Gesundheit
So wehren sich Patienten gegen Ärztepfusch

Die Regierung will weniger Kunstfehler. Doch sie stärkt die Rechte der Patienten nur halbherzig. Betroffene müssen daher auch künftig viele Hürden auf dem Weg zu ihrem Recht nehmen.
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DüsseldorfCarolin Wosnitza machte zu Lebzeiten durch ihre Oberweite auf sich aufmerksam. Seit ihrem Tod im Januar 2011 verbinden viele mit „Sexy Cora“ jedoch auch Ärztepfusch. Eigentlich wollte sie vor einem Jahr ja nur ihre Brust zum wiederholten Mal vergrößern lasen, von Körbchengröße 70 F auf 70 G. Doch während der Operation kam es zu einem Herzstillstand, bei dem das Gehirn für einige Minuten keinen Sauerstoff erhielt. Wenige Tage später starb sie.

War die Ursache dafür ein Behandlungsfehler? Zunächst wurde Medikamentenmissbrauch als Todesursache vermutet. Doch inzwischen ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen fahrlässiger Tötung gegen die an der Operation beteiligte Anästhesistin und den Chirurgen. Ein Gutachten kam dabei zu dem Schluss, dass wahrscheinlich bereits bei der Narkose erhebliche Fehler bei der Beatmung gemacht worden seien. Auf Anfrage von „stern.de“ bekräftigte der Ehemann der Toten, Tim Wosnitza, die Aussagen der Gutachter. 

Der Fall ist in mehrfacher Hinsicht typisch für Streitfälle über möglichen Ärztepfusch: Die meisten Vorwürfe wegen medizinischer Behandlungsfehler betreffen Bereiche, in denen viel operiert wird: die Chirurgie vor allem, aber auch Orthopädie und Gynäkologie. Oft dauert es Monate, bis die Fakten vorliegen. Und bis es dann zu einem Prozess kommt, kann leicht mehr als ein Jahr vergehen. Ohne zahlreiche Fakten aus den Patientenunterlagen und Gutachten von Experten haben Betroffene zudem kaum eine Chance auf Schadenersatz.

Ansprüche werden oft gestellt, denn Ärzte machen häufiger etwas falsch als gedacht. Die Zahl der Behandlungsfehler lässt sich dennoch bisher nur schätzen, weil keine Zahlen offiziell gesammelt werden. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. geht in einer Schätzung von 17.000 Todesfällen durch Behandlungsfehler jährlich aus. Diese Zahl mache deutlich, wie wichtig es ist, Behandlungsfehler so weit wie möglich zu vermeiden, stellt das Gesundheitsministerium fest. 

Deshalb hat die Regierung nun beschlossen, den Patienten mehr Rechte zu geben. Das für die Patienten maßgebliche Recht sei derzeit zersplittert und selbst für Juristen schwer zu überblicken, lautet die Selbsterkenntnis. In manchen Fällen soll es daher künftig einfacher werden für Betroffene, Schadenersatz und Schmerzensgeld gerichtlich sowie außergerichtlich geltend zu machen. 

Der Opposition und Vertretern von Patientenvereinigungen geht dies allerdings noch nicht weit genug. Sie fürchten, dass die Betroffene in vielen Fällen auch künftig sehr lange und intensiv um ihr Recht kämpfen müssen – im Zweifel vor Gericht. Dazu sind vor allem Privatversicherte entschlossen, wie eine Umfrage der der GfK Marktforschung Nürnberg bei 2.014 Bundesbürgern ergab. 

Kommentare zu " Gesundheit: So wehren sich Patienten gegen Ärztepfusch"

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  • Dem ist völlig zuzustimmen.

    Die ärztlichen Ausreden mit dem Wort "Kunstfehler" darf von Gerichten nicht mehr akzeptiert werden. Die Ärzte werden mitnichten als Künstler ausgebildet. Da kann man Verantwortung für ihre Handlungen verlangen. Es müssen ja nicht gleich so exorbtante Schadensersatzforderungen wie in den USA entstehen. Wobei angemerkt werden muss, daß diese hohen Schadensersatzforderungen als Löwenanteil an die Juristen fließen!

  • Der gesetzte Link funktioniert nicht:

    Hier der Weg nach dort:
    "Hier könnte mehr für Patienten passieren"
    "Offizielle Datenbank"
    "Private Initiativen sammeln dagegen Fehler"

  • Jeder Handwerker kann für seine Arbeit zur Verantwortung gezogen werden. Dies sollte auch für Ärzte gelten. -
    Die Schadensersatzhöhe ist im Falle eines Falles angemessen (und nicht in total illusorischen US-Höhen) zu bemessen. Auch darüber müssen die Gerichte wachen.

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