GKV gegen PKV: Das nächste Duell in der Krankenversicherung

GKV gegen PKV
Das nächste Duell in der Krankenversicherung

Krankenkassen attackieren, Versicherer kontern. In der jüngsten Runde des Systemstreits zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung heißt es nun: Frau möchte Mann unter die Fuchtel zwingen.
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Düsseldorf.Die oberste Lobbyistin der Krankenkassen ringt mit dem Vorsitzenden des größten Krankenversicherers um die Meinungshoheit. Es geht um die Zukunft der Krankenversicherung – und um die Gunst der Politik. Die Streitfrage: Sollten neun Millionen Kunden der Privaten Krankenversicherung in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eingegliedert werden?

Doris Pfeiffer, die Chefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, ist dafür. Denn sie hält die private Krankenversicherung dauerhaft nicht für überlebensfähig. "Aus meiner Sicht wird sich das System PKV auf Dauer nicht tragen", sagte Pfeiffer in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Vermutlich bedürfte es daher gar keiner politischen Entscheidung, für oder gegen die PKV.

Debeka-Chef Uwe Laue hält derlei für unsinnig, denn die Privaten ständen besser da. „Es wird Zeit, dass mit gängigen Vorurteilen und Klischees aufgeräumt wird“, erklärte er. „Die PKV ist mit ihrem Aufbau an Reserven für das Alter deutlich besser auf die demografische Entwicklung vorbereitet als die GKV, die dafür keine Reserven hat. Auch vor diesem Hintergrund ist die PKV mehr denn je ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems.“

Beide setzen damit den Systemstreit fort, der bereits seit Monaten zwischen GKV und PKV tobt. Linke Politiker und Krankenkassen sind die Speerspitze der Kampagne gegen die PKV. Selbst in CDU und FDP mehren sich jedoch inzwischen die Kritiker. Im Vorfeld der nächsten Bundestagswahl zieht sich damit die Schlinge zu: Die PKV kämpft immer verzweifelter ums Überleben. Denn die Anti-PKV-Front will nicht nur an die Rücklagen der Privaten, viele würden die PKV in ihrer heutigen Form am liebsten abschaffen und durch eine Bürgerversicherung für alle ersetzen. 

Die Krankenkassen verweisen zur Begründung ihrer Haltung immer wieder auf die steigenden Beiträge. Das Problem sei das Geschäftsmodell der PKV: "Wenn man jungen Versicherten niedrige Prämien mit einem scheinbar unbegrenzten Leistungsangebot offeriert, kann das auf Dauer nicht funktionieren", sagte Pfeiffer. Dies mache sich im Zusammenhang mit dem medizinischen Fortschritt, mit Kostensteigerungen und der demografischen Entwicklung zunehmend bemerkbar.

Kommentare zu " GKV gegen PKV: Das nächste Duell in der Krankenversicherung"

Alle Kommentare
  • Hr. Laue sagt leider nicht die ganze Wahrheit!
    Er verspricht stabile Beiträge. Wie soll das gehen?
    Hat doch gerade auch die Debeka Ihre Beiträge (bei mir um das 3-fache) - mit der Begründung der med. Fortschritt müsse zur Kenntnis genommen werden - regelmäßig erhöht!
    Da ich mich seit ca. 2 Jahren mit den Unisextarifen befasse, habe ich nur eine Begründung für die revolutionäre Aussage von Hr. Laue, daß die Beiträge zukünftig stabil bleiben.
    Diese ist wie folgt:
    Ich habe von einer Aktion der Debeka zur Kenntnis genommen, die guten Risiken (also Junge und Gesunde) aus den Bisextarifen in die Unisextarife rüberzulotsen.
    Somit ist damit zu rechnen, daß die Beiträge sich in den Unitarifen - trotz Mehrleistungen ggü. Bi- sehr günstig auswirken werden.
    Es stellt sich nur die Frage wie es mit den "ausgeschlachteten" Alttarifen dann weitergehen wird...
    Das sind geschlossene Tarife in welchen dann schwerpunktmäßig Alte und Kranke zurückbleiben und dann mit exorbitanten Beitragserhöhungen rechnen müssen, weil diese Veränderung in der Tarifkalkulation nicht berücksichtigt wurde und werden kann.
    Was ich mich frage ist, ob das rechtlich überhaupt in Ordnung ist. Denn...
    Die Debeka wollte alle Bisextarifmitglieder in die Unisextarife überführen. Das wurde als rechtlich bedenklich eingestuft, da hier der Bestandsschutz der Altkunden betroffen war. Deshalb war ein Überführen nicht zulässig.
    Nun sind die Tarife 7 Monate auf dem Markt und die Debeka macht das still und heimlich mit Bezugnahme auf Par. 204 VVG!
    Wo bleibt da der Gesetzgeber, die Bafin??

