Gesetzliche Krankenversicherung
Wettlauf um die geringsten Zusatzbeiträge

Vom 1.1. an dürfen die gesetzlichen Krankenkassen ihre Versicherten extra belangen. Immer mehr Kassen verraten, wie hoch der Zusatzbeitrag ausfällt. Ist der Preiskampf vorprogrammiert? Worauf Versicherte achten sollten.
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DüsseldorfNeugierig dürften Kunden der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in den kommenden Tagen zum Briefkasten spazieren. Denn dann werden die ersten Kassen ihren insgesamt rund 70 Millionen Mitgliedern verraten, wie hoch der Zusatzbeitragssatz ausfällt, den Versicherte ab dem 1. Januar abdrücken müssen.

Was steckt dahinter? Zum neuen Jahr sinkt der reguläre Beitragssatz der GKV von 15,5 auf dann noch 14,6 Prozent – so hat es die Große Koalition im Sommer entschieden. Im Gegenzug dürfen Kassen dann je nach Bedarf individuelle Zusatzbeiträge erheben, genauer gesagt: Sie dürfen einen Prozentsatz festlegen, der auf das Einkommen der Versicherten gerechnet wird. Je mehr jemand verdient, umso mehr wird er also zusätzlich bezahlen.

Durchschnittlich wird der Zusatzbeitragssatz bei 0,9 Prozent liegen, hieß es Mitte Oktober bereits vom Schätzerkreis – genau die 0,9 Prozent, um die der Beitragssatz ursprünglich gesenkt wurde. Bleibt am Ende also alles so wie vorher? Nicht ganz. Denn wie der Begriff „Durchschnitt“ bereits impliziert, wird es einige Anbieter geben, deren Zusatzbeiträge nach oben und unten ausschlagen – also teurer oder günstiger versichern als bislang.

Erste Branchenkenner fürchten nun bereits, es könne, wie in der Vergangenheit, ein Preiswettbewerb ausbrechen. Noch recht frisch ist die Erinnerung an die Zeit vor 2009, als die Kassen Beiträge noch selbst festsetzen konnten und die Jagd nach der günstigsten Kasse gang und gäbe war. Oder die Erinnerung an die Jahre 2010 und 2011, als durch den Kostendruck einzelne Kassen Zuschläge einfordern mussten. Sie verloren damals innerhalb weniger Monate zum Teil Hundertausende Versicherte.

Richtig ist: Auch diesmal könnten Versicherte sparen – nämlich dann, wenn sie bei einer Kasse sind, die künftig einen geringeren Zusatzbeitrag nimmt als den Durchschnitt. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Angenommen, ein Kunde verdient 3.500 Euro brutto im Monat.

Würde er den mittleren Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent zahlen, wären das 31,50 Euro im Monat oder 378 Euro im Jahr. Würde seine Kasse den Zusatzbeitragssatz auf 0,8 Prozent absenken, könnte er 42 Euro davon sparen. Läge der Zusatzbeitragssatz bei 0,7 Prozent, könnte er schon 84 Euro sparen. Läge der neue Zusatzbeitragssatz nur noch bei 0,4 Prozent, könnte er stattliche 210 Euro im Jahr sparen.

Letztlich wird es wohl genau dieses Sparpotenzial sein, das Versicherte interessiert, wenn in diesen Tagen der Brief der Kasse eintrudelt. Der ein oder andere Versicherte mag sich fragen: Zahle ich künftig weniger? Wo steht meine Kasse im Vergleich zu anderen? Und: Kann ich mehr sparen, wenn ich wechsle?

Kommentare zu " Gesetzliche Krankenversicherung: Wettlauf um die geringsten Zusatzbeiträge "

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  • Das Appellieren an ein "azyklisches Wählen" funktioniert leider nicht; ich bemüh(t)e mich in allen meinen bisherigen öffentlichen Äußerungen (die allerdings nun weniger werden und wohl auch nicht mehr die "richtigen" Kreise treffen; ich bin Rentner) darum, Menschen dazu "anzustiften". Nochmals: Leider, die wenigsten erkennen, dass man nur so wirklichen Druck erzeugen könnte, weil der bei den "Regierigen" (fand ich gut damals, aus "Hurra, Deutschland") aller Couleur an das "Eingemachte" gehen könnte. So bleibt alles beliebig.
    Das schleichende Aufheben der AG/AN-Parität ist doch schon lange zu beobachten, bisher hat es keinen Deutschen wirklich gestört. Die Gelder, die von Legislative und Exekutive ausgegeben werden für Zwecke "deutscher Weltgeltung" und "Bündnisverpflichtungen" sind eigentlich Gelder der Steuer- und Abgabenzahler, also der "Frau/des Mannes auf der Straße"; für den wäre eigentlich Geld auszugeben, denn von dem hat man es.Es wären genügend finanzielle Mittel vorhanden, um die Deutschen in Ruhe lassen zu können, aber nein, jede neue Koalition treibt neue "Säue durch das Dorf" und ausgerechnet die Minister aus einer "Arbeiter-Partei" (um es deutlich zu sagen: der SPD) machen bei diesem "Sautreiben" fröhlich mit, verschwenden Gelder (man denke nur an den Berliner Flughafen BER) sinnlos (auch in Afghanistan haben/hatten wir nichts zu suchen!), anstatt sie (beispielsweise) in eine moderne Gesundheitsvorsorge für dieses Volk zu investieren. Und dazu kommt noch, dass man den Gewerkschaften, die die ökonomischen Interessen der Arbeitnehmer vertreten, Schand und Brand anhängt, und sie nun noch in ihrer Wirksamkeit beschränken will. Wo treiben wir hier hin? Wir brauchen noch nicht einmal die Wertkonservativen, die ausschließlich Arbeitgeber-Interessen (und ihre eigenen) vertreten, es genügt dafür auch die SPD, selbst die Grünen sind neben der CDU angekommen...

  • Daher fordere ich schon lange die Pflichtversicherung der Damen und Herren Bundestagsabgeordnete in den gesetzlichen Sozialversicherungssystemen!

    Wenn unsere Volksvertreter mehr möchten, können Sie dies aus ihren nicht gerade schmalen Diäten privat versichern.

  • Unsere gesetzlichen Sozialversicherungssysteme werden vermutlich erst dann gesunden, wenn unsere Damen und Herren Bundestagsabgeordnete per Gesetz dort ebenfalls pflichtversichert sind und private Zusatzversicherungen selber finanzieren dürfen.

    Solange diese jedoch beliebig über die Beitragshöhen und wesentlichen Leistungen bestimmen dürfen, sich selbst jedoch diesem System entziehen, ist keine Besserung in Sicht.

    Daher wird es Zeit alternativ zu wählen, das vermeintlich kleinere Übel bekommt es schon lange nicht mehr hin!

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