Gierige Vertreter: Wie sich Finanzberater scharf machen

Gierige Vertreter
Wie sich Finanzberater scharf machen

Verkäufer von Versicherungen, Fonds und anderen Finanzprodukten müssen ständig motiviert werden. Ihre Chefs feuern sie mit Reisen, Partys oder Hasstiraden an. Videos im Netz zeigen, wie sich die Vertreter heiß machen.
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DüsseldorfDer Finanzkonzern Württembergische & Wüstenrot (W&W) steht allein auf weiter Flur. Seit dem Image-Debakel mit einer Rio-Reise seiner Bausparkasse hat die Gruppe auf Belohnungsreisen seiner Verkäufer ganz verzichtet. Dem ist auch zwei Monate nach Bekanntwerden des Skandals kein anderes Unternehmen gefolgt.

„Uns ist nicht bekannt, ob und dass andere Unternehmen in unserer Branche seit Neuestem vollständig auf Incentive-Reisen verzichten“, erklärte der Finanzkonzern auf Anfrage des Handelsblatts.

Die W&W-Gruppe habe bereits vor fünf Jahren begonnen, das Vergütungssystem im Vertrieb stärker auf dauerhafte Kundenbindung anzulegen. Incentive-Reisen hält man in Stuttgart nicht mehr für zeitgemäß: „Nach den Rückmeldungen vieler Kunden und auch von Vertriebspartnern sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass Reisen vor allem zu fernen oder zu prestigeträchtigen Zielen nicht mehr die richtige Form sind, um unsere Vertriebsmitarbeiter oder Außendienstpartner zu besonderen Leistungen zu motivieren.“

Dies sei auch Kunden nicht mehr vermittelbar, und das sähen auch viele Außendienstpartner so. Sie wollten sich in ihrem Umfeld nicht mehr für diese Form der Belohnung rechtfertigen. Das bedeutet gleichwohl nicht, dass auf die Honorierung guter Vertriebsleistungen verzichtet werde.

Obwohl die Entscheidung sicher nicht bei allen auf Zustimmung stoße, sei man überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. „Regeln sind das eine, die gelebte Wirklichkeit das andere. Privates Handeln in der Freizeit lässt sich auch bei einer Dienstreise nie hundertprozentig regeln.“

Wüstenrot: „Eindeutige Ausschweifungen während einer Dienstreise.“

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  • Leider vergisst man oftmals, dass gerade die großen Konzerne, allein um ihr unternehmerisches Risiko abzuwälzen, mit selbständig arbeitenden "Angestellten" zusammenarbeiten. Das sind oft Langzeitarbeitslose oder Leute, die schlicht und ergreifend durchs Raster gefallen sind. Diese Leute müssen leider so arbeiten oder "systemkonform" erscheinen, weil sie sonst keinerlei Einkommen hätten. Die großen Konzerne sparen dafür das Risiko und!!! die Lohnnebenkosten/sprich Sozialversicherungsbeiträge!

  • Die Struki-Veranstaltungen vom BHW sind für Außenstehende oder Gäste nur noch peinlich. Meist unmodisch gekleidete, leicht adipöse und häufig kettenrauchende Männer, aufgetakelte Frauen, die ihre besten Zeiten längst hinter sich haben, stundenlanges Hochleben der besten Abzocker, an Langeweile und Plattheit kaum zu überbietende Reden der Vorturner. Abends gibt es dann neben reichlich Alkohol auch noch Indoorfeuerwerk. Man kann sich nur schämen und wenn man das einmal mehr zwangsweise erlebt hat, dann tut man alles, um beim nächsten Mal einen trifftigen Grund hat, nicht zu erscheinen.

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