Gesetzliche Krankenkassen
Nach der Beitragserhöhung ist vor der Beitragserhöhung

Die letzte Runde gestiegener Zusatzbeiträge ist gerade wenige Wochen jung, da kündigen die gesetzlichen Krankenkassen die nächsten Schritte an. Schon 2017 könnten die Zusatzbeiträge erneut steigen.

BerlinDie gesetzlichen Krankenkassen rechnen mit deutlich steigenden Beiträgen in den kommenden Jahren. „Durch die teure Gesetzgebung der großen Koalition wird der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bis 2020 auf zwei Prozent steigen“, sagte der Vorsitzende des Ersatzkassenverbandes, Christian Zahn, am Mittwoch in Berlin. Zurzeit liegt der Zusatzbeitrag, den die Arbeitnehmer allein zahlen müssen, im Schnitt bei 1,1 Prozent. In den kommenden Jahren würden die Sätze für die Mitglieder um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen, sagte Zahn voraus. Der Grund seien zusätzliche Ausgaben von insgesamt 16 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren.

Auch die Chefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung, Doris Pfeiffer, sprach im Interview mit der „Welt“ von Steigerungen auf 1,8 Prozent bis 2019, was im Vergleich zum vergangenen Jahr eine Verdopplung wäre. Im kommenden Jahr würden es bis zu 0,3 Punkte mehr sein.

Ersatzkassenvertreter Zahn sprach sich als kurzfristige Maßnahme dafür aus, Geld aus dem Gesundheitsfonds zur Abfederung der Kosten einzusetzen, die etwa durch Krankenhausreformen anfallen. Der Verband, dem die Marktführer Techniker Krankenkasse und Barmer GEK angehören, fordert zudem eine Rückkehr zur vollen paritätischen Finanzierung der Beiträge durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wofür sich auch SPD, Grüne und Linke starkmachen. Den Grundbeitrag von 14,6 Prozent teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte. Die Zusatzbeiträge zahlen die Mitglieder allein.

Die Vorstandschefin des Ersatzkassenverbandes, Ulrike Elsner, mahnte zudem Reformen im Arzneisektor an. Hier seien die Kosten im vergangenen Jahr um etwa 4,5 Prozent gestiegen. 2014 waren es sogar zehn Prozent. Elsner kritisierte, dass Pharmahersteller ein Jahr lang „Wunsch- und Mondpreise“ verlangen könnten – erst danach gelte ein ausgehandelter Preis. Der mit den Kassen vereinbarte Betrag müsse rückwirkend vom Tag der Markteinführung gelten. Zudem müssten teure Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen, sogenannte orphan drugs, ebenfalls einer Nutzenbewertung unterzogen werden. Da für viele von ihnen der Zusatznutzen bereits als belegt gelte, erklärten immer mehr Hersteller ihre Mittel zu solchen Spezialpräparaten, beklagte Elsner.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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