Gesundheitsreform
Was Versicherer alles wissen

Der Anbieterwechsel wird für Privatversicherte leichter. Theoretisch. Denn die Unternehmen tauschen Kundendaten aus und lehnen ab.
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Jahre mussten Hunderttausende Versicherte leiden, jetzt endlich lindert die Gesundheitsreform ihre Pein. Die Therapie: Wer mit seiner privaten Krankenversicherung (PKV) unzufrieden ist, kann im ersten Halbjahr 2009 einen Teil seiner beim alten Unternehmen angesparten Altersrückstellungen zum neuen Anbieter mitnehmen. Klingt gut, endlich wird der Wechsel ohne enorme Verluste leichter. Die ersten Anbieter wie Axa, Central oder LVM greifen die politische Steilvorlage schon dankbar auf und gehen bei Wettbewerbern auf Kundenfang. Schade nur, dass die Hoffnung für viele Wechselwillige als Enttäuschung enden wird.

Denn erstens muss sich, wer in einen besseren Tarif als den Basistarif – die PKV-Holzklasse – wechseln will, einer erneuten Gesundheitsprüfung unterziehen. Die endet oft in Ablehnung oder Risikoaufschlag, da reicht schon ein Heuschnupfen. Und zweitens tauschen sich die Assekuranzen über ihre Kunden aus; erfahren, wer von wem warum einstmals abgelehnt wurde. Betroffen sind davon nicht nur PKV-Kunden, sondern auch jedermann, der eine Berufsunfähigkeitspolice braucht.

Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die eine Zusatzversicherung für Zähne, Chefarzt oder Heilpraktiker bei einem privaten Anbieter abschließen wollen, können in eine Datenaustausch-Mühle zwischen GKV und PKV geraten – obwohl der Transfer zum Teil verboten ist. Datenschützer sind alarmiert. Der Verband der Privaten Krankenversicherer in Köln sollte jetzt der zuständigen Datenschutzbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen, Bettina Sokol, Bericht erstatten. Sokol bezweifelt unter anderem, dass die Unternehmen nur erlaubte Daten austauschen, und argwöhnt, dass Versicherte nicht ausreichend informiert werden.

Missbrauch befürchten Verbraucher- und Datenschützer zum Beispiel bei der sogenannten Versichertenumfrage. Das ist die branchenweite Suche nach schwarzen Schafen unter den Kunden. Der aufnehmende Versicherer darf sich mit Einverständnis des Neukunden erkundigen, ob der schon mal wegen einer Vertragsverletzung, einer Doppelversicherung oder eines Betrugs auffällig geworden ist. 3000-mal wurde diese Recherche 2007 laut PKV-Verband gestartet.

Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert dabei das Procedere: "Fatalerweise weiß der Kunde nicht, welche Daten von ihm abgefragt wurden und kann so folgenreiche Fehler auch nicht korrigieren." Sein Fazit: "Beim PKV-Verband herrscht zu wenig Transparenz." Außer für die branchenweit durchgeführte Versichertenumfrage gilt das auch für die sogenannte Vorversicherungsanfrage. Hier willigt der Wechselinteressierte ein, dass sich die neue Versicherung bei seiner alten über ihn erkundigen darf.

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