  • Alle Wissenschaftler, Institutionen und Medien, die ohne Hinterfragen, solche Zahlen veröffentlichen, müssten voll in persönliche Haftung genommen werden und erst dann nochmals dazu befragt werden, wie Sie denn die Risiken der fehlenden Rücklagen der gesetzlichen Krankenversicherung und die Subventionierung durch den Staat hinsichtlich der Versichertenbeiträge bewerten:

  • Das ist ein alter Hut mit dem GKV-PKV Vergleich der Beratungsfirma Premium Circle.

    Ein netter Versuch dieser Firma, die eigenen Vergleichsprogramme der PKV-Tarife wieder medienwirksam ins Gespräch zu bringen.

    Das die GKV mehr Leistungen erbringt als 80% der Privaten KV-Tarife ist schlicht und einfach Unsinn. Das braucht man wohl nicht weiter zu kommentieren.

    Alle Komforttarife der einzelnen Versicherer leisten selbstverständlich auch für Psychotherapeuten, Hilfsmittel, Anschlussheilbehandlung. Man kann sich natürlich auch die Leistungen der GKV schönreden und auch an einigen "Randpunkten" hochziehen, aber dass das Leistungsniveau insgesamt in der PKV deutlich höher als in der GKV ist, ist denke ich unumstritten.

    Einen Punkt halte ich jedoch noch für sehr wichtig:

    Wenn sogenannte "Einsteiger-Tarife" dem Kunden angeboten werden, muss DEUTLICH auf das niedrigere Leistungsniveau als in den Komforttarifen der PKV hingewiesen werden. Das sollte immer Bestandteil einer seriösen Beratung sein und wird ja auch in dem Beratungsprotokoll mit dem Kunden festgehalten.

    Insofern kann der Kunde in der PKV frei über sein Leistungsniveau und letzlich auch über sein Preisniveau selbst entscheiden.

  • Immer wenn man nicht weiter weiß werden die demographischen Probleme vorgeschoben.
    Da stellt sich bei mir nur die Frage warum ist die Rente bis heute noch nicht auf Kaptaldeckung umgestellt worden.
    Vermutlich vertraut man den Spekulanten doch nicht so ganz.
    Wer kann schon voraussehen was in 15 jahren ist, wie entwickelt sich das Sozialprodukt.

    Hier noch etwas zu dem Thema bessere Leistungen der PKV.
    aus Ärzte Zeitung


    " Die meisten PKV-Tarife sind schlechter als die gesetzlichen Kassen - diese "gravierende Vorwürfe" eines Ökonomen haben die Politik aufgeschreckt. Die Länder fordern Konsequenzen und wollen der PKV intensiv auf den Zahn fühlen.

    CDU-Minister Storm: Fundierte Diagnose stellen.

    © Becker&Bredel / dpa

    BERLIN (sun). Angesichts anhaltender Kritik am PKV-System hat der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Andreas Storm (CDU), Konsequenzen gefordert.

    "Die Vorwürfe sind gravierend. Jetzt muss geprüft werden, ob sie auch stichhaltig sind", sagte der saarländische Gesundheitsminister der "Ärzte Zeitung".

    Daher solle der Sachverständigenrat ein Sondergutachten anfertigen, durch das es mehr Klarheit für die Versicherten geben könnte, forderte Storm.

    Storm bezieht sich auf eine aktuelle Studie des Kieler Gesundheitsökonomen Thomas Drabinski und der Frankfurter Beratungsfirma PremiumCircle.

    Handlungsbedarf ermitteln

    Darin heißt es, dass mehr als 80 Prozent der Tarifsysteme der PKV weniger leisten als die gesetzliche Krankenversicherung.

    Viele Versicherungen würden nur eingeschränkt Anschlussheilbehandlungen, Psychotherapien oder wichtige medizinische Hilfsmittel übernehmen. Zudem seien viele Tarife für die Versicherten zu intransparent."

