundesfinanzministerium unterstützt zudem seit Jahresbeginn junge Riester-Sparer und Familien mit zusätzlichen Zulagen. „Das Gros der Riester-Sparer dürfte bis Ende 2008 einen Vertrag unterschreiben“, hatte Klaus Riester, Vertriebschef beim Marktführer für Riester-Fondsverträge, Union Investment, bereits vor rund eineinhalb Jahren prognostiziert. Immerhin haben sich die Fondsanbieter einen Marktanteil von 18 Prozent am Riester-Markt erarbeitet, nachdem in den Anfangsjahren nahezu ausschließlich die Versicherungen das Feld beherrschten.

Doch jetzt droht Ungemach aus Berlin, nachdem sich die Regierungskoalition Ende Februar darauf geeinigt hat, selbst genutztes Wohneigentum voll in die Riester-Förderung mit aufzunehmen. Bleibt es bei den „Wohn-Riester“-Plänen, können Sparer ihr Kapital aus laufenden Verträgen für den Kauf eines Eigenheimes einsetzen. Bislang durfte man nur einen Teil des angesparten Geldes für eine begrenzte Zeit aus einem Riester-Vertrag ausborgen. Was Verbraucherschützer wie Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale NRW als Vervollkommnung der Förderung ansehen (siehe Interview "Riestern lohnt sich"), erzürnt Fondsanbieter ebenso wie die Versicherungsbranche.

Ihre Verbände lehnen sich gegen die neue Konkurrenz auf, da beide Anbietergruppen fürchten müssen, dass ihnen langfristig anvertrautes Kapital von heute auf morgen abgezogen wird, wie Marktkenner vermuten. So sieht Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Fondsverbandes BVI, die Gefahr eines „Ausblutens der Altersvorsorge“ , wenn das bisher erreichte Riester-Vermögen für Wohnzwecke „verkonsumiert“ wird. Der Versicherungsverband GDV moniert, dass der Wohn-Riester das Förderverfahren verkompliziert, wenn Anbieter nach Entnahme des Kapitals für Ex-Kunden so genannte fiktive Wohn-Förderkonten führen müssten.

Viele Bausparkassen entwickeln hingegen bereits eigene Riester-Produkte, um beim Start eines Wohn-Riesters dabei zu sein. Den drei bisherigen Anbieter-Gruppen – Fondsgesellschaften, Versicherer und Banken – wird nichts anderes übrig bleiben, als das Ganze sportlich zu nehmen und sich auf zunehmenden Wettbewerb einzustellen. Immerhin geht es um insgesamt 33 Millionen Förderberechtigte, von denen inzwischen ein Drittel einen Vertrag abgeschlossen hat. Das tatsächliche Marktpotenzial liegt Branchenkenner zufolge bei schätzungsweise gut 16 Millionen Sparern.

Verbraucherschützer raten prinzipiell jedem Berechtigten zu einem Riester-Vertrag – allein, um sich die üppigen Zulagen und den Steuervorteil zu sichern. „Junge Leute sollten mit dem Riestern beginnen, wenn sie ihren ersten sicheren Job gefunden haben“, empfiehlt Thomas Rudnik vom Bund der Versicherten. In diesem Jahr dürften sich noch zahlreiche Riester-Sparer gewinnen lassen, da das geförderte Alterssparen noch einmal deutlich attraktiver geworden ist: Die staatlichen Zulagen steigen auf 154 Euro pro Sparer, hinzu kommen 185 Euro für jedes Kind beziehungsweise 300 Euro für jedes ab 2008 geborene Kind. Außerdem erhalten junge Riester-Sparer unter 21 Jahren einen Bonus von 100 Euro bei Vertragsabschluss. Von der Steuer absetzen kann man seit 2008 Sparraten bis zu 2 100 Euro im Jahr (minus Zulagen). Der Sparer verschiebt damit die Besteuerung ins Rentenalter, wenn er die Auszahlungen versteuern muss.

Zu Riester-Verträgen auf Fondsbasis raten Verbraucherschützer Bürgern, die noch mindestens ein Jahrzehnt bis zur Rente vor sich haben, um die Renditechancen an den Kapitalmärkten angemessen nutzen zu können. Vor einem Kapitalverlust schützt Anleger die Garantie aller Riester-Anbieter, ihnen mindestens das eingezahlte Kapital auszuzahlen. Neben der Chance auf eine langfristig höhere Rendite bleibt den Fondsanbietern ein weiteres Verkaufs-Bonbon gegenüber Versicherungsangeboten: Riester-Fondssparpläne kann der Sparer überzahlen und damit Abgeltungsteuer vermeiden. Wer mehr als die maximal geförderten 2 100 Euro im Jahr in seinen Vertrag einzahlt, den Vertrag mindestens zwölf Jahre anspart und ihn bis zum 60. Lebensjahr hält, muss später die Erträge nur zur Hälfte mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Die Frage ist allerdings, ob dieses Steuersparmodell auf Dauer Bestand hat.

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