Geldwäsche: Betrüger missbrauchen Konten privater Anleger

Geldwäsche
Betrüger missbrauchen Konten privater Anleger

Immer mehr Geldwäsche in Deutschland: Im vergangenen Jahr gab es mehr als 9 000 Verdachtsfälle. Auch 2010 geht der Trend ungebremst weiter. Die Geldwäscher machen sich zunehmend Privatkunden zunutze, die ihre Konten für kriminelle Machenschaften zur Verfügung stellen.
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FRANKFURT. Die Zahl der Verdachtsanzeigen wegen Geldwäsche ist im vergangenen Jahr in die Höhe geschnellt. Insgesamt verzeichneten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Bundesagentur für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen Anstieg von 23 Prozent auf knapp über 9.000 Verdachtsfälle. Und auch 2010 geht der Trend ungebremst weiter: Im ersten Halbjahr habe das BKA bereits fast 5.000 Verdachtsanzeigen erhalten, wie Präsident Jörg Ziercke mitteilte.

Zurückzuführen ist das vor allem auf das Phänomen des sogenannten Finanzagenten. Dabei machen sich die Geldwäscher zunehmend Privatkunden zunutze, die ihre Konten für kriminelle Machenschaften zur Verfügung stellen. Die Drahtzieher werben gezielt Menschen an, die im Internet einkaufen und ihr Konto gegen eine Provision für Überweisungen illegaler Gelder zur Verfügung stellen, teilweise für eine Zahlung von gerade einmal 10 oder 20 Euro. "Das sind ganz naive Menschen, die sich an derartigen Transaktionen beteiligen", sagte BaFin-Präsident Jochen Sanio. Das BKA vermutet, dass trotz der Aufklärung über die rechtlichen Folgen die Anreize für diesen vermeintlich lukrativen Nebenverdienst weiterhin hoch bleiben dürften. Oftmals machen sich die Geldwäscher aber auch ohne aktives Zutun der Privatkunden ans Werk. Die teilweise mittels "Phishing", also dem Klau von persönlichen Daten der Internetnutzer, getätigten Transaktionen werden von den Banken immer öfter angezeigt. Einigen Tätern ist es gelungen, das I-Tan-Verfahren durch neue Schadsoftware auszuhebeln, sodass sich die Zahl der "Phishing"-Fälle weiter erhöht hat.

Ein weiterer Wachstumsmarkt der Geldwäscher sind elektronische Zahlungssysteme, die teilweise noch nicht den Regularien des Finanzsystems unterliegen. So stieg die Zahl der Verdachtsfälle im vergangenen Jahr deutlich auf 63 an. Auch für 2010 rechnet das BKA hier mit einem deutlichen Anstieg. Um Nachahmereffekte zu vermeiden, wollen BKA und BaFin keine genaueren Angaben dazu machen, wie sich die Täter diesen neuen Geschäftszweig zunutze machen. BKA und Bafin hätten die Entwicklung der "neuen Zahlungsmethoden" mit großem Interesse verfolgt und sehr schnell erkannt, welche potenziellen Gefahren diese Zahlungsmethoden in puncto Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung mit sich brächten, erläuterte Sanio.

Bei etwa jeder zweiten der mehr als 9.000 Anzeigen hat sich der Verdacht einer Straftat letztendlich erhärtet. In den meisten Fällen wurde den Personen ein Betrug zur Last gelegt. In 98 Fällen gab es zudem Hinweise auf Terrorismusfinanzierung. "Das ist ein entscheidender Ansatz, um terroristische Anschläge mit möglicherweise verheerenden Auswirkungen zu verhindern", erläuterte Ziercke.

Um den Geldwäschern künftig besser das Handwerk zu legen, forderten Bafin und BKA eine bessere internationale Zusammenarbeit.

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  • betrüger angebliche private investoren,
    ich glaubte eigentlich fit zu sein für Geschäftswelt, an der guten Ausbildung und an der breiten berufserfahrung mangelt es nicht und trotzdem bin ich von zwei solchen angeblich privaten investoren "über bett gezogen worden". Diese haben meist einen Sitz in England und wickeln das operative Geschäft in italien ab. Gebe gerne an interessierte Auskünfte.

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