  • Die Nachvollziehbarkeit von Beitragsanpassungen ist ein anderer Punkt in der Studie. Immerhin 61% können diese noch nachvollziehen. Bei einzelnen Gesellschaften ist die Akzeptanz auch noch deutlich höher.

    Das einzelne PKV-Gesellschaften mehrmals im Jahr die Beiträge erhöhen ist die absolute Ausnahme. Das würde schon aufgrund der erhöhten Verwaltungskosten gar keinen Sinn machen.

    Die Privaten Krankenversicher werden in der neuen Tarifwelt ab 01.01.2013 auf die Niedrigzinslage mit einem gesenkten garantierten Rechnungszins reagieren und die Beiträge entsprechend kalkulieren.

    Man muss das Thema auch langfristig betrachten. Da sehe ich die Chancen durchaus positiv für die Private Krankenversicherung.

    Nicht ein einziger Artikel schreibt über das eigentliche Problem der GKV, dass der heutige Beitrag für die zukünftigen Generationen (aufgrund der immer mehr älteren Versicherten, z.B. Rentner die hohe Ausgaben verursachen)auf KEINEN FALL mehr zu halten ist! Hier werden große Anpassungen nötig sein. Was ist mit den ganzen Leistungskürzungen der GKV in den letzten Jahren wie Brillen,Heilpraktiker,diverse Zuzahlungen, Quartalsgebühr, Kürzungen bei Zahnersatz? Da wird nie drüber gesprochen...Eine BÜRGER-ZWANGSVERSICHERUNG in der GKV löst keines dieser Probleme. Die Kapitaldeckung ist die richtige Antwort auf die demographischen Probleme, die in spätestens 15 Jahren mit aller Wucht die gesetzlichen Kassen treffen wird.

    Oder hat die GKV schon jetzt solche Probleme, dass Sie unbedingt an die mühsam angesparten Altersrückstellungen der Privat Versicherten gehen muss?

    Dann doch lieber ein gesundes Nebeneinander von GKV und PKV mit allen genannten Vorteilen.

  • Das bestehen der PKV wird von einigen mit aller Gewalt und falschen Zahlen unterstützt.
    Hier die Kubus-Studie
    "In den letzten Jahren waren die privat Krankenversicherten in vielen Fällen nicht nur einmal von Beitragsanpassungen betroffen. 2012 können nur noch 61% der privat Vollversicherten mit Beitragsanpassung die Begründung für diese Anhebung nachvollziehen. Damit ist das Verständnis bei den Versicherten deutlich gesunken. 2010 lag der Anteil derjenigen, die die Begründung für nachvollziehbar halten, noch bei 73%. Dies ist das Ergebnis der Studie KUBUS PKV 2012 der Kölner Unternehmensberatung MSR Consulting."

    Deshalb kann es für mich nur eine freie Entscheidung für jeden Versicherten geben. Jeder sollte entscheiden könen ob GKV oder PKV.
    Bei den ganzen Fällen bei denen Versicherte schon in den Ruin und in Alterarmut getrieben wurden, sollte die Politik doch endlich einen Riegel vorschieben.
    Nicht jeder PKV Versicherte sitzt als Beamter im Schoße des Staates und erhält die ganzen Zuschüsse.
    Gäbe es die hohen Beamtenzuschüsse nicht, wäre die PKV schon lange am Ende.
    In Zeiten geringen Marktzinses kann PKV ohne hohe Beitragsanpassungen nicht überleben.
    Wenn man von Bürgerversicherung redet, wäre der Idealfall auch eine Beitragsleistung von Beamten und von allen Einkünften.
    Wer da die Gerechtigkeit und Gleichbehandlung in Frage stellt dem geht es doch einzig und alleine um seine eigenen Vorteile.

  • Wichtig ist doch die medizinische Versogung!

    Was würde denn mit einer Bürgerversicherung besser werden?

    Was hat es z.B. in den Niederlanden gebracht? Besseren Zugang zu medizinischen Innovationen? Nein.

    Kürzere Wartezeiten für Patienten? Nein.

    Ist die medizinische Versorgung günstiger geworden? Nein.

    Nur durch den Wettbewerb zwischen den Systemen GKV-und PKV
    gibt es in Deutschland für ALLE VERSICHERTEN einen raschen Zugang zu Innovationen. Und nur durch den Wettbewerb der Systeme bleibt die gute medizinische Versorgung in Deutschland auf lange Sicht bezahlbar.

  • Vielleicht sollte man mal einen Blick in die aktuelle Kubus-Studie werfen, wo 10.000 repräsentative PKV-Versicherte zu Ihrer Zufriedenheit mit der PKV befragt wurden. Immerhin 73% wollen in der PKV bleiben und nur 14% zurück in die GKV. Das ist ein ordentliches Ergebnis wie ich finde. Es gibt große Unterschiede bei den einzelnen Gesellschaften. Nicht alle Gesellschaften sind gleich beitragsstabil. Berichtet wird leider immer nur über die Negativfälle...

    Die Einführung einer BÜRGER-ZWANGSVERSICHERUNG ist übrigens für die Mehrheit der Bevölkerung KEINE Lösung. Gleichbehandlung, stabile Beiträge und konstantes Leistungsniveau - nichts davon lässt sich mit einer Bürgerversicherung erreichen, so die Überzeugung der Bevölkerung.Genaueres dazu kann der Interessierte in der aktuellen TNS-Infratest Bevölkerungsbefragung 2012 nachlesen.

    Immerhin beneidet uns die ganze Welt um unser duales Krankenversicherungssystem mit GKV und PKV. In einem Einheitssystem ohne jeden Wettbewerb können die Leistungen auf dem Rücken der Kunden noch viel einfacher gekürzt und staatlich rationiert werden, siehe England. Diese Leistungen müssen dann teuer vom Einzelnen hinzugekauft werden. Nicht jeder kann das bezahlen. Zumal die Wartezeiten für Operationen in England durchaus auch mal 6 Monate betragen können. Ist das ein erstrebenswerter Ausblick? Insgesamt würde durch eine BÜRGER-Zwangsversicherung gerade ein 2-Klassen Gesundheitssystem eher noch gefördert! Ich glaube dessen sind sich viele noch gar nicht bewusst.

    Das Nebeneinander von GKV und PKV hat sich seit vielen Jahren gut bewährt. 95% !!! der deutschen Bevölkerung wollen sich in DEUTSCHLAND medizinisch behandeln bzw. operieren lassen. Wenn das kein Vertrauensbeweis für die gute medizinische Versorgung in Deutschland ist.

    Auch ist die medizinische Versorgung in Deutschland mit einem Anteil von 11% am Bruttosozialprodukt nicht günstig, aber auch nicht besonders teuer. z.B.die Niederlande liegt bei 12%, die USA bei 18%! vom BSP.

  • Frau Pfeiffer wird wohl wissen, warum sie 9 Millionen PKV Versicherte in der GKV ansiedeln will.
    Ich gehe davon aus, dass Millionen PKV Versicherte schon um eine Aufnahme in der GKV nachgefragt haben. Wer gerne russisch roulette spielt, kann ja noch in der PKV bleiben.
    Ich würde für eine GKV Aufnahme gerne meine PKV Rückstellungen der GKV übergeben.
    Ich schreibe das obwohl ich einen gutern und günstigen PKV Tarif durch einen freien PKV Optimierer verhandelt habe.
    Nur wie lange der von Dauer ist, steht auf einem anderen Blatt.
    Für mich als PKV Versicherter ist die GKV Versorgung keinesfalls schlechter als die der PKV.
    Bin für eine freie Entscheidung eines jeden Versicherten, dann kann PKV wohl alle Energie in Zusatzversicherungen stecken.

  • Schon vor über 20 Jahren war von Seiten der GKV regelmässig zu hören, die PKV steht kurz vor der Pleite. Ist bis dato nicht eingetreten. Heute steht die Gesetzliche Krankenversicherung mehr denn je vor einem demograpischen Problem, für das sie keine Antworten hat. Die PKV hat eine milliardenschwere Rücklage, die GKV lebt von der Hand in den Mund bei jährlich steigenden Beiträgen. Es wäre besser, man würde einfach den mündigen Bürger entscheiden lassen, indem man allen Bürgen das Recht einräumt, ihre Krankenversicherung frei zu wählen. Und der Gesetzgeber solte sich bei Eingriffen darauf beschränken, analog den Regln zur KFZ-Versicherung die Mindesleistungen vorzuschreiben. Dann hätten wir echten Wettbewerb der Systeme. Den Rest regelt die Marktwirtschaft.